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Islamischer Staat: Dschihadisten greifen Stadtzentrum von Ain al-Arab an

Die Extremisten des Islamischen Staates marschieren in einem Großangriff auf Ain al-Arab vor und nehmen die Grenzstadt unter schweren Beschuss. Die Bewohner fliehen in Scharen aus der Kurden-Enklave.

Ein Kämpfer des Islamischen Staates während Gefechten um die Kurden-Enklave Kobane

Ein Kämpfer des Islamischen Staates während Gefechten um die Kurden-Enklave Kobane

Die Terrormiliz Islamischer Staat soll von mehreren Seiten einen Großangriff auf die kurdische Enklave Ain al-Arab in Nordsyrien begonnen haben. Mindestens zwei Granaten seien am Sonntagabend im Westen der Stadt eingeschlagen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch von Osten her sollen die Extremisten nach Angaben von Augenzeugen angreifen.

Auf Twitter berichten Beobachter von der türkischen Grenze aus ebenfalls von "schwerem Beschuss". Eine arabische Journalistin vor Ort schrieb unter Berufung auf Anwohner, es sei das erste Mal, dass die IS-Miliz einen so großen Angriff unmittelbar auf die Stadt führe. Autos würden "reihenweise" die Stadt verlassen. Ein Korrespondent der kurdischen Nachrichtenseite "Rudaw" bestätigte Angriffe auf das Stadtzentrum.

Am Samstag hatten IS-Extremisten Ain al-Arab nach Angaben der Beobachtungsstelle erstmals mit Mörsergranaten beschossen. Mindestens ein Bewohner sei dabei ums Leben gekommen. Die IS-Kämpfer haben vor über einer Woche einen Vormarsch auf die von Kurden bewohnten Gebiete in Nordsyrien begonnen. 60 Dörfer rund um Ain al-Arab (Kurdisch: Kobane) fielen bereits in ihre Hände.

Luftangriffe auf wichtige Gasanlage in Syrien

Die US-geführte Koalition gegen die Dschihadisten hat nach Angaben von Aktivisten eine wichtige Erdgasanlage in Syrien bombardiert. Kampfjets hätten am Sonntagabend den Eingang und den Gebetsbereich des Coneco-Komplexes, der vom IS kontrolliert wird, angegriffen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bei der Coneco-Anlage handelt es sich um die wichtigste Gasanlage in Syrien, wie der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte. Mehrere Dschihadisten seien verletzt worden. Am Sonntag attackierte die Koalition zudem vier kleinere Raffinerien und die Kommandozentrale des IS in der nordsyrischen Stadt Raka, wie das US-Nahostkommando (Centcom) mitteilte.

Obama: USA haben IS unterschätzt

US-Präsident Barack Obama hat unterdessen eingeräumt, dass die USA die Terrormiliz IS unterschätzt hätten. Zugleich sei die Fähigkeit des irakischen Militärs überschätzt worden, die Gruppe zu stoppen. In einem CBS-Interview wurde Obama nach Angaben des Senders danach gefragt, ob er eine entsprechende Einschätzung des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper teile. "Das trifft zu", antwortete Obama. "Das trifft absolut zu."

CBS bezeichnete die Äußerung des Präsidenten als eine der offensten, die er bisher zum Aufstieg des IS gemacht habe. Demnach führte er das Erstarken unter anderem auf das Bürgerkriegschaos in Syrien zurück, das der Gruppe Raum zum Wachsen gegeben habe. Zudem sei es der Miliz gelungen, ausländische Kämpfer aus verschiedenen Ländern in Syrien zu versammeln. "Und so wurde es Ground Zero für Dschihadisten aus aller Welt". Eine sehr geschickte Kampagne in den sozialen Medien habe bei der Rekrutierung von Kämpfern geholfen.

mka/DPA/AFP / DPA