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M. Yiannopoulos: Das Pop-Idol der Rechten verprovoziert sich mit Pädophilen-Sprüchen

Milo Yiannopoulos wird für seine rechtsextremen Provokationen geliebt und gefürchtet. Seit er aber versucht hat, Kindesmissbrauch schönzureden, verliert er den Rückhalt hartnäckiger Fans. Auch sein neues Buch wird nicht wie geplant erscheinen.

Milo Yiannopoulos zu Gast in der US-Talkshow "Real Time with Bill Maher"

Milo Yiannopoulos (r.) zu Gast in der US-Talkshow "Real Time with Bill Maher"

Für Milo Yiannopoulos ist der gezielte Schlag unter die Gürtellinie zum einträglichen Geschäft geworden. Mit Sprüchen wie "Frauen sollten nicht Auto fahren. Ihr räumliches Vorstellungsvermögen ist schlecht, Saudi-Arabien macht das schon richtig", "Feminismus ist Krebs" hat der selbsternannte "sagenhafteste Schurke des Internets" Millionen verdient. Wegen der Pöbeleien des Journalisten und Bloggers wurde er bei Twitter gesperrt, für Rechtsextreme ist er dennoch oder wohl deswegen ein schillernder Popstar. Doch mit einem Interview könnte der Hochglanz-Hetzer sein selbst übelste Provokationen gewohntes Publikum vergrätzt haben.

"Ohne Pastor Michael wäre ich nicht so gut beim Oralsex"

Das Gespräch mit dem Podcast "Drunken Peasants" stammt aus dem August 2016, ist also schon etwas älter, tauchte jetzt über die konservative "The Reagan Battalion" in der Öffentlichkeit auf. Darin äußert er sich über Sex zwischen Erwachsenen und Jugendlichen im Allgemeinen und Sex zwischen Lehrern und Schülern im Besonderen. "Der Junge ist das Raubtier in dieser Situation", sagte er da zum Beispiel. Und, dass intime Beziehungen zwischen männlichen Teenagern und älteren Männern "einvernehmlich" sein könnten. Yiannopoulos erklärt, dass in einer homosexuellen Welt ältere Männer den Jungen helfen würden, sich selbst zu finden. Als der Interviewende darauf hinweist, dass ihn solche Äußerungen an Missbrauch in der katholischen Kirche erinnerten, sagt er: "Weißt du was? Ich bin dankbar für Pastor Michael. Ich wäre heute nie so gut beim Oralsex, wenn es ihn nicht gegeben hätte."


Dazu muss man wissen: Milo Yiannopoulos, 32, britischer Staatsbürger mit griechischen Wurzeln, ist schwul, katholisch und wurde nach eigenen Angaben als Kind missbraucht. Bislang hatte ihn seine Rolle als "Betroffener" (homosexuell, Immigrant) stets Glaubwürdigkeit verliehen, wenn er gegen Minderheiten gepöbelt hat. Doch bei Pädophilie hört der Spaß auf. Obwohl sich der Journalist, der für die rechte US-Seite "Breitbart News" arbeitet, nie für seine Aktionen und Sprüche rechtfertigt, scheint er in diesem Fall gemerkt zu haben, dass er zu weit gegangen ist. Kurz nachdem der Interview-Ausschnitt zu hören war, erklärte er auf Facebook: "Als Missbrauchsbetroffener habe ich geglaubt zu diesem Thema alles sagen zu können, was ich will. Ich möchte einmal mehr meine absolute Abscheu für Erwachsene zum Ausdruck bringen, die Minderjährige missbrauchen."


Seine Entschuldigung aber fruchtete nicht. In den kommenden Wochen sollte sein neues Buch "Dangerous" erscheinen, er hatte dafür angeblich einen Vorschuss von 250.000 Dollar erhalten. Doch der Verlag strich die Veröffentlichung kurzerhand, wie Yiannopoulos am Montag auf Facebook verkündete. Auch sein Job bei "Breitbart News" scheint nicht mehr sicher zu sein, wie es heißt. Die Macher der Seite, deren ehemaliger Chef Stephen Bannon mittlerweile wichtigster Berater von US-Präsident Donald Trump ist, überlegen laut "New York Times" und "Washington Post" derzeit, ob ihnen die Rechtfertigung ihres Starautoren ausreiche. Noch am Dienstag will sich Yiannopoulos auf einer Pressekonferenz äußern. Derweil macht er sich öffentlich selbst Mut: "Ich habe schon Schlimmeres durchgemacht, das wird mich nicht umhauen."

nik