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70 Jahre Volksrepublik China: Während sich die Führung in Peking feiert, eskalieren in Hongkong die Proteste

Polizei bestätigt Schuss auf Demonstranten +++ U-Bahn-Verkehr eingestellt +++ Demonstrationen und Zusammenstöße in Hongkong am Nationalfeiertag +++ China zeigt mächtige Interkontinentalrakete und Hyperschallgleiter +++ Die aktuelle Lage im stern-Ticker.

Militärparade in Peking, Proteste in Hongkong

Ein Land, zwei Szenen: Machthaber Xi Jinping bei der Abnahme der Militärparade in Peking, eskalierende Proteste in Hongkong

DPA

Es ist der 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China. Während die Staatsführung sich und sein Militär in der Hauptstadt Peking feiern lässt, gehen in Hongkong wieder Tausende auf die Straße, um gegen den wachsenden Einfluss der Zentraleregierung und die Polizeigewalt zu demonstrieren. Am Nachmittag (Ortszeit, MESZ + 6 Std.) eskalierte die Lage in der Millionenmetropole. Die Polizei gab mehrere scharfe Schüsse ab, ein Demonstrant wurde in die Brust getroffen. Sein Zustand sei kritisch, heißt es.

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen im stern-Ticker:

+++ 15.26 Uhr: Demonstranten setzen offenbar U-Bahn-Eingänge in Flammen +++

In Hongkong haben Demonstranten offenbar die Eingänge von zwei U-Bahn-Stationen in Brand gesetzt, wie CNN berichtet. Eine Reporterin des US-Senders, die sich scheinbar vor Ort befindet, verbreitete via Twitter folgende Szenen:

+++ 14.39 Uhr: EU ruft zu Deeskalation auf +++

Die EU rief angesichts der neuen Gewalt in Hongkong zu Deeskalation und Dialog auf. Nur so könne man zu einer Lösung kommen, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Zugleich betonte sie, dass die Behörden gemäß dem Grundgesetz und internationalen Verpflichtungen das Recht auf friedliche Demonstrationen und die Versammlungsfreiheit garantieren müssten.

+++ 14.32 Uhr: 31 Verletzte im Krankenhaus +++

Laut Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" sind im Tagesverlauf bisher 31 Menschen verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zwei davon seien in "kritischem", einer in "ernstem" Zustand".

+++ 14.20 Uhr: Trump gratuliert China +++

US-Präsident Donald Trump hat Chinas Präsident Xi und dem chinesischen Volk per Twitter seine Glückwünsche zum 70. Jahrestag der Staatsgründung übermittelt. Die Lage in Hongkong kommentierte er zunächst nicht.

+++ 14.17 Uhr: 18-Jähriger angeschossen +++

Laut Polizei handelt es sich bei dem von einer Polizeikugel in die Brust getroffenen Protestler um einen 18-Jährigen. "Polizisten warnten den Angreifer, aber er (fuhr fort), die Polizei gewaltsam anzugreifen", sagte ein Sprecher laut CNN. "Polizeibeamte, deren Leben ernsthaft bedroht war, haben geschossen, um sich und die Kollegen zu schützen." Der Zustand des Verletzten sei ernst.

+++ 12.57 Uhr: Polizei bestätigt Schuss auf Demonstranten +++

Eine Quelle der Polizei hat dem britischen Sender BBC bestätigt, dass der verwundete Protestler von einer Polizeikugel in die Brust getroffen wurde. Es ist das erste Mal seit Beginn der Proteste im Juni, dass die Sicherheitskräfte einen Demonstranten durch Schüsse getroffen haben.

+++ 12.49 Uhr: U-Bahn-Verkehr eingestellt +++

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf die Verkehrsbetriebe, dass zahlreiche U-Bahn-Linien in Hongkong aufgrund der Proteste eingestellt wurde. Reporter der Agentur berichten in einem Livestream von den Demonstrationen:

+++ 11.17 Uhr: Bericht: Demonstrant in Hongkong von Polizei angeschossen +++

In Hongkong ist laut einem Bericht ein Demonstrant von der Polizei mit scharfer Munition angeschossen worden. Wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" unter Berufung auf eine nicht näher genannten Quelle berichtet, wurde der Mann im Stadtteil Tsuen Wan an der Brust getroffen. Auf einem auf der Website der Zeitung veröffentlichten Foto war ein blutender Mann zu erkennen, der von Rettungskräften versorgt wird. Wie die Zeitung weiter berichte, feuerte die Polizei am Dienstag mindestens fünf Pistolenschüsse ab. Zwei Warnschüsse wurden demnach abgegeben, nachdem Polizisten von einer Gruppe Demonstranten angegriffen worden war. 

Neue Zusammenstöße: China feiert 70 Jahre Volksrepublik – in Hongkong eskaliert die Gewalt

+++ 10.55 Uhr: Demonstrationen und Zusammenstöße in Hongkong am Nationalfeiertag +++

Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zu Chinas 70. Geburtstag sind in Hongkong am Dienstag Zehntausende für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gegangen. Im Anschluss kam es an mehreren Orten zu Zusammenstößen radikaler Demonstranten mit der Polizei. Aktivisten blockierten Straßen, warfen Pflastersteine, legten Feuer und warfen Brandsätze. Die Beamten setzen Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein.

Wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, gaben Polizisten zudem mindestens zwei scharfe Warnschüsse ab. Beobachter erwarteten, dass sich die Ausschreitungen bis zum Abend noch verschärfen. Die Demonstranten zogen trotz eines Verbots der Behörden durch die Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone.

+++ 8.39 Uhr: Zehntausende Hongkonger protestieren am Nationalfeiertag gegen Regierung +++

Trotz eines Verbots sind in Hongkong am chinesischen Nationalfeiertag Zehntausende Menschen zu einem Protestmarsch für Demokratie und Menschenrechte durch die Stadt gezogen. "Freiheit für Hongkong" und "Hongkong gib Gas" riefen die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten. Viele versteckten ihre Gesichter auf dem Weg durch die Innenstadt hinter Masken. Auch die Hymne der Protestbewegung wurde bei dem zunächst friedlichen Marsch angestimmt. Immer mehr Menschen strömten nach, um sich anzuschließen.

+++ 6.33 Uhr: China zeigt mächtige Interkontinentalrakete und Hyperschallgleiter +++

Bei der großen Militärparade zum 70. Gründungstag der Volksrepublik hat Chinas Militär erstmals eine neue Interkontinentalrakete und einen sehr schnellen Gleitflugkörper gezeigt. Als ein Höhepunkt wurde am Ende der Waffenschau die Dong Feng 41 (Ostwind) präsentiert, die nach Expertenangaben mit bis zu zehn nuklearen Sprengköpfen bestückt in einer halben Stunde die USA erreichen kann. Sie zählt zu den mächtigsten Raketen in der Welt. Ihre Reichweite beträgt zwischen 12.000 und 15.000 Kilometer. 

Die 21 Meter lange Rakete kann von mobilen Startrampen auf Lastwagen oder Zügen sowie aus Silos gestartet werden. Die Zahl der Sprengköpfe im chinesischen Nukleararsenal wird auf 290 geschätzt. Rund 180 bis 190 sollen für landgestützte Raketen sein, während die anderen von Schiffen oder U-Booten sowie von Flugzeugen gestartet werden können. Die USA hingegen verfügen über 6185 Atomsprengköpfe in ihrem Arsenal, so das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri). 

Mit Spannung war auch der neue Hyperschallgleiter DL-17 erwartet worden. Der Gleitflugkörper gilt als gefährliche Waffe, da er fünffache Schallgeschwindigkeit erreicht, niedrig fliegen und Luftabwehrsysteme überwinden kann. Der Gleiter kann mit konventionellen und atomaren Sprengköpfen ausgerüstet werden. Eine Standardrakete startet ihn, doch trennt sich der Gleiter mit einem eigenen Triebwerk bei einer bestimmten Höhe von dem Trägersystem und sucht sich sein Ziel.  

+++ 5.16 Uhr: Xi bei Militärparade in Peking: "Keine Macht kann China aufhalten" +++

Mit der größten Waffenschau ihrer Geschichte hat die Volksrepublik China ihren 70. Gründungstag gefeiert. An der riesigen Militärparade am Platz des Himmlischen Friedens in Peking nahmen 15.000 Soldaten, mehr als 160 Flugzeuge und 580 Panzer und Waffensysteme teil, darunter auch nuklear bestückbare Interkontinentalraketen. Mit der Truppenschau will die kommunistische Führung nach Angaben von Experten militärische Stärke, ihren Machtanspruch und internationalen Gestaltungswillen demonstrieren.

In einer schwarzen Limousine des Typs "Rote Flagge" stehend nahm Xi Jinping als Oberkommandierender die Truppen auf der Straße des Ewigen Friedens ab. "Es gibt keine Macht, die die Grundlagen dieser großen Nation erschüttern kann", sagte der Präsident in einer Rede zu Beginn der Zeremonie. "Keine Macht kann den Fortschritt des chinesischen Volkes und der Nation aufhalten." Er rief zur Einigkeit auf und versprach dem Milliardenvolk "noch mehr Wohlstand". 

Militärparade in Peking

Militärparade in Peking

Mit Blick auf die seit fünf Monaten anhaltenden Proteste in Hongkong forderte Xi Jinping "langfristige Stabilität" in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Er bekräftigte den Grundsatz "ein Land, zwei Systeme", nach dem die frühere britische Kronkolonie autonom regiert wird. Er betonte aber auch mit Blick auf Taiwan den Grundsatz der "friedlichen Wiedervereinigung". Peking betrachtet die demokratische Insel als Teil der Volksrepublik. "Der Kampf für eine vollständige Wiedervereinigung des Vaterlandes muss fortgesetzt werden." 

+++ 2.48 Uhr: Nationalfeiertag: Hongkong bereitet sich auf Ausschreitungen vor +++

nter hohen Sicherheitsvorkehrungen und in Erwartung neuer Ausschreitungen haben in Hongkong die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik China begonnen. Abgeriegelt von der Öffentlichkeit verfolgten geladene Gäste am Dienstag im Messezentrum der Stadt eine Zeremonie, die per Live-Stream in die geschlossenen Räume übertragen wurde. Eine Ehrengarde hisste die Nationalflagge an der goldenen Bauhinien-Statue, einem Wahrzeichen der Stadt. Zwei Helikopter mit einer großen chinesischen und einer kleineren Hongkonger Fahne flogen über den Hafen entlang der Hongkonger Skyline. 

In Erwartung neuer Ausschreitungen schlossen die Behörden bereits am Morgen einige Straßen und U-Bahn-Stationen in der Innenstadt. Mindestens 6000 Polizisten hielten sich bereit, wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete. Mehrere große Einkaufszentren kündigten an, geschlossen zu bleiben; einige Hotels empfahlen ihren Gästen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. 

Die Demokratie-Bewegung kündigte für den Tag mehrere Protestaktionen an. Erste Demonstranten zogen bereits am Morgen durch die Straßen. Ein großer Protestmarsch war zuvor verboten worden.

wue / fs / DPA / AFP