New Orleans Bürgermeister Nagin wiedergewählt


Trotz heftiger Kritik an seiner Amtsführung hat Bürgermeister Ray Nagin die Stichwahl in New Orleans gewonnen. Wähler, die nach Hurrikan "Katrina" noch immer übers Land verstreut sind, mussten mit Bussen herangekarrt werden.

Ray Nagin bleibt Bürgermeister von New Orleans. In der Stichwahl gegen den Vize- Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, Mitch Landrieu, setzte er sich am Samstag knapp durch. Nagin schlug in seiner Siegesrede versöhnliche Töne gegenüber der Bundes- und Landesregierung an und versprach, die immer noch zu weiten Teilen nach dem Hurrikan "Katrina" zerstörte Südstaaten-Metropole wieder aufzubauen. Der Ausgang trotzte den Prognosen mehrerer Experten. Nach kontroversen Bemerkungen des Schwarzen Nagin zu Rassenfragen hatten sie nicht eine so hohe Zustimmung der weißen Wähler erwartet.

"Wir sind breit, loszulegen", sagte Nagin. "Wir haben Bürger im ganzen Land, die in die Stadt New Orleans zurückkehren wollen und wir werden sie alle in die Stadt New Orleans zurückholen." Er bedankte sich bei der Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, und Präsident George W. Bush. "Sie und ich waren vermutlich die am meisten angefeindeten Politiker des Landes", sagte Nagin an Bush gerichtet. Kurz nach der Hurrikan- Katastrophe hatte sich Nagin in deutlichen Worten über mangelnde Unterstützung durch Bund und Land beschwert. Sein Plan zum Wiederaufbau von New Orleans hängt jedoch von Milliarden-Hilfen des Bundes ab.

Kontroverser Wahlkampf

Nagin erhielt 52 Prozent der Stimmen dank der Unterstützung von schwarzen wie weißen Wählern. Im Wahlkampf hatte er davon gesprochen, dass New Orleans als "Schokoladen-Stadt" wiederaufgebaut werden sollte, was von vielen als eine Bevorzugung von Schwarzen interpretiert wurde. Nagin entschuldigte sich später für die Bemerkung. Sein Gegenkandidat Landrieu hatte der erste weiße Bürgermeister der Stadt werden wollen, seitdem sein Vater Moon Landrieu das Amt 1978 verließ. Er räumte seine Niederlage ein und sagte zu, sich für das Wohl der Stadt einsetzen zu wollen.

Die Wahl selbst war kompliziert. Mehr als die Hälfte der 470.000 ursprünglichen Einwohner der Stadt sind noch im ganzen Land verstreut. Hunderte Menschen fuhren aus Texas oder Georgia extra nur wegen der Wahl in Bussen oder Autos in die Stadt zurück. Zudem wurden mehrere Wahlbezirke zusammengelegt. Bereits nach der ersten Runde im April hatten Bürgerrechtler wie Jesse Jackson Klagen gegen das Ergebnis angekündigt. "US-Iraker konnten über Satellit in Falludscha und Bagdad abstimmen", spielte Jackson damals auf die Irak-Wahl an. "Bürger von New Orleans konnten nicht von Mississippi aus in New Orleans wählen."

Folgen des Hurrikans noch immer sichtbar

New Orleans war im vergangenen Spätsommer zu mehr als 80 Prozent überflutet worden. Hunderte Menschen starben. Die Fernseh-Bilder von verwesenden Leichen in den überfluteten Straßen und Plünderern, die auf Rettungskräfte schossen, hatten an ein Flüchtlingsdrama in der Dritten Welt erinnert. Auch Dämme brachen. Eigentlich sollten sie die zum Großteil unter dem Meeresspiegel liegende Stadt vor einer Überflutung schützen. Nagin und Bush wurde vorgeworfen, zu spät und zu zögerlich bei der Katastrophe gehandelt zu haben.

Die Stadt kämpft bis heute mit den Folgen des Hurrikans. In den Straßen stehen immer noch Trümmerhaufen und Autowracks, Wohnraum ist knapp und die Zahl der Gewaltverbrechen nimmt zu. Viele Viertel sind weiter unbewohnbar. Zudem ist nicht klar, ob die Deiche stabil sind. In zwei Wochen beginnt die neue Hurrikan-Saison.

Reuters/DPA DPA Reuters

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