Krieg um Südossetien Russen rücken in Georgien ein


Dramatische Eskalation im Kaukasus: Russische Truppen sind in Südossetien eingerückt, um die georgische Militäroffensive zu stoppen und den Tod russischer Landsleute zu rächen. Georgische Truppen schossen nach eigenen Angaben zwei russische Kampfjets ab.

Der Konflikt zwischen Georgien und Russland um Südossetien hat sich dramatisch zugespitzt. Die georgischen Truppen starteten eine Großoffensive zur Rückeroberung der seit 16 Jahren abtrünnigen Region, die enge Beziehungen zu Russland unterhält. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte daraufhin Vergeltung an. Wenige Stunden später rückten russische Panzer in Südossetien ein, Georgien meldete den Abschuss zweier russischer Kampfflugzeuge.

Der georgische Präsident Michail Saakaschwili ordnete die allgemeine Mobilmachung und die Einberufung der Reservisten an. Er sagte in einer Fernsehansprache, georgische Truppen seien in die Außenbezirke von Zchinwali eingerückt, der Hauptstadt der Region, und kämpften nun um das Stadtzentrum. Saakaschwili warf Russland vor, Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien sieben Menschen verletzt worden.

Saakaschwili hat schon länger erklärt, dass er Südossetien und eine weitere seit Anfang der 90er Jahre abtrünnige Region, Abchasien, wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen will. Ein Sprecher des georgischen Innenministeriums erklärte, es seien zwei russische Kampfflugzeuge über georgischem Gebiet abgeschossen worden. Nähere Einzelheiten nannte er nicht. Ein russischer Panzerkonvoi sei aus Nordossetien nach Südossetien eingerückt und auf dem Weg nach Zchinwali. Die Regierung in Moskau wies Saakaschwilis Angaben über russische Bombenangriffe zurück und bezeichnete die georgische Offensive als "schmutziges Abenteuer".

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte unterdessen, reguläre Soldaten nach Südossetien entsandt zu haben. Das sagte ein Stab-Mitarbeiter des nordkaukasischen Militärbezirks der RIA Nowosti. Das Ministerium in Moskau hatte kurz zuvor von einer nicht näher bezeichneten Verstärkung der Friedenstruppen gesprochen. Damit solle ein weiteres Blutvergießen verhindert werden.

Sollten russische Soldaten ohne internationales Mandat in Südossetien einmarschieren, wäre das ein Verstoß gegen Völkerrecht. Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien, wird allerdings von Russland wirtschaftlich unterstützt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte nicht näher bezeichnete Gegenmaßnahmen angedroht, um die Bürger Russlands in Südossetien zu schützen. Die meisten Menschen in Südossetien haben russische Pässe.

Präsident Dmitri Medwedew erklärte, er sei verpflichtet, das Leben russischer Bürger überall zu schützen. Georgien kündigte für den Nachmittag eine dreistündige Feuerpause an, um die Evakuierung von Zivilpersonen zu ermöglichen. Zuvor hatte das Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) beide Seiten aufgefordert, einen Korridor für Evakuierungen und Rettungstransporte zu öffnen, wie ICRC-Sprecherin Anna Nelson in Genf mitteilte. Frankreich bemühte sich in Vermittlungsgesprächen mit beiden Seiten um einen Plan für einen Waffenstillstand, wie das Büro von Außenminister Bernard Kouchner in Paris mitteilte.

In der Nacht zum Freitag wurden heftige Gefechte aus Südossetien gemeldet, bei denen mindestens 15 Menschen getötet wurden. Georgien habe mit Kampfflugzeugen, schwerer Artillerie und Raketen angegriffen, viele Häuser in Zchinwali stünden in Flammen, hieß es in einer Erklärung auf der Website der Regierung der Separatisten.

Die internationale Gemeinschaft rief Georgien und Russland auf, den Konflikt friedlich beizulegen. Die Europäische Union und die NATO forderten die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen in Südossetien. Auch die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino, forderte beide Seiten auf, auf Gewalt zu verzichten und direkte Gespräche aufzunehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Konfliktparteien zu größter Besonnenheit und Zurückhaltung auf. Südossetien hat sich 1992 von Georgien abgespalten und ist seither de facto unabhängig. International gilt die Region jedoch als Teil Georgiens. Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Das Gebiet unterhält enge Beziehungen zu Russland.

AP/DPA AP DPA

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