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Militäreinsatz gestartet Schlacht um Libyen


Am Nachmittag gipfelten die Mächtigen noch in Paris, kurz darauf flogen die ersten Kampfjets über Libyen: Der Militäreinsatz gegen Diktator Gaddafi hat begonnen - in der Luft und zur See.

Die westlichen Alliierten haben am Samstag Ernst gemacht, ihr UN-Mandat umgesetzt und massiv Ziele in Libyen beschossen. Ziel sei der Schutz libyscher Zivilisten vor den Truppen des Machthabers Muammar Gaddafi, sagte US-Präsident Barack Obama. Es ist die größte internationale Militärintervention in der arabischen Welt seit dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak 2003. Gaddafi konterte verbal: Er erklärte das Mittelmeer kurzerhand zum Kriegsgebiet und kündigte Vergeltung an.

US-Vize-Admiral Bill Gortney erklärte, rund 110 Tomahawk-Raketen seien auf libysche Ziele abgefeuert worden. An der Operation nähmen Schiffe aus den USA und Großbritannien sowie U-Boote teil. Unter anderem sei die Luftraumüberwachung Libyens beschossen worden, um den Einsatz bemannter Flugzeuge der Koalitionskräfte zu ermöglichen. Insgesamt seien mehr als 20 Orte beschossen worden. Es handele sich um die erste Phase einer mehrstufigen Aktion. Im französischen Verteidigungsministerium hieß es, beim Einsatz französischer Kampfjets seien mehrere Panzer Libyens zerstört worden. Trotz der von der libyschen Regierung verkündeten Waffenruhe waren die Kämpfe zwischen den Truppen von Gaddafi und Rebellen am Samstag zunächst weitergegangen. Den Aufständischen zufolge rückten Gaddafis Streitkräfte zeitweise in Benghasi ein. Obama erklärte, die USA könnten nicht untätig bleiben, wenn ein Tyrann seinem eigenen Volk ein gnadenloses Vorgehen androhe.

Libyer sprechen von "feindlichen Kreuzrittern"

Im libyschen Staatsfernsehen hieß es am Abend, "feindliche Kreuzritter" hätten zivile Bereiche in mehreren Städten angegriffen, darunter auch in der Hauptstadt Tripolis. Unter anderem sei dort auch ein Krankenhaus getroffen worden.

An dem Einsatz beteiligten sich den Angaben zufolge die USA, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien. Es wird erwartet, dass sich später zumindest noch einige arabische Länder an dem Einsatz beteiligen. Russland erklärte dagegen in einer ersten Reaktion, man bedauere das militärische Vorgehen des Westens.

Um 17.45 Uhr ging es los

Frankreich hatte am Samstag als erstes Land mitgeteilt, zum Schutz libyscher Zivilisten Waffengewalt eingesetzt zu haben. Gegen 17.45 Uhr MEZ sei von einem Kampfjet ein erster Schuss abgegeben und das Ziel zerstört worden. Das Einsatzgebiet liege etwa 100 bis 150 Kilometer von der Rebellenhochburg Benghasi entfernt. Zudem hieß es, der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle werde Frankreich am Sonntag Richtung Libyen verlassen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte am Samstag in Paris mit Staats- und Regierungschefs die Umsetzung der UN-Flugverbotszone besprochen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm daran teil. Sie bekräftigte danach, Deutschland werde sich nicht an einem Militäreinsatz beteiligen. Die Weltmächte seien sich aber einig, dass die Gewalt in Libyen gestoppt werden müsse. Die Militäraktion wird den Angaben zufolge unter anderem von Frankreich, Großbritannien, den USA, Kanada und den arabischen Nationen unterstützt.

Basis für das militärische Vorgehen ist die Resolution des UN-Sicherheitsrats vom Donnerstag. Das Gremium hatte die die Einrichtung einer Flugverbotszone in dem nordafrikanischen Land beschlossen, wo Aufständische nach wochenlangen Kämpfen in die Defensive gedrängt worden waren. Zum Schutz von Zivilisten dürften "alle notwendigen Maßnahmen" ergriffen werden, hieß es in der Resolution. Deutschland und vier andere Länder enthielten sich im 15-köpfigen Sicherheitsrat der Stimme. Für den Fall eines Angriffs ausländischer Truppen hatte Gaddafi mit Vergeltungsschlägen im Mittelmeerraum gedroht: Sowohl zivile als auch militärische Ziele im gesamten Luft- und Seeverkehr würden dort ins Visier genommen

ben/DPA DPA

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