Nordkorea-Atomkrise Was wackelt denn da?


Erneute Erschütterungen ließen in Asien den Verdacht eines zweiten nordkoreanischen Atomtests aufkommen. Experten gehen inzwischen von einer natürlichen Ursache aus.

Spekulationen über einen zweiten Atomwaffentest Nordkoreas haben am Mittwochmorgen in Asien für Verwirrung gesorgt. Ein Beamter des Außenministeriums in Tokio erklärte, die japanische Regierung hege diesen Verdacht und überprüfe ihn.

Experten in Südkorea und den USA betonten jedoch, sie hätten keine einschlägigen Erschütterungen registriert. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sagte später ebenfalls, ihm lägen keine Informationen vor, die einen zweiten Atomtest bestätigen würden. Der Beamte des Tokioter Außenministeriums, der ungenannt bleiben wollte, machte keine Angaben darüber, worauf sich der von ihm vorgetragene Verdacht stütze. Der japanische Sender NHK berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, es seien Erschütterungen im Norden des Landes festgestellt worden, die auf einen neuen nordkoreanischen Atomwaffentest hindeuten könnten. Dies wurde jedoch sowohl vom südkoreanischen Zentrum für Erdbebenforschung als auch von amerikanischen Geologen zurückgewiesen.

Erdbeben vor Japan

Der amerikanische Regierungssprecher Blair Jones meinte, die registrierten Erschütterungen wiesen vermutlich auf ein Erdbeben hin. Das Amt für Meteorologie in Tokio vermeldete tatsächlich ein heftiges Erdbeben vor der Küste von Fukushima, rund 240 Kilometer nordöstlich der japanischen Hauptstadt. Der Erdstoß hatte demnach eine Stärke von 6,0 auf der Moment-Magnitude. Das Amt betonte, es habe sich bei der registrierten Erschütterung um ein echtes Erdbeben gehandelt, das nichts mit den Gerüchten über einen etwaigen zweiten nordkoreanischen Atomwaffentest zu tun habe. Die Berichte darüber seien schon vor der Erdbebenmessung in Umlauf gebracht worden.

Beobachter werteten die Spekulationen als Zeichen der Unsicherheit in Asien, nachdem Nordkorea am Montag seinen ersten unterirdischen Atomwaffentest bekannt gegeben hatte. Einem nordkoreanischen Diplomaten zufolge fiel die Explosion allerdings kleiner aus als erwartet. Gleichwohl überprüften die südkoreanischen Streitkräfte ihre Bereitschaft für einen etwaigen Atomkrieg, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Zweifel am ersten Atomtest

In japanischen Regierungskreisen gibt es Zweifel an der Behauptung Nordkoreas, am Montag erfolgreich einen unterirdischen Atomtest vorgenommen zu haben. Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Mittwoch berichtete, glauben manche Vertreter der Regierung sowie der Regierungspartei LDP, dass die am Montag im Nordosten Nordkoreas festgestellten seismischen Wellen nicht von einem Atomtest verursacht wurden. Die Menge an radioaktiven Substanzen bei einem Atomtest sei normalerweise am ersten Tag am höchsten. Doch bisher sei keine Radioaktivität festgestellt worden, zitierte Jiji einen nicht genannten Beamten des Außenministeriums.

Einem Vertreter der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) zufolge dürfte es mindestens einige weitere Tage benötigen, bis Japan, die USA und andere Länder verifizieren könnten, ob Nordkorea überhaupt einen Atomtest durchgeführt habe. Es sei gut möglich, dass die Behauptung Pjöngjangs gar nicht zutreffe. Die Skepsis in Japan wie auch in anderen Ländern rühre auch daher, dass die beobachteten seismischen Wellen relativ klein gewesen seien, hieß es weiter.

UN-Sanktionen weiter offen

Im UN-Sicherheitsrat gingen derweil die Beratungen über eine Resolution zu Nordkorea weiter. China hatte sich zuvor wie fast alle anderen Staaten ebenfalls für Strafmaßnahmen ausgesprochen, allerdings nicht für so harte Sanktionen, wie die USA und Japan sie forderten. Die Reaktion der Staatengemeinschaft müsse "entschlossen, konstruktiv und angemessen, aber auch vernünftig" sein, sagte der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya. Militärische Maßnahmen schloss er kategorisch aus.

Nordkorea warnt vor Sanktionen

Nordkorea würde nach Darstellung eines offiziellen Vertreters harte internationale Sanktionen wegen des Atomtests als kriegerischen Akt werten. "Wenn umfassende Sanktionen verhängt werden, würden wir dies als Kriegserklärung ansehen", sagte ein nicht näher genannter Vertreter Nordkoreas in Peking der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. "Je mehr Druck sie auf uns ausüben, desto stärker wird unsere Antwort ausfallen." Es hänge von der politischen und diplomatischen Einschätzung der Lage ab, ob es weitere Atomtests geben werde, fügte der Vertreter hinzu.

US-Außenministerin Condoleezza Rice betonte, dass ein Angriff der USA auf Nordkorea nicht auf der Tagesordnung stehe. Im Fernsehsender CNN wies sie die Darstellung Pjöngjangs zurück, der Test sei notwendig gewesen, um einem amerikanischen Militärschlag vorzubeugen. Präsident George W. Bush habe den Nordkoreanern versichert, dass keinerlei Absichten für eine Invasion oder einen Angriff bestünden. Direkte Gespräche mit der Regierung in Pjöngjang lehnte Rice abermals ab. Nordkorea solle vielmehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen mit Südkorea, China, Japan, Russland und den USA zurückkehren.

Südkorea legte die Hilfslieferungen an den nördlichen Nachbarn weiter auf Eis. Eine Entscheidung über eine endgültige Einstellung der Unterstützung sei aber noch nicht gefallen, sagte ein Regierungsbeamter in Seoul. Die Versorgung der nordkoreanischen Bevölkerung ist sehr stark von internationaler Hilfe abhängig.


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