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Krieg in Libyen Rebellen-Hochburg Misrata droht Eroberung


Die libysche Hafenstadt Misrata, einer der wichtigsten Vorposten der Rebellen, steht offenbar vor der Eroberung durch Gaddafis Truppen. Indes versuchen die Aufständischen, ihre Soldaten besser zu organisieren - wohl auch mit westlicher Hilfe.

Nach wochenlangen Kämpfen steht der westliche Vorposten der libyschen Rebellen, die Hafenstadt Misrata, vor dem Fall. Die drittgrößte Stadt des Landes wurde am Wochenende komplett von den Streitkräften des Machthabers Muammar Gaddafi eingekesselt. Die Truppen setzten am Sonntag den heftigen Beschuss der Rebellenhochburg 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis fort. Ärzten zufolge kamen bei den Kämpfen bisher Hunderte Zivilisten ums Leben. Die Rebellen betonten, Stadtzentrum und Hafen befänden sich weiterhin in ihren Händen. Regierungstruppen erklärten wiederum, sie seien bereits ins Innere der Rebellenhochburg vorgedrungen. Am Sonntag beschossen und zerstörten die Gaddafi-Truppen ein Gebäude, in dem Verletzte versorgt wurden. Mindestens ein Mensch sei ums Leben gekommen, sagte ein Bewohner. Unterdessen drohen den Einwohnern Misratas auch Versorgungsengpässe. "Verschiedene Lebensmittel werden knapp. Wir fordern Menschenrechtsorganisationen auf, zu helfen", sagte ein Aufständischer, der sich Sami nannte.

Augenzeugenberichten zufolge stoppten Gaddafis Truppen zudem einen Vormarsch der Rebellen im Osten und griffen verstärkt Aufständische in den Bergen südwestlich von Tripolis an. Die Stadt Sintan wurde stark beschossen. Die Aufständischen kämpften außerdem am Sonntag weiter um die Kontrolle über die östliche Ölstadt Brega. Am Morgen waren Explosionen und Maschinengewehr-Salven zu hören. Einen Vorschlag der Rebellen zur Waffenruhe wies das Regime in Tripolis zurück.

Allianz prüft fehlgeleiteten Luftangriff

Bei einem Luftangriff der Nato wurden in der Nacht zum Samstag 13 Rebellen getötet. Die Raketen trafen mindestens vier Fahrzeuge, darunter einen Rettungswagen. Die Aufständischen machten unterschiedliche Angaben, wie es zu dem Beschuss gekommen war. Möglicherweise hätten sie selbst das Feuer auf sich gezogen, hieß es. Andere sagten, Handlanger Gaddafis hätten sich unter die Rebellen gemischt und den Angriff provoziert. Eine Nato-Sprecherin in Brüssel erklärte, die Militärallianz prüfe die Angaben. Die Nato hat am Donnerstag die Führung des Einsatzes übernommen und seither mehr als 360 Angriffe geflogen.

Trotz des Vorfalls appellierten die Rebellen an die internationalen Kräfte, nicht nachzulassen. "Man darf den großen Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren", sagte ein Sprecher im Rebellen-Hauptquartier in der östlichen Stadt Bengasi. "Fehler passieren, aber worauf es ankommt, ist, dass wir Gaddafi loswerden."

Bessere Organisation

Im Kampf um die Macht versuchen die Aufständischen nun ihre Kräfte besser zu bündeln. "Wir organisieren unsere Reihen neu", sagte der frühere Luftwaffen-Major Dschalid al-Libie Reuters. "Wir haben unsere erste Brigade gegründet. Sie besteht komplett aus Überläufern und ehemaligen Rentnern." Angaben zur Stärke der Truppe machte Libie nicht.

Rebellen angeblich mit westlichen Ausbildern

Amerikanische und ägyptische Spezialeinheiten bilden nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira angeblich libysche Rebellen aus. Wie ein namentlich nicht genannter Informant aus den Reihen der Aufständischen einem Korrespondenten des Senders sagte, würden die Gegner des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi an einem geheimen Ort im Osten des Landes militärisch trainiert.

Wie Al-Dschasira weiter berichtete, hätten die Rebellen am Donnerstag im Schutze der Nacht eine Ladung von Katjuscha-Raketen aus Ägypten bekommen. Woher die Waffen genau stammten, sagte der Informant nicht. Sie seien jedoch auf dem neuesten Stand der Waffentechnik. Deshalb benötigten die Rebellen auch ausländische Ausbilder. Dafür seien vor Ort Mitglieder von amerikanischen und ägyptischen Spezialeinheiten. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gab es nicht.

Rumsfeld kritisiert Militäreinsatz

In den USA reihte sich der frühere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unter die Kritiker des Einsatzes ein. Solange nicht klar sei, dass die internationale Allianz Gaddafi stürzen wolle, sei es schwierig für die Mitglieder der bisherigen Führung oder Militärangehörige, überzulaufen, sagte Rumsfeld in einem Gespräch mit dem "Spiegel". Damit sei es nur wahrscheinlich, dass noch mehr Menschen ums Leben kämen.

san/Reuters/DPA DPA Reuters

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