Nordkorea Un statt Il


Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il hat offenbar seinen jüngsten Sohn als Nachfolger bestimmt. Laut Medienberichten mussten die wichtigsten Institutionen eine Treueerklärung auf Kims jüngsten Sprössling Jong Un abgeben. Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf einen weiteren Raketentest.

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il hat nach Berichten aus Südkorea seinen jüngsten Sohn als künftigen Führer des kommunistischen Landes nominiert. Die Regierung habe einen Treueid auf den 26-jährigen Kim Jong Un geschworen, erklärte ein südkoreanischer Abgeordneter am Dienstag. Die Zeitung "Dong a Ilbo" berichtete, die Bevölkerung werde auf ein Loblied auf den neuen "Befehlshaber Kim" eingeschworen.

Spekulationen um einen Wechsel in Pjöngjang gibt es verstärkt seit Sommer vergangenen Jahres, als der 67-jährige Kim einen Schlaganfall erlitten haben soll. Kim hatte sich wochenlang nicht in der Öffentlichkeit gezeigt und damit Spekulationen über seinen Gesundheitszustand angeheizt.

Zuletzt nahm er Mitte April als Leiter an der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments teil, wo er erneut zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsausschusses und damit zum mächtigsten Mann in dem abgeschotteten kommunistischen Staat gewählt wurde. Der 67-Jährige wirkte bei seinem ersten größeren Auftritt seit August 2008 gealtert und dünner als noch ein Jahr zuvor.

Die Mitteilung von der Nominierung seines dritten Sohnes sei kurz nach dem Atomwaffentest am 25. Mai an ranghohe Parteimitglieder geschickt worden, berichtete die südkoreanische Zeitung "Hangkook Ilbo" unter Berufung auf Mitglieder des Geheimdienstausschusses in Seoul. "Dong a Ilbo" brachte einen ähnlichen Bericht und meldete, die Bevölkerung lerne bereits ein Loblied auf Kim Jong Un.

Zum Studium nach Bern

Der 26-Jährige ist der Sohn Kims mit einer 2004 verstorbenen ehemaligen Tänzerin. Er hat Medienberichten zufolge unter einem Pseudonym bis 1998 die International School of Berne besucht. Die Schweizer Wochenzeitung "L'Hebdo" berichtete Anfang des Jahres unter Berufung unter anderem auf Mitschüler Kims, dieser habe dort Englisch, Deutsch und Französisch studiert. Der Nordkoreaner sei schüchtern und introvertiert gewesen und habe sich vor allem für Skifahren und Basketball interessiert.

Kim sei ein bescheidener Schüler und freundlich gegenüber den Kindern von US-Diplomaten gewesen, erklärte ein ehemaliger Schulleiter. Ansonsten ist wenig über den jungen Kim bekannt. Er sehe seinem Vater sehr ähnlich und verhalte sich wie der 67-Jährige, erklärte ein langjähriger japanischer Koch des Staatschefs in Pjöngjang 2003 in seinen Memoiren.

Nach Ansicht der meisten Experten hat der 26-Jährige die größten Chancen, dem "lieben Führer" nachzufolgen. Der älteste Sohn Kims, der 38-jährige Jong Nam, galt lange als Favorit - bis er 2001 versuchte, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen, wo er angeblich Disneyland in Tokio besuchen wollte.

Nordkorea plant offenbar auch Start einer Mittelstreckenrakete

Unterdessen mehren sich offenbar die Anzeichen dafür, dass Nordkorea neben dem Start einer Interkontinentalrakete offensichtlich auch den Test einer Mittelstreckenrakete vorbereitet. Signale dafür seien an einer Abschussanlage in Anbyon an der Ostküste des Nachbarlandes beobachtet worden, zitierte Yonhap am Dienstag einen südkoreanischen Abgeordneten. Der Parlamentarier sei vom Verteidigungsministerium in Seoul informiert worden. Details wurden zunächst nicht bekannt. Nordkoreas Mittelstreckenraketen gelten vor allem in Südkorea und Japan als unmittelbare Bedrohung, weil beide Länder in deren Reichweite liegen.

Am Montag hatten südkoreanische Medien berichtet, dass Nordkorea nach seinem Atomtest vor mehr als einer Woche nun den Start einer Interkontinentalrakete vorantreibe, die theoretisch US-Gebiet erreichen kann. Es gebe Hinweise, dass entsprechende Vorbereitungen an einer neuen Startanlage an der Westküste getroffen werden.

Angesichts wachsender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel sandte die südkoreanische Marine unterdessen ein Schnellboot mit Fernlenkwaffen in die Nähe der umstrittenen innerkoreanischen Seegrenze vor der Westküste. Zweck der Maßnahme sei es, Nordkorea von möglichen Provokationen abzuhalten, hieß es in einer Erklärung. Nordkorea hatte Südkorea in der vergangenen Woche wegen dessen Beitritt zu einer US-geführten Initiative gegen die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen mit Militäraktionen gedroht.

DPA/AP AP DPA

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