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Libyens Außenminister in Großbritannien: Geheimdienstmann Kussa geniesst keine Immunität

Der nach Großbritannien ausgereiste libysche Außenminister Mussa Kussa ist nach Angaben der britischen Regierung nicht vor einer strafrechtlichen Verfolgung gefeit.

Mussa Kussa werde keine Immunität vor der britischen oder der internationalen Justiz angeboten, sagte der britische Außenminister William Hague in London. Kussa spreche derzeit "freiwillig" mit britischen Beamten. Der einstige enge Vertraute von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi hatte sich am Mittwochabend nach London abgesetzt und die britische Regierung über seinen Rücktritt informiert.

Er war kein zweitrangiger Erfüllungsgehilfe von Gaddafi, sondern eine der tragenden Säulen seines Regimes. Libysche Beobachter glauben deshalb, dass seine Flucht nach London Gaddafi schwer getroffen hat.

Die Reaktionen der Opposition waren geteilt. Einige Regimegegner freuten sich, dass Kussa aus Protest gegen das Vorgehen des Regimes die Seiten gewechselt hat, weil Gaddafi dadurch noch isolierter dasteht. Andere Libyer merkten dagegen an, Kussa sei bloß ein Opportunist, der sich abgesetzt habe, weil er nicht mehr an den Sieg der Gaddafi-Anhänger glaube.

Mussa Kussa ist ungefähr 62 Jahre alt. Er stammt aus Tadschura, einer Vorstadt von Tripolis. Nach einem Soziologiestudium in den USA machte er als Staatsdiener Karriere, wobei er mehrfach zwischen dem Sicherheitsapparat und der Diplomatie wechselte.

Dass er nun ausgerechnet Großbritannien als Exilort gewählt hat, erstaunt, da ihn die Briten 1980 ausgewiesen hatten. Kussa, der an der libyschen Botschaft in London sowohl als Sicherheitsmann als auch als Diplomat akkreditiert war, hatte damals öffentlich erklärt, Libyen wolle Regimegegner in Großbritannien töten. Außerdem drohte er, Libyen werde die irische Untergrundorganisation IRA unterstützen, falls die Briten nicht bereit sein sollten, libysche Oppositionelle auszuliefern.

In libyschen Oppositionskreisen heißt es, Kussa sei auch direkt an der Planung von Attentaten auf mehrere Regimegegner in Europa beteiligt gewesen. Angeblich hatte der Mann mit dem schlohweißen Haar zudem bei der Planung von Terroranschlägen seine Finger mit ihm Spiel. Von 1994 bis 2009 war Mussa Kussa Chef des libyschen Geheimdienstes, bevor er im März 2009 das Amt des Außenministers von Abdurrahman Schalgam übernahm.

Er hatte jedoch schon vor dieser Zeit mit ausländischen Diplomaten zu tun. Unter anderem war er an den Verhandlungen über die Freilassung des an Krebs erkrankten Lockerbie-Attentäters Abdelbaset al-Megrahi aus schottischer Haft beteiligt.

Aus den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen des US-Außenministeriums geht hervor, dass Kussa Gaddafi in einem Gespräch mit US-Diplomaten im Juli 2009 als großen Visionär gerühmt hatte. In seiner Rolle als Außenminister fiel er zum letzten Mal auf, als er am 18. März einen "Waffenstillstand" verkündete, der nie Wirklichkeit wurde.

AFP/DPA / DPA