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Geflohener libyscher Ex-Minister: "Gaddafi hat keine Zukunft mehr"

Der frühere libysche Energieminister Fathi Ben Schatwan ist aus Misrata nach Europa geflohen und steht nun auf Seiten der Opposition. Für Machthaber Gaddafi sieht er keine Zukunft mehr. Den Alliierten, die die Rebellen unterstützen, versprach er lukrative Ölgeschäfte.

Ben Schatwan floh Ende vergangener Woche unter dem Beschuss von Gaddafi-Truppen aus der Küstenstadt Misrata. Nach einer 20-stündigen Fahrt in einem Fischerboot über das Mittelmeer erreichte der frühere Energieminister (2004-2006) schließlich am Freitag die Insel Malta. "Er hat keine Zukunft mehr", sagte Fathi Ben Schatwan über den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi. "Ich werde nun der Opposition helfen, wo ich nur kann."

Im Prinzip unterstütze keiner der noch in Libyen anwesenden Minister mehr den libyschen Machthaber, sagte Ben Schatwan. "Sie alle wollen es Mussa Kussa gleich tun", sagte er in Anspielung auf den Außenminister, der sich nach London abgesetzt hat. "Aber sie können nicht, wegen ihrer Familien. Sie haben Angst um sie." Früher sei er ein überzeugter Anhänger des Revolutionsführers Gaddafi gewesen. Später habe sich bei ihm aber Ernüchterung breitgemacht, nachdem die Gaddafi-Regierung zunehmend korrupter geworden sei und begonnen habe, Regierungsgegner zu verfolgen und umzubringen.

Ben Schatwan sagte weiter, Länder wie Frankreich und Italien, die den Aufstand gegen Gaddafi unterstützen, würden von einer neuen Führung in Libyen profitieren, einschließlich lukrativer Ölgeschäfte. "Russland und China haben verloren", sagte er über die beiden Vetomächte, die sich im UN-Sicherheitsrat zur Libyen-Resolution enthalten hatten. "Das hätten sie nicht tun sollen." Auch Deutschland hatte sich bei der Abstimmung enthalten.

Nato-Flugzeuge bombardieren versehentlich Rebellen

Nato-Kampfflugzeuge haben am Donnerstag versehentlich einen Fahrzeugkonvoi der Anti-Gaddafi-Milizen bombardiert und dabei mehr als zehn Aufständische getötet. Der Zwischenfall, der sich auf der Mittelmeer-Küstenstraße auf halbem Wege zwischen Adschdabija und Brega ereignete, ging auf das Konto des angegriffenen Konvois, der unerlaubt in eine Sperrzone gefahren war, sagten Aufständische in Adschdabija.

Mehrere Autos der Anti-Gaddafi-Kämpfer wurden zerstört, hieß es. Ein DPA-Fotograf in Adschdabija berichtete, dass Rebellen am Kontrollpunkt beim Westausgang der Stadt keine Fahrzeuge mehr durchließen. Bereits am vergangenen Freitag hatten Nato-Jets im selben Gebiet versehentlich eine Rebellen-Stellung angegriffen. Dabei waren 13 Aufständische getötet und elf weitere verletzt worden.

Libyen-Kontaktgruppe trifft sich kommende Woche

Derweil steht der Termin für das erste Treffen einer neuen Libyen-Kontaktgruppe: Die Teilnehmer werden am kommenden Mittwoch in Doha, der Hauptstadt Katars, zusammenkommen, sagte der französische Außenminister Alain Juppé in Paris. Frankreich versuche derzeit, auch die Afrikanische Union zur Teilnahme zu bewegen.

Juppé will zudem libysche Oppositionsvertreter zum EU-Außenministertreffen Anfang nächster Woche einladen. Aus einigen Ländern gebe es aber noch Widerstand gegen Gespräche mit dem Nationalen Übergangsrat, sagte er.

Die Libyen-Kontaktgruppe soll sich um den politischen Aufbau des nordafrikanischen Landes kümmern und die internationale Unterstützung koordinieren. Darauf hatten sich die Teilnehmer einer internationalen Libyen-Konferenz Ende März in London geeinigt. An den Treffen hatten sich rund 40 Nationen und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Nato und die Arabische Liga beteiligt.

Rebellen und Gaddafi-Truppen kämpfen um Ölfelder

Nach dem militärischen Stillstand an der libyschen Hauptfront entlang der Küstenlinie, kämpfen Soldaten von Machthaber Muammar al Gaddafi und Rebellen unterdessen auch um die Vorherrschaft über die Ölfelder im Hinterland. Gefechte wurden am Donnerstag von den Feldern Sarir, Misla und aus der Region Waha gemeldet. Sie liegen im Osten des Landes, der weitgehend in der Hand der Rebellen ist. Die Aufständischen erklärten, alle drei Ölfelder seien mit Artillerie beschossen worden. In Milsa und Waha sei die Ölproduktion unterbrochen worden.

In Tripolis erklärte dagegen der amtierende Außenminister Chaled Kaim, britische Flugzeuge hätten das Sarir-Ölfeld bombardiert, dabei drei Menschen getötet sowie eine Pipeline beschädigt. Rebellen widersprachen dieser Darstellung und erklärten, Gaddafi-Truppen hätten das Ölfeld angegriffen. Die Pipeline führt vom Sarir-Ölfeld zum Hafen Marsa al Hariga bei Tobruk in ein Gebiet, das von Rebellen kontrolliert wird. Ein Interesse, hier die Ölversorgung zu unterbrechen, läge also eher auf Seiten der Regierungstruppen. Rebellen widersprachen auch der Darstellung der Regierung, alle Ölfelder unter eigene Kontrolle gebracht zu haben.

mlr/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters