HOME

Libyen und Syrien: Beispiel Gaddafi schreckt Assad auf

Dramatischer Sonntag in der arabischen Welt: In Libyen haben die Luftangriffe Gaddafis Armee schwer getroffen. Um nicht in eine solche Lage zu kommen, hebt Syriens Machthaber Assad den Notstand auf.

Die Kampfflugzeuge der westlichen Koalition haben die Fronten in Libyen in Bewegung gebracht und Diktator Muammar al-Gaddafi in die Defensive gezwungen. Ausgelassen feierten die Aufständischen am Sonntag die Einnahme des Ölhafens Brega, nachdem sie schon am Samstag die Küstenstadt Adschdabija, knapp 160 Kilometer südlich von Bengasi, zurückerobert hatten. Die Nachrichtensender BBC und al Dschasira zeigten Aufnahmen von brennenden und zerstörten Panzern und Schützenpanzern, von Kampfflugzeugen der westlichen Koalition außer Gefecht gesetzt. Vielfach hatten die Gaddafi-Milizen ihre Fahrzeuge einfach stehen gelassen. Auch in Brega trafen die Rebellen auf keinen Widerstand der Gaddafi-Truppen, berichtete Al-Dschasira.

In Syrien beendete das Regime nach tagelangen blutigen Unruhen den Ausnahmezustand, ein Versuch, die Opposition zu besänftigen. US-Außenministerin Hillary Clinton schloss ein Eingreifen in dem Land im Gegensatz zu Libyen aus.

Die Aufständischen in Libyen hatten erst am Samstag die Stadt Adschdabija, 160 Kilometer südlich von Bengasi, eingenommen. Am Sonntag legten sie eine Strecke von 250 Kilometern zurück, ohne in Kampfhandlungen verwickelt worden zu sein. Damit kontrollieren sie nun alle Ölhäfen im Osten Libyens - Tobruk, Adschdabija, Suweitina, Brega, Ras Lanuf, und Al-Sidra. Nach Ansicht von Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox sind die Aufständischen bald in der Lage, die Kontrolle über die Ölexporte des Landes zu übernehmen. Damit könnten sie die "politische Dynamik" des Konfliktes entscheidend ändern, sagte Fox am Sonntag der BBC.

Regime gesteht Niederlage ein

Das Regime in Tripolis gestand die Niederlage in den umkämpften Städten des Ostens ein, sprach aber von hohen zivilen Verlusten durch die Luftangriffe. Die Nachrichtensender BBC und Al-Dschasira zeigten Aufnahmen von brennenden und zerstörten Panzern und Schützenpanzern, von Kampfflugzeugen der westlichen Koalition außer Gefecht gesetzt. Die Rebellen wollen nun nach eigenem Bekunden in Gaddafis Geburtsstadt Sirte vormarschieren. Zunächst war unklar, wo die Gaddafi-Truppen ihre nächste Verteidigungslinie ziehen würden.

In Syrien hob das Regime von Präsident Assad den seit 1963 geltenden Ausnahmezustand auf - bislang die Grundlage für willkürliche Verhaftungen und unumschränkte Durchgriffsrechte der Sicherheitsorgane. Die Aufhebung des Notstands war eine der Hauptforderungen der Pro-Reform-Demonstranten. Der Schritt erfolgte vor dem Hintergrund der jüngsten blutigen Unruhen im Land. Dutzende Menschen waren im ganzen Land getötet worden, als Sicherheitskräfte mit Schusswaffen gegen Kundgebungen für politische Reformen und Bürgerrechte vorgingen. Zuletzt starben am Samstag in der Hafenstadt Latakia zwölf Menschen, als Heckenschützen von Hausdächern aus in eine Menge von Demonstranten schossen.

Die USA planen kein Eingreifen in Syrien ähnlich dem Militäreinsatz in Libyen. "Nein", antwortete Außenministerin Hillary Clinton in einem Interview des Senders CBS am Sonntag auf die Frage, ob die USA angesichts des massiven Vorgehens der Sicherheitskräfte von Präsident gegen Demonstranten intervenieren würden. Clinton verwies in dem Interview darauf, dass die "Elemente", die zum internationalen Eingreifen in Libyen geführt hätten, im Fall Syrien fehlten. Sie bezog sich dabei auf die internationale Verurteilung der Angriffe der Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi auf die Rebellen, den Ruf der Arabischen Liga nach einer Flugverbotszone und das Zustandekommen einer UN-Resolution.

Nato übernimmt komplett das Kommando

Die Nato hat sich unterdessen am Abend auf die vollständige Übernahme des Kommandos in Libyen geeinigt. Die Botschafter der 28 Nato-Mitgliedsländer hätten vereinbart, dass die Allianz das Kommando über alle Militäreinsätze in dem nordafrikanischen Land übernehme, sagte ein Nato-Vertreter am Sonntagabend nach dem Treffen der Botschafter in Brüssel.

ben/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters