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Nach Tod Kim Jong Ils Minimale Chance zur Kooperation Nordkoreas mit der IAEA


Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) will nach dem Tod des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il wieder Inspektoren in das Land entsenden. Kommt jetzt Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über das Atomprogramm des Landes?

Nach dem Tod des langjährigen Militärmachthabers Kim Jong Il in Nordkorea erwarten Fachleute weiter Stillstand in den Verhandlungen über das Atomprogramm des Landes. Der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank von der Universität Wien vermutet, dass die 2009 ausgesetzten Sechs-Parteien-Gespräche mit den Nachbarn Südkorea, China und Russland sowie Japan und den Vereinigten Staaten in der Phase des Übergangs nicht wieder aufgenommen werden. "Kurzfristig sicherlich nicht, weil innenpolitisch die Nachfolgerfrage zu klären wichtiger ist", sagte Frank.

Ein Nordkorea-Team der internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien steht nach Angaben der Behörde jederzeit bereit, die Zusammenarbeit wieder aufzunehmen. Nordkorea hatte im April 2009 alle IAEA-Inspektoren des Landes verwiesen und den Kontakt mit der UN-Behörde abgebrochen. Zur aktuellen Situation in Nordkorea wollte sich die IAEA nicht äußern.

Der Nuklearexperte Mark Fitzpatrick vom International Institute for Strategic Studies IISS in London sprach von einer "sehr heiklen Situation". Im Falle eines internen Machtkampfes sei eine Atomwaffe "ein entscheidendes Instrument." Die Übergangsperiode bis zu einer neuen Regierung um Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un könne mehr als zwei Jahre dauern. Fitzpatrick erwartet "eine Phase der Instabilität und Unberechenbarkeit."

"Dies wird sicher Nordkoreas Position zu diesem Thema einfrieren", sagte der Sicherheitsexperte. Nordkorea habe zwar sehr wohl Interesse an einer Weiterführung der Sechs-Parteien-Gespräche. Fitzpatrick ist aber skeptisch, was das Durchsetzungsvermögen des wahrscheinlichen Nachfolgers Kim Jong Un betrifft. Nachdem Kim Jong Il nicht bereit war, Bedingungen Südkoreas und der USA zu erfüllen, werde sein Sohn keine Änderung der politischen Linie vornehmen.

Der Nordkorea-Experte Frank hält jedoch auch ein optimistisches Szenario für möglich. Denkbar ist für den deutschen Wissenschaftler in Wien, dass es künftig eine kollektive Führung geben wird, die Kim Jong Un mit einschließt. Dann könnte sich etwas bewegen, meint Frank. Nordkorea könnte sich öffnen, international kooperieren und bräuchte Atomwaffen "nicht mehr für den Zweck, Hilfsgelder zu erzwingen und abzuschrecken."

tmm/Reuters/DPA DPA Reuters

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