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Russische Aufrüstung Neues Tarnkappen-U-Boot soll Putins Schwarzmeerflotte verstärken

Weliki Nowgorod
Die "Weliki Nowgorod" im Trockendock in St. Petersburg - mittlerweile befindet sich das russische U-Boot auf dem Weg um sich der Schwarzmeerflotte anzuschließen 
© Picture Alliance
Sie ist eine Weiterentwicklung der Kilo-Klasse, die einst im Kalten Krieg Nato-Verbänden auflauerte: Russland hat die "Weliki Nowgorod" in Dienst gestellt. Sie verfügt über modernste Waffen und wird wegen ihrer Tarntechnik auch "Schwarzes Loch" genant.

Sie verfügen zwar nicht über einen Nuklearantrieb, sind aber dennoch hochmoderne Waffenplattformen: Das fünfte U-Boot der russischen Kilo-II-Klasse, auch unter der Bezeichnung Projekt 636 Warschawjanka bekannt, wurde diese Woche offiziell in Dienst gestellt. Die "Weliki Nowgorod" wurde in St. Petersburg feierlich an die russische Marine übergeben. Das U-Boot befindet sich bereits auf dem Weg ins Schwarze Meer, um die dortigen russischen Marine-Kräfte zu unterstützen. Die "Weliki Nowgorod" gehört mit den anderen Schiffen seiner Klasse zu den modernsten U-Booten der russischen Flotte und wurde eigens für den Dienst im Schwarzen Meer entwickelt.

Das 4000 Tonnen schwere U-Boot verfügt über einen Diesel-elektrischen Antrieb, der besonders leise sein soll. Für U-Boote ist es besonders wichtig, sich unter Wasser möglichst geräuscharm fortzubewegen, um die Chancen entdeckt zu werden, zu minimieren. Die U-Boote der Kilo-II-Klasse sollen über verschiedene Tarnkappen-Techniken verfügen und zu den leisesten Diesel-elektrischen U-Booten weltweit gehören. In Nato-Kreisen sollen sie aufgrund ihrer Geräuscharmut die Bezeichnung "Schwarzes Loch" tragen. Darüber hinaus sind die Schiffe hochautomatisiert, weshalb sie mit einer Crew von nur 52 Mann Besatzung auskommen.

Weliki Nowgorod
Die "Weliki Nowgorod" bei ihrer Übergabe an die russische Marine in St.Petersburg
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Schwarzes Meer mittlerweile fast ein "russischer See"

Auch sind die "Weliki Nowgorod" und ihre Schwesterschiffe mit hochmodernen Waffensystemen ausgerüstet. Sie verfügen über sechs Torpedorohre, sind in der Lage Wasserminen auszusetzen und können mit ihren Raketensystemen Ziele zu Wasser und zu Land angreifen. Die "Kolpino", das sechste Schiff der Klasse, soll am 15. November an die russische Marine übergeben werden. Auch sie soll im Schwarzen Meer dienen. Bis zum Jahr 2021 will Russland sechs weitere U-Boote dieser Klasse für die Pazifikflotte fertigen lassen. Auch Schiffe der Nachfolger-Klasse "Lada" befinden sich bereits im Bau. Aufgrund technischer Probleme kommt es bei dem Projekt jedoch zu erheblichen Verzögerungen, weshalb Moskau offenbar verstärkt auf die Boote der Kilo-II-Klasse setzt.

Für den Kreml sind die neuen U-Boote Teil der Strategie, die Vormachtstellung im Schwarzen Meer zu sichern und um jeden Preis zu halten. Traditionell liegt das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte in der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim. Spätestens seit der Annektierung der Halbinsel und der russischen Militärunterstützung des Assad-Regimes im Syrien-Krieg, ist die Stimmung zwischen Russland und der Nato auf einem Tiefpunkt seit Ende des Kalten Krieges angelangt. Schon im März hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan davor gewarnt, das Schwarze Meer sei mittlerweile fast ein "russischer See".

Russland verstärkt Präsenz durch weitere Kriegsschiffe

Die Antwort aus Russland ließ damals nicht lange auf sich warten: Der russische Nato-Botschafter Alexander Grushko sagte in einem Interview mit der Rossiiskaya Gazeta, das Schwarze Meer werde niemals ein "Nato-See" werden. Er warf dem westlichen Verteidigungsbündnis vor, im Schwarzen Meer auf Konfrontationskurs zu gehen. Man werde, "alles geben um mögliche Gefahren zu neutralisieren und Versuche vom Süden aus Druck auf Russland auszuüben, zu unterbinden."

Ihre Feuerkraft haben die Schiffe der Kilo-II-Klasse bereits im Syrien-Krieg unter Beweis gestellt: Im Dezember 2015 hatte die "Rostov-on-Don" Marschflugkörper vom Typ Kalibr auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in Rakka abgefeuert. Unlängst hatte Russland auch sein Flaggschiff und einzigen Flugzeugträger, die "Admiral Kusnezow" ins östliche Mittelmeer beordert. Auch das mit Marschflugkörpern vom Typ Malachit ausgestattete Schiff "Mirage" war Anfang September in Richtung Mittelmeer ausgelaufen. Kurz zuvor hatten sich zwei russische Korvetten den Kräften vor Syrien angeschlossen. 

Nato bezeichnet Verhalten als "besorgniserregend"

Der Flottenverband um den russischen Flugzeugträger soll in den Syrien-Krieg eingreifen. Er könnte, wie westliche Experten befürchten, bei der Rückeroberung der Stadt Aleppo durch syrische und russische Truppen helfen. Nicht dass die Kampfjets und Hubschrauber der "Admiral Kusnezow" dafür sonderlich geeignet wären. Doch Präsident Wladimir Putin will eben zeigen, dass die Großmacht Russland ihre Seestreitkräfte an jedem Punkt der Weltmeere einsetzen kann.

Innerhalb der Nato wächst die Sorge, Russland könne das Schwarze Meer militärisch abriegeln. Auch beim Nato-Gipfel der Verteidigungsminister in Brüssel Anfang der Woche war die russische Aufrüstung im Schwarzen Meer ein Thema. Man wolle die Nato-Präsenz in der Region zu Lande, zu Luft und auf dem Wasser verstärken, so Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei der anschließenden Pressekonferenz. Russlands derzeitiges Verhalten sei "besorgniserregend". Dennoch zeigte sich Stoltenberg zufrieden über die Zusicherungen einzelner Nato-Mitglieder, die Präsenz des Bündnisses im Schwarzen Meer zu verstärken. Dazu gehörten, "Kanada, Deutschland, die Niederlande, Polen, die Türkei und die USA."

mit DPA

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