New Yorks Bürgermeisterkandidat Anthony Weiner Der sexbesessene Politiker und seine treue Frau


Huma Abedin ist klug, schön und engste Beraterin von Hillary Clinton. Ihr Gatte Anthony Weiner postet Fotos von seinem Penis auf Twitter und will New York regieren. Warum bleibt seine Frau bei ihm?
Von Alexandra Kraft, New York

Wie hält eine Ehefrau das nur aus? Da steht also ihr Mann, kaum einen Meter neben ihr, und gesteht, dass er Nacktfotos von sich an andere Frauen geschickt habe, dass er Telefonsex mit ihnen hatte. Und das alles passiert in breiter Öffentlichkeit, vor versammelter Presse. Schließlich ist der Mann nicht irgendwer, sondern Anthony Weiner - bis vor ein paar Tagen aussichtsreicher Kandidat der Demokraten für die diesjährige Wahl zum Bürgermeister von New York. Das kann er nun wirklich vergessen, denn Weiner ist Wiederholungstäter. 2011 hat er ein Bild seines erigierten Penis' auf Twitter gepostet, das angeblich für eine andere Frau bestimmt war. Es hat ihn damals seinen Job als Kongressabgeordneter gekostet.

Doch trotz allem steht seine Ehefrau Huma Abedin auch in dieser Pressekonferenz Ende Juli neben ihm. Perfekt geschminkt, milde lächelnd, in einer engen, schwarzen Strickjacke und einem fröhlich grünen Rock. Selbst als er vom regelmäßigen Telefonsex unter dem Pseudonym "Carlos Danger" berichtet, schaut sie wie ein verliebter Teenager zu ihm auf. Und dann, als er endlich fertig ist, liest Abedin von einem kleinen Zettel ab: "Ich habe ihm vergeben. Ich glaube ihm. Ich liebe meinen Ehemann." Was ist los mit dieser Frau?

Vorbild Hillary Clinton

Huma Abedin ist schlau, schön. Sie hat eine erstklassige Ausbildung an der George-Washington-University abgeschlossen und als Leiterin des Büros von Hillary Clinton einen hochbezahlten Job. Deshalb fragt sich derzeit ganz Amerika: Warum hält diese Frau, die es wirklich nicht nötig hätte, weiter zu ihrem Ehemann? Warum setzt ihn nicht endlich vor die Tür?

Eine Antwort lautet: Womöglich liegt es an Hillary Clinton. Sie gilt als politische Ziehmutter der 38-jähigen Abedin. Als junge Studentin kam sie als Praktikantin zu Hillary Clinton ins Weiße Haus. Heute ist sie eine ihrer engsten Beraterinnen. Abedins Mutter soll kürzlich gescherzt haben: "Frau Clinton hat in den letzten 15 Jahren mehr Zeit mit meiner Tochter verbracht, als ich. Ich bin eifersüchtig." Wie ihre Chefin gilt Abedin als unglaublich ehrgeizig und rastlos. Sie selbst bezeichnet sich als Workaholic. Sie weiß, dass sie sich mit der Ehe an Weiner und sein Image gebunden hat. Keine leichte Erfahrung für eine ambitionierte Frau.

Und nun, so scheint es, hat sich Huma Abedin Hillary Clinton auch noch für das eigene Privatleben zum Vorbild genommen. Denn auch die hielt vor 21 Jahren stoisch zu ihrem Mann, als dessen Verhältnis mit Praktikantin Monica Lewinsky bekannt wurde. Aus damaliger Sicht eine rational richtige Entscheidung. Hillary Clinton wollte unbedingt noch selbst politische Karriere machen. Dafür brauchte sie Bill.

Opfer des Stockholm-Syndroms?

Zwei Jahrzehnte später ist auch Huma Abedins Verhalten ein Tiefschlag für den Feminismus. Keine Frau sollte mehr im Schatten ihres Mannes stehen. Schon gar nicht mit einer solchen Biografie. So fragte sich denn auch US-Feministin Gloria Steinem öffentlich, ob Huma Abedin wohl am Stockholm-Syndrom leide - dem psychologischen Phänomen, bei dem Entführungsopfer ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Peinigern aufbauen.

Gerade mal ein Jahr verheiratet und schwanger mit dem ersten Kind war Abedin, als die Penis-Fotos ihres Mannes vor zwei Jahren auf Twitter auftauchten. Lange belog er seine Frau, dass ein Fremder seinen Account gehackt habe. Und nun der zweite Vertrauensbruch. Freunde des Paares sollen dem amerikanischen Magazin "People" berichtet haben, dass Abendin diesmal gegenüber Freunden und Verwandten davon gesprochen habe, dass sie sich vielleicht scheiden lasse. Doch nun ist sie geblieben. Wie einst Hillary Clinton.

Seine Frau war seine letzte Chance

Auch Anthony Weiner folgt offenbar dem Weg der Clintons. "Weiner hat von Bill Clinton gelernt, dass man einen solchen Skandal nur überleben kann, wenn man die Unterstützung seiner Frau bekommt - und wenn man sich einfach weigert zurückzutreten", mutmaßt das angesehene amerikanische Wirtschaftsmagazin "Bloomberg Businessweek". Die Frau an seiner Seite war für Weiner die letzte Chance. Mit ihrer Hilfe versuchte er, die Geschichte einer Vergebung zu erzählen. Huma ist seine Kronzeugin. Sie soll den New Yorkern berichten, dass er trotz Sexskandals ein wunderbarer, wählbarer Charakter sei.

Vielleicht ist Abedin bisher aber auch geblieben, um ihren knapp zwei Jahre alten Sohnes Jordan zu schützen. "Sie wollte nicht, dass Jordan irgendwann zu ihr sagt, warum hast du nicht alles versucht, um Papa zu helfen", zitiert "People" einen angeblich engen Freund.

Und dann ist da noch Abedins Erziehung: Sie ist in einer muslimischen Familie aufgewachsen. Bis sie 18 war, lebte die Amerikanerin in Saudi Arabien, besuchte dort eine Mädchenschule. Scheidung ist für Huma Abedin eine der allerletzten Möglichkeiten. Zu groß scheint ihr Wunsch, ihrem Sohn eine intakte Familie zu bieten. Mit einem Vater, der, so Abedin, als solcher perfekt sei. Der ihr morgens das Frühstück ans Bett bringe. Auch habe sie noch nie Wäsche waschen oder zur Reinigung laufen müssen. All das erledige ihr Gatte. Dafür scheint sie zu mehr bereit als viele andere Frauen heutzutage. Vielleicht auch weil sie Rückhalt bei ihrer Mutter und ihren Geschwistern findet. Viele Freunde können dagegen ihre Entscheidung nicht mehr verstehen.

Misstrauen im Clinton-Lager

Das Clinton-Lager beobachtet das Treiben mit großem Misstrauen. Groß scheint die Furcht, "Weinergate" könnte die alten Geschichten rund um Bill Clinton wieder aufwärmen und damit eine mögliche Kandidatur von Hillary Clinton für das Präsidentenamt 2016 gefährden. "Sie sind fertig mit Weiner. Aus Sorge um Huma wären sie nicht traurig, wenn er seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt niederlegen würde", wird ein Vertrauter Clintons zitiert.

Huma Abedin ist seit August als Leiterin des Büros von Hillary Clinton beurlaubt, um ihren Mann im Wahlkampf zu unterstützen. Wie stark sie sich öffentlich engagieren will, ist noch unklar. Allerdings hat sie auf Anraten eines Vertrauten der Clintons schon darauf verzichtet, in Weiners neuem Wahlkampfspot aufzutreten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker