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Nordkoreas Herrscherfamilie Kim Yo Jong: kleine Diktatoren-Schwester, immer mächtiger

Kim Yo Jong
Kim Yo Jong fällt in letzter Zeit durch unbarmherzige Kriegsrhetorik auf
© Jorge Silva/Pool / AFP
Zuletzt war sie öfter an der Seite ihres Bruders zu sehen und fiel durch rabiate Drohungen auf: Kim Yo Jong, die Schwester von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un spielt eine immer wichtigere Rolle in der isolierten Land. Wird sie ihrem Bruder folgen?

Sie ist eine der engsten Beraterinnen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und zählt zu den einflussreichsten Frauen in dem abgeschotteten Land: Die zuletzt immer stärker in Erscheinung getretene Kim Yo Jong, die Schwester von Machthaber Kim, wird inzwischen als mögliche Nachfolgerin an der Spitze des autoritär geführten Landes gehandelt.

Sie drohte mit "völliger Zerstörung"

Im März veröffentlichte sie erstmals eine politische Erklärung im eigenen Namen. In den vergangenen Tagen und Wochen stand sie an vorderster Front bei der Kritik an südkoreanischen Aktivisten, die Pjöngjang-kritische Flugblätter über die Grenze schickten. Zwar ist Yo Jong offiziell nur ein wechselndes Mitglied des Politbüros der Arbeiterpartei, doch berief sie sich in einer jüngsten Erklärung auf ihre "vom obersten Führer, von unserer Partei und vom Staat autorisierte Macht". Es war auch Yo Jong, die zuletzt mit der "völligen Zerstörung" des "nutzlosen" gemeinsamen Verbindungsbüros mit Südkorea drohte. Am Dienstag ließ Pjöngjang das Büro dann in Schutt und Asche legen.

Kim Yo Jong wurde nach Angaben des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums 1988 als eines von drei Kindern des früheren Machthabers Kim Jong Il und dessen dritter bekannter Partnerin, der früheren Tänzerin Ko Yong Hui, geboren. Gemeinsam mit ihrem Bruder erhielt sie ihre Ausbildung in der Schweiz. Später hatte sie angeblich in Westeuropa studiert, allerdings ist unklar, wo genau.

Nachdem Bruder Kim nach dem Tod des Vaters 2011 die Macht übernommen hatte, stieg auch Yo Jong schnell in der Hierarchie auf. Beim Begräbnis des Vaters war Yo Jong im Staatsfernsehen unmittelbar hinter Kim Jong Un zu sehen – mit tränenüberströmtem und aschfahlem Gesicht.

Die Schwester als de-facto-Stabschefin

Zuletzt tauchte sie öfter an der Seite ihres Bruders auf. Yo Jong habe diesen als "obersten Führer propagiert, sein Image im In- und Ausland aufpoliert und ihm praktisch als seine De-facto-Stabschefin geholfen", sagt die Politikprofessorin Katharine Moon vom Wellesley College in den USA. Auf der 60-stündigen Zugfahrt nach Hanoi zum Gipfeltreffen von Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump war sie im Februar 2019 zu sehen, wie sie ihrem Bruder einen Aschenbecher reichte, als dieser eine Zigarettenpause einlegte.

Es gebe "keinen Zweifel", dass Kim eine außergewöhnlich enge Beziehung zu seiner Schwester habe, sagt Yang Moo Jin von der Universität für Nordkoreastudien in Seoul. "Jong Un und Yo Jong haben einen Großteil ihrer einsamen Jugend zusammen im Ausland verbracht – ich denke, dass sie zu diesem Zeitpunkt so etwas wie Kameradschaft zusätzlich zur Geschwisterliebe entwickelten."

Nordkorea hatte noch nie eine weibliche Führung. Doch nach der ungewöhnlichen, wochenlangen Abwesenheit von Machthaber Kim im Frühjahr und Gerüchten über seinen Gesundheitszustand gab es zahlreiche Spekulationen, Yo Jong könnte im Fall von dessen Tod zur Nachfolgerin werden. Das wäre insofern ungewöhnlich, da in Korea als konfuzianistisch geprägtes Land eher Männer derartige Rollen übernehmen. Die politische Führung des Landes war in Nordkorea allerdings auch schon immer eine Familienangelegenheit, und Yo Jong zählt zu den prominentesten Mitgliedern des "Paektu-Stammbaums" –einem nordkoreanischen Begriff für Kim Il Sung und dessen Nachkommen, die das über Kernwaffen verfügende Land seit der Staatsgründung 1948 führen.

Über Kim Yo Jongs Privatleben ist nichts bekannt

Beobachtern zufolge könnten ihre Darstellung in den Staatsmedien als Stimme Pjöngjangs gegen die Flugblattaktion und zuletzt ihre Rolle bei der Zerstörung des Verbindungsbüros dazu dienen, ihre Glaubwürdigkeit bei nordkoreanischen Militärs und anderen Hardlinern in der Führung zu festigen.

Bis vor Kurzem noch wurde Yo Jong eher mit diplomatischen Bemühungen in Verbindung gebracht, etwa als Kims Gesandte bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. Die Spiele läuteten eine Phase schneller diplomatischer Annäherung zwischen Nord- und Südkorea ein, und Yo Jong nahm als Beraterin ihres Bruders an einer Reihe von Gipfeltreffen teil. Im Einklang mit der Geheimhaltung des Privatlebens der nordkoreanischen Führer ist ansonsten nicht viel über ihr Leben bekannt.

nik/AFP

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