Nachkriegs-Irak US-Verwalter Garner nimmt Arbeit in Bagdad auf


Der Leiter der US-Verwaltung in Irak, Jay Garner, hat seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist die Versorgung Bagdads mit Wasser und Strom. Unterdessen hat die US-Armee weitere irakischen Regierungsmitglieder gefasst.

Der Chef der US-Verwaltung in Irak, Jay Garner, hat am Montag seine Arbeit in Irak aufgenommen. Priorität sei zunächst, die wichtigste Versorgung des Landes mit Wasser und Energie "so bald wir können" wiederherzustellen, sagte Garner bei seiner Ankunft in Bagdad. Nach Gesprächen mit Militärvertretern plante der ehemalige US-General Besuche in einem großen Wasserwerk der Stadt, einer Anlage zur Stromerzeugung und in der Klinik Jarmuk. Garner ist Chef der Behörde für den Wiederaufbau Iraks und humanitäre Hilfen (OHRA) und dem Befehlshaber für die US-Truppen im Land, General Tommy Franks, unterstellt. Seine Behörde soll dem Willen der US-Regierung zufolge das Land verwalten, bis eine irakische Übergangsregierung vorbereitet ist.

450-Leute-Team

"Kann es einen besseren Tag im Leben geben, als dass man anderen helfen kann, anderen Menschen, und das haben wir hier vor", sagte Garner, als er nach einem knapp zweistündigen Flug aus Kuwait in Bagdad eintraf. Er wurde von seinem Stellvertreter, dem Briten Tim Cross, und rund 19 Mitarbeitern begleitet. Das Team soll sich im Laufe der Woche auf 450 Mitglieder vergrößern.

Keine Zeitangaben

Garner nannte keinen festen Zeitrahmen für seine Arbeit, sagte aber: "Wir werden hier bleiben, solange wie es nötig ist. Wir werden recht schnell wieder gehen." Seit der Besetzung Iraks durch die Truppen der USA und Großbritanniens kam es in vielen Teilen des Landes zu Plünderungen. Wasser- und Stromversorgung sind wegen der Kämpfe seit 20. März an vielen Orten gestört. Die Iraker haben die US-geführten Truppen dafür kritisiert, dass sie nicht schneller für Recht und Ordnung gesorgt haben. Bagdad ist seit mehr als einer Woche in der Hand von US-Truppen.

Weiteres Regierungsmitglied gefasst

Die US-Armee hat nach eigenen Angaben den früheren irakischen Forschungs- und Bildungsminister Abd el Chalik abd el Ghafar festgenommen. Von ihn würden Hinweise auf das irakische Atomprogramm erhofft, erklärte ein US-Armeesprecher im Hauptquartier in Katar. Abd el Ghafar ist auf der US-Liste von 55 gesuchten irakischen Führungsmitgliedern die Nummer 54. Die Festnahme soll bereits am Samstag erfolgt sein.

Saddams Schwiegersohn ergab sich

Nach Angaben der bisherigen Oppositionsgruppe Irakischer Nationalkongress (INC) sollen sich ein Schwiegersohn des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein und einer seiner Leibwächter der Organisation ergeben haben. Wie am Sonntag ein INC-Sprecher in London mitteilte, handelt es sich um Dschamal Mustafa Abdallah Sultan el Tikriti, den Ehemann von Saddam Husseins jüngster Tochter Hala.

Auch Spitzenmann der Geheimpolizei zurückgekommen

Zusammen mit Dschamal sei auch Chaled Abdallah, ein Spitzenvertreter der Geheimpolizei Saddams, aus Syrien zurück gekommen, sagte der Sprecher. Dschamal sei das bislang engste Familienmitglied Saddams, das im Irak festgenommen worden sei. Die US-Streitkräfte im Irak teilten mit, der Fall werde noch überprüft. Nach Angaben des Sprechers von INC-Chef Ahmad Schalabi befindet sich ein Bruder Dschamals, Kamal Mustafa Sultan el Tikriti, noch immer in Syrien. Er war bis vor dem Krieg Chef der Leibgarde Saddams, und steht ebenfalls auf der von den USA zusammengestellten Fahndungsliste. Die Rolle, die Syrien bei der Rückkehr der Gesuchten gespielt haben könnte, blieb zunächst unklar.

Bush-Lob für Syrien

US-Präsident George W. Bush hatte am Ostersonntag erklärt, er sehe "positive Zeichen" dafür, dass Syrien die Botschaft der USA verstanden habe, geflohenen Mitgliedern der einstigen irakischen Führungsriege unter Saddam keinesfalls Unterschlupf zu gewähren. Beobachter sahen in den Äußerungen Bushs den Hinweis auf eine gewisse Entspannung im Verhältnis der USA zu Syrien, das dort zu den "Schurkenstaaten" gerechnet wird.

Immer noch keine Spur von Saddam selbst

Ob Saddam und seine ebenfalls verschwundenen Söhne Kusai und Udai noch leben, ist unbekannt. Schalabi hatte am Sonntag im US-Fernsehen gesagt, er glaube, dass Saddam noch lebe und sich irgendwo nordöstlich der irakischen Hauptstadt Bagdad aufhalte. Der mit der Saddam-Tochter Hala verheiratete Dschamal ist der letzte noch lebende Schwiegersohn Saddams. Seine beiden anderen Schwiegersöhne, Hussein Kamel und Saddam Kamel, hatte Saddam nach deren Rückkehr aus dem Exil umbringen lassen.

Leichen zweier britischer Soldaten entdeckt

Die britische Armee hat in der Nähe der südirakischen Stadt Basra die Leichen zweier britischer Soldaten entdeckt. Wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in London am Sonntagabend sagte, handelt es sich um zwei Soldaten, die nach einem irakischen Angriff am 23. März zunächst vermisst worden waren. Später hatte der Fernsehsender El Dschasira die Leichen der Soldaten in der Nähe ihres umgestürzten Geländewagens gezeigt. Der britische Premierminister Tony Blair hatten dem arabischen Sender deshalb besondere Grausamkeit vorgeworfen.

Todesursache weiter unklar

Für Irritationen hatte Blairs Äußerung gesorgt, die Soldaten seien von den Irakern hingerichtet worden. Dagegen hatte die Armee den Angehörigen mitgeteilt, dass die Soldaten im Kampf getötet wurden. Zur Todesursache wollte sich die Sprecherin des Londoner Ministeriums am Sonntagabend noch nicht äußern. Zunächst müssten weitere Untersuchungen vorgenommen werden, sagte sie. Eine Hinrichtung sei aber auch weiterhin nicht auszuschließen.


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