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Libyen in der internationalen Presse Kommentatoren geißeln Gaddafis Gewaltexzesse


Während in Libyen die Bevölkerung gegen Machthaber Gaddafi revoltiert, versucht der, sämtliche Berichterstattung aus dem Ausland zu blockerien. Trotzdem dringen immer mehr Informationen aus dem abgeschotteten Land nach außen. Ein Blick in die internationale Presse.

Vorbild Ägypten und Tunesien: Seit fünf Tagen befindet sich auch Libyen in Aufruhr. Tausende Menschen protestieren auf der Straße für den Rücktritt von Machthaber Muammar el Gaddafi. Der so genannte "Revolutionsführer" regiert das Land seit nunmehr 41 Jahren ununterbrochen. Das Regime schlägt mit voller Härte zurück. Zwischen 150 und 200 Menschen sollen bereits ums Leben gekommen sein. Die Kämpfe zwischen Regierungstreuen und Oppositionellen dauern zur Stunde an.

Obwohl Gaddafi intensiv damit beschäftigt ist, sein Land von der Außenwelt abzuschotten, ist die Lage in Libyen Thema in allen größeren Zeitungen rund um den Globus. stern.de hat einen Blick in die internationale Presse geworfen.

"Corriere della Sera" aus Italien

Der konservative Mailänder "Corriere della Sera" zeigt sich schockiert angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste in Libyen:

"Im Vergleich erscheinen die Revolten in Tunesien und Ägypten nur wie ein gemurmeltes Aufbegehren des Volkes. Erst in Bengasi und nun in ganz Libyen werden wir Zeuge der grausamen Euthanasie eines Regimes, das bereit ist, jedes Mittel einzusetzen, um die legitimen Forderungen des Volkes zu unterdrücken - eines Volkes, das nach 40 Jahren Diktatur beschlossen hat zum ersten Mal seine Stimme zu erheben."

"El Mundo" aus Spanien

Die rechtsliberale spanische Zeitung "El Mundo" aus Madrid vergleicht Gaddafis Reaktion auf die Proteste mit der Situation in China im Jahr 1989.

"In Libyen haben die Sicherheitskräfte unter Ausschaltung aller Informationskanäle ein Massaker verübt. Die Regierung ist nicht bereit, der Demokratie-Bewegung des Volkes auch nur die geringsten Zugeständnisse zu machen. Staatschef Muammar al-Gaddafi blickt nicht nach Ägypten oder Bahrain. Er lässt sich von der brutalen Unterdrückung der Proteste 1989 in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) inspirieren."

"Politiken" aus Dänemark

Die liberale dänische Tageszeitung "Politiken" aus Kopenhagen hofft darauf, dass sich andere arabische Staaten mit dem libyschen Volk solidarisieren.

"Die meisten anderen Diktatoren in der arabischen Welt haben immer über Muammar al Gaddafi gemeint, dass er wohl eine Schraube locker hat. Das könnte seinen manischen Regierungsstil und die unberechenbare sowie jetzt blutige Machtpolitik erklären. (...) Es wäre gut, wenn andere arabische Regierungen ohne das geringste Zögern ihre Solidarität mit dem libyschen Volk bekunden würden. Gaddafi selbst kann man wohl nicht beeinflussen. Aber es würde aber seine Truppen beeindrucken, wenn andere sich eindeutig von dem Diktator abwenden."

"La Repubblica" aus Italien

Die linksliberale römische Tageszeitung "La Repubblica" macht ihre Leser auf die Folgen einer demokratischen Revolution für Europa aufmerksam:

"Schon vor den heutigen Gerüchten über seinen möglichen Sturz hatte der Revolutionsführer [Gaddafi] angedroht, dem Westen jede Zusammenarbeit in der Einwanderungspolitik aufzukündigen, falls Europa und die USA die Opposition unterstützten. Sollte nun auch das langlebigste Regime des Halbmonds den demokratischen Winden in Nordafrika erliegen, werden die absehbaren Immigrationsströme nur eines der vielen Probleme sein, die dem Westen in einer Art Domino-Effekt bevorstehen."

jwi/DPA DPA

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