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Neue Gräueltaten in Syrien: Milizionäre schneiden toten Rebellen Ohren ab

Neue Videos sollen zeigen, wie syrische Milizionäre die Leichname getöteter Rebellen schänden und wehrlose Oppositionelle hinrichten. Auch die Lage auf den Golan-Höhen spitzt sich weiter zu.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London hat am Samstag weitere Videos von Gräueltaten aus den Kampfgebieten veröffentlicht. Nach den Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle wurden die Videos im Juli und im Februar gedreht. Das erste zeigt, wie Milizionäre in der Region Lattakia im Nordwesten getöteten Rebellen die Ohren abschneiden. Auf dem zweiten Video ist zu sehen, wie Bewaffnete mit syrischen Militäruniformen in der Region Daraa wehrlose Aufständische niederstrecken.

Auf einem der Videos ist ein Mann in Militärkleidung zu sehen, der ein Ohr und ein Messer vor der Kamera schwenkt. "Dies ist das Ohr eines Hundes, wir erteilen ihnen eine Lektion", sagt er in Bezug auf die Rebellen. Kurz darauf sind sieben offenbar bereits getötete Männer auf dem Boden zu sehen. Auch einem von ihnen schneidet ein Mann das Ohr ab, während eine Gruppe von Männern in Tarnkleidung um ihn herumsteht. Einer der Umstehenden bittet den Mann, von der Tat abzulassen.

In einem weiteren Film, der im Februar in der Region Daraa entstanden sein soll, werden Menschen, die als Rebellen vorgestellt werden, mit Maschinengewehren erschossen. Die Echtheit der Videos konnte von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden.

Rebellen exekutieren Soldaten

Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Videos seien ihm von Aufständischen zugespielt worden, nachdem ein Video von Hinrichtungen gefangener syrischer Soldaten durch Rebellen vor zwei Tagen große Empörung ausgelöst hatte. Rahman sagte, auch wenn die syrische Regierung seit Beginn des Konflikts Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen begehe, rechtfertige dies keine Verbrechen der Aufständischen.

Das UN-Menschenrechtskommissariat hatte am Freitag eine Untersuchung zu dem Video angekündigt, das Exekutionen syrischer Soldaten durch Rebellen in der Region Sarakeb zeigen soll. Seit Beginn des Konflikts Mitte März 2011 wurden in Syrien nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 36.000 Menschen getötet.

Armee auf Alarmbereitschaft?

Währenddessen hat sich Israel bei der UNO über das Eindringen von drei syrischen Panzern in die entmilitarisierte Zone auf den Golan-Höhen beschwert. Wie die Armee am Samstag mitteilte, brachte sie den Vorfall vom selben Tag bei den Vereinten Nationen zur Anzeige. Israelischen Medien zufolge waren die syrischen Panzer in das Dorf Beer Adscham südöstlich von Kuneitra eingedrungen, um gegen Aufständische vorzugehen, die gegen die Herrschaft von Syriens Staatschef Baschar al Assad kämpfen.

Der staatliche israelische Rundfunk berichtete, die Armee habe nach dem Vorfall ihre Alarmbereitschaft erhöht. Eine Armeesprecherin wollte diese Angabe nicht kommentieren.

Während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 hatte Israel einen Teil der Golan-Höhen erobert. Damaskus fordert von Israel das besetzte und 1981 annektierte Gebiet zurück. Die UNO erkennt die Annexion nicht an. Israel und Syrien befinden sich offiziell weiterhin im Kriegszustand. Seit einem Abkommen der beiden Nachbarländer von 1974 patrouillieren etwa 1200 unbewaffnete UN-Blauhelmsoldaten in dem umstrittenen Gebiet.

Im Juli hatte Israel eine Beschwerde an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gerichtet, die sich gegen die Infiltrierung syrischer Soldaten in die entmilitarisierte Zone richteten. Ende September folgte eine israelische Beschwerde über Granateneinschläge auf den Golan-Höhen. Die Geschosse wurden offenbar bei Gefechten zwischen der syrischen Armee und den Aufständischen abgefeuert.

ivi/AFP / AFP