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Kurs auf Gazastreifen: Israel entert Hilfsschiff "Rachel Corrie"

Trotz mehrfacher Warnungen ist das irische Hilfsschiff "Rachel Corrie" nicht von seinem Kurs auf den Gazastreifen abgewichen. Nun hat die israelische Marine den Frachter gestürmt. Nach Angaben einer Armeesprecherin wurde jedoch keine Waffengewalt angewendet.

Die israelische Armee hat das irische Schiff "Rachel Corrie" auf dem Weg zum Gazastreifen gestürmt. Israelische Soldaten hätten am Samstag ohne Gewalt die Kontrolle über den Frachter übernommen, sagte eine Armeesprecherin. Niemand sei verletzt worden. Es seien keine Schüsse abgefeuert worden.

Diesmal setzten die Israelis keine Hubschrauber ein, sondern enterten das Hilfsschiff von See aus. Die Organisation Free Gaza protestierte gegen die Übernahme ihres Frachters in internationalen Gewässern. Das Schiff wurde nach Angaben der Sprecherin in den israelischen Hafen von Aschdod gezogen. Dort sollten die 1200 Tonnen Hilfsgüter gelöscht und inspiziert werden. Danach würden sie in den Gazastreifen weitergeleitet.

Verfolgung im Mittelmeer

Zuvor hatten mehrere Schiffe der israelischen Marine die "Rachel Corrie" mehr als acht Stunden lang verfolgt und abgefangen. Die Armee teilte mit, dass der Frachter sich der wiederholten Aufforderung der israelischen Armee widersetzt habe, abzudrehen und in den südisraelischen Hafen Aschdod zu fahren. "Wir haben den Verantwortlichen des Schiffes mehrfach mitgeteilt, dass sie zum Hafen Aschdod fahren müssen", sagte die Armeesprecherin in Jerusalem.

An Bord der "Rachel Corrie" waren rund 1000 Tonnen Hilfsgüter sowie 20 Menschen, darunter die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire und der ehemalige hohe UN-Vertreter Denis Halliday. Am Montag hatten israelische Einheiten eine aus sechs Schiffen bestehende Gaza-Hilfsflotte gewaltsam gestoppt. Die Militäraktion, bei der neun Menschen getötet und weitere 45 verletzt wurden, hatte international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Israel hat den Gazastreifen abgeriegelt, um den Waffenschmuggel in das von der islamistischen Hamas kontrollierte Gebiet zu unterbinden.

USA warnten die Aktivisten

Die USA hatten noch am Morgen den Aktivisten auf der "Rachel Corrie" dringend davon abgeraten, es auf eine Konfrontation ankommen zu lassen und weiter Kurs auf den Gazastreifen zu halten. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Mike Hammer, machte aber auch deutlich, dass Washington mit der Blockade des von der radikalen Hamas beherrschten Gazastreifens durch Israel nicht glücklich ist. "Die derzeitige Regelung ist nicht haltbar und muss geändert werden", sagte er am Freitagabend (Ortszeit) in Washington.

Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, hatte bereits am Freitag angekündigt, dass Israel auch dem siebten Schiff der Solidaritätsflotte nicht gestatten werde, die Seeblockade zu brechen. "Gaza ist wegen der Hamas noch ein Kriegsgebiet und es gibt eine Blockade. Unsere Politik hat sich nicht geändert", sagte Palmor.

Der irische Frachter hatte unter anderem auch 560 Tonnen Zement an Bord. Israel lässt bislang keinen Zement in den Gazastreifen. Als Grund gibt die Regierung in Jerusalem an, dass die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas damit ihre militärischen Strukturen neu aufbauen könnte. Zementmangel ist nach Angaben von Hilfsorganisationen eines der größten Hindernisse beim Wiederaufbau des im Gaza-Krieg 2008/2009 zerstörten Gazastreifens.

Internationale Proteste gegen Israel

Ägypten hatte am Donnerstag seine Landgrenze zum Gaza-Streifen aus humanitären Gründen geöffnet. Bis Samstag passierten nach ägyptischen Angaben etwa 3500 Palästinenser den Grenzübergang Rafah, darunter Patienten, die ärztliche Hilfe in Ägypten suchten. 250 Lastwagen brachten Hilfsgüter in den Gazastreifen.

Nach der gewaltsamen Erstürmung des türkischen Hilfsschiffes kam es auch am Samstag wieder zu internationalen Protesten gegen Israel. In der australischen Hafenstadt Sydney demonstrierten Tausende gegen die Blockade des Gazastreifens und die Erstürmung der Hilfsflotille. Demonstranten verbrannten eine israelische Fahne.

AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters