Nordkorea-Krise Südkorea fürchtet Atomangriff


Japan und die USA wollen scharfe Sanktionen, Südkorea bereitet sich auf einen Angriff vor, während China eine Eskalation fürchtet - eine gemeinsame Antwort auf Nordkoreas Atomtests ist nicht in Sicht. Derweil droht das Land mit "Gegenmaßnahmen" .

Südkoreas Verteidigungsminister Yoon Kwang Ung wies die Streitkräfte des Landes an, die erhöhte Wachsamkeit beizubehalten, um mögliche Provokationen durch Nordkorea abzuwehren. "Das Ministerium hat die Zusicherung der USA, dass sie auf der Grundlage der festen südkoreanisch-amerikanischen Allianz ihrem Atomschirm (für Südkorea) im Falle einer nuklearen Drohung durch Nordkorea verpflichtet bleiben", zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap den Minister.

Die USA wollen den Weltsicherheitsrat möglichst schon am Freitag über einen Katalog von Sanktionen gegen Nordkoreas Regime entscheiden lassen. Dem Sicherheitsrat liegt ein überarbeiteter Resolutionsentwurf der Amerikaner vor. Er war nach Angaben aus diplomatischen Kreisen in einigen Punkten abgeschwächt worden. So sollten Bedenken Chinas und Russlands Rechnung getragen werden. Die beiden Länder befürchten, dass die Strafmaßnahmen die ohnehin bitterarme Bevölkerung von Nordkorea treffen könnten.

Nordkoreanische Wirtschaft wird boykottiert

Zu den zentralen Punkten des Vorschlags gehören ein umfassendes Waffenembargo sowie das Verbot des Verkaufs von Luxusgütern, das auf die Privilegien der kommunistischen Führung des verarmten Landes zielt. Zudem sollen alle Im- und Exporte Nordkoreas auf Bestandteile für Waffenprogramme kontrolliert und ausländische Vermögenswerte eingefroren werden. Neu ist den Informationen zufolge der Vorschlag eines Reiseverbots für alle Politiker, Beamte und Experten in Pjöngjang, die in das Atomwaffenprogramm des Landes verwickelt sind.

USA und Japan sind in Bezug auf Sanktionen einig

Japan bereitete derweil die Verabschiedung verschärfter Handelssanktionen gegen Nordkorea vor, durch dessen Drohgebärden es sich unmittelbar gefährdet sieht. Das Kabinett sollte am Freitag ein Einfuhrverbot für nordkoreanische Waren erlassen und nordkoreanischen Schiffen das Einlaufen in japanischen Häfen verbieten. Der für die Beziehungen zu Japan zuständige nordkoreanische Botschafter Song Il Ho drohte dem Land darauf hin "harte Gegenmaßnahmen" an. "Die konkrete Ausgestaltung wird klar werden, wenn sie die Augen offen halten", fügte er hinzu, "Unsere Ankündigungen sind nie bedeutungslos."

US-Präsident George W. Bush unterstützte den japanischen Kurs. Er sagte nach der Ankündigung der Maßnahmen: "In Reaktion auf das nordkoreanische Vorgehen arbeiten wir mit unseren Partnern zusammen ... um sicherzustellen, dass es für das Regime in Pjöngjang ernsthafte Folgen gibt."

Anann will Verhandlungen zwischen USA und Nordkorea

UN-Generalsekretär Kofi Annan drängte die US-Regierung, Pjöngjangs Wunsch nach bilateralen Gesprächen Folge zu leisten. "Ich war immer der Meinung, dass wir mit jenen Parteien sprechen müssen, deren Haltung wir ändern wollen, deren Vorgehen wir beeinflussen wollen", sagte Annan. "Und aus diesem Grund finde ich auch, dass die USA und Nordkorea mit einander verhandeln sollten".

Vor Annan hatten auch China und Russland schon für bilaterale Treffen zwischen Washington und Pjöngjang plädiert. Diplomaten zufolge kritisierte die China die Im- und Exportkontrollen bereits an der ersten Fassung von Anfang der Woche. Zudem soll die Resolution den US-Vorstellungen zufolge unter Kapitel 7 der UN-Charta verabschiedet werden, das neben Sanktionen auch Militärschläge erlaubt, um eine Bedrohung der internationalen Sicherheit abzuwehren. Seit dem US-geführten Einmarsch in den Irak vor drei Jahren fürchten viele Länder, dass eine Berufung auf diesen Abschnitt den Weg für Gewalt selbst dann freimacht, wenn der Sicherheitsrat sie nicht beschließt.

USA bestehen auf Sechs-Parteien-Gespräch

Doch US-Außenministerin Condoleezza Rice bekräftigte, dass für ihre Regierung nur die von Nordkorea unterbrochenen Sechs-Parteien-Gespräche in Frage kämen. An ihnen nehmen außer Nord- und Südkorea sowie den USA auch China, Russland und Japan teil.

Der Weltsicherheitsrat hatte den ersten nordkoreanischen Atomwaffentest am Sonntag einstimmig verurteilt. Alle 15 Mitglieder sind sich einig darin, dass das stalinistische Regime durch Strafmaßnahmen von weiteren Tests abgehalten werden muss.

China ist gegen harte Sanktionen

Besonders China liegt jedoch daran, dass die Sanktionen nicht zu hart ausfallen und möglicherweise zu einem Kollaps des Nachbarlandes führen. Die Regierung wehrte weiter einige der vorgeschlagenen Maßnahmen ab und mäßigte seinen zuletzt harten Ton gegen den Verbündeten.

Der chinesische Botschafter bei den UN, Wang Guangya, verlangte eine Verabschiedung der Resolution unter Artikel 41 des genannten Kapitels 7. Damit wäre der Einsatz von Gewalt ausgeschlossen. Artikel 41 ermöglicht Wirtschaftssanktionen sowie "eine vollständige oder teilweise Unterbrechung der wirtschaftlichen Beziehungen sowie der Kontakte per Bahn, zu Wasser, zu Luft, den Abbruch von Brief- und Telefonverbindungen sowie der diplomatischen Beziehungen".

Der außenpolitische Berater der chinesischen Regierung, Yan Xuetong, äußerte sich sehr besorgt über die Folgen des mutmaßlichen Atomtests. "Mit dem Atomtest haben sich die chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen abgekühlt", sagte Xuetong dem ZDF-"Auslandsjournal". "Das Verhältnis ist angespannt, wenn nicht gar feindselig."

Reuters/DPA DPA Reuters

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