New Orleans Bush-kritischer Bürgermeister bangt ums Amt


Der durch die Überflutung von New Orleans nach dem Hurrikan "Katrina" weltweit bekannt gewordene Bürgermeister Ray Nagin muss sich einer Stichwahl über eine weitere Amtszeit stellen.

Nach dem ersten Ergebnis lag Ray Nagin zwar mit 39 Prozent in Führung, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Bei der Stichwahl, die am 20. Mai stattfinden soll, trifft Nagin auf den Zweitplatzierten, den Vizegouverneur von Louisiana Mitch Landrieu. Der 45-Jährige stammt aus einer angesehenen Politikerfamilie. Vater Moon Landrieu war bis 1978 der vorläufig letzte weiße Bürgermeister in New Orleans. Schwester Mary sitzt für Louisiana im US-Senat. Amtsinhaber Nagin muss wohl um seine Wiederwahl bangen, wenn Landrieu beim zweiten Wahlgang die Stimmen der anderen weißen Kandidaten auf sich vereinen kann. Insgesamt traten 21 Kandidaten an. In der ersten Runde der Bürgermeisterwahl lag Nagin nach Auszählung von etwa 94 Prozent der Stimmen mit 39 Prozent vor seinem härtesten Herausforderer Mitch Landrieu mit 28 Prozent.

Wahlverlauf schwierig

Der Wahlverlauf wurde zum Teil kritisiert, weil viele der ehemaligen Bewohner acht Monate nach der weitgehenden Zerstörung von New Orleans noch nicht wieder in ihre einstige Heimatstadt zurückkehren konnten. Die Abgabe ihrer Stimmen gestaltete sich damit zum Teil äußerst schwierig.

Wahl gibt Impuls für Wiederaufbau

Für die meisten Wähler stand bei der Abstimmung im Vordergrund, wer die schwierige Aufgabe des Wiederaufbaus und die Sicherung der Deiche vor der kommenden Hurrikan-Saison wohl am besten lösen kann. Zudem gibt es Spannungen zwischen Weißen und Schwarzen. Diese hatte Nagin jüngst angeheizt, als er davon gesprochen hatte, New Orleans solle als "Schokoladen-Stadt" wieder auferstehen. Die Äußerungen waren zum Teil so interpretiert worden, dass Nagin den schwarzen Teil der Bevölkerung beim Wiederaufbau bevorzugen wolle. Der Bürgermeister hatte sich später für seine Worte entschuldigt. Viele Wähler halten Nagin nach eigenen Worten wegen seiner großen Erfahrung vor allem im Umgang mit den Behörden für den besseren Kandidaten.

New Orleans ist bankrott

Derzeit sind in New Orleans noch ganze Stadtviertel unbewohnbar. Der Müll stapelt sich weiter in den Straßen. Außerdem ist die einstige Touristenmetropole praktisch bankrott. Nach der Wahl stehen wichtige Entscheidungen an, welche Stadtgebiete aufgegeben oder saniert werden und wie viele der mehr als 250 000 Flüchtlinge in welchem Zeitrahmen zurückkehren können.

Nagin berühmt durch seine Kritik an Bush

Die Südstaaten-Metropole New Orleans mit ihren 450.000 Einwohnern war im vergangenen Spätsommer zu mehr als 80 Prozent überflutet worden. Hunderte Menschen waren ums Leben gekommen. Die Fernseh-Bilder von verwesenden Leichen in den überfluteten Straßen und Plünderern, die auf Rettungskräfte schossen, hatten an ein Flüchtlingsdrama in der Dritten Welt erinnert. Nachdem "Katrina" über die Stadt hinweg gefegt war, war einer der Dämme gebrochen, die die zum Großteil unter dem Meeresspiegel liegende Stadt vor einer Überflutung schützen sollten. Nagin war auch durch seine scharfe Kritik an US-Präsident George W. Bush wegen mangelnder Unterstützung bei der Krise bekannt geworden. In einem Rundfunk-Interview hatte er völlig aufgebracht gesagt: "Kriegt endlich Euren Hintern hoch und tut etwas."

Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker