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Eskalation auf koreanischer Halbinsel Die Diktatoren-Geschwister Kim schicken Rauchzeichen Richtung Donald Trump

Kim Jong Un und seine Schwester Kim Yo Jong
Nordkoreas Diktatoren-Geschwister: Kim Jong Un und Kim Yo Jong
© Korea Summit Press Pool/Kyodo / DPA
Wohl nicht aus Zufall spitzt sich die Lage zwischen Nord- und Südkorea am zweiten Jahrestag des Gipfels von Kim Jong Un und Donald Trump zu. Die Masche ist immer die gleiche: Die Diktatur will Verhandlungen herbeieskalieren.

Kim Yo Jong war das erste Mitglied der Diktatorendynastie aus dem Norden, das offiziell südkoreanischen Boden betrat. Im Februar vor zwei Jahren bei den olympischen Winterspielen in Pyeongchang war das. Seitdem hat die Anfang 30-Jährige eine rasante Karriere hingelegt: Die Schwester von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un sitzt mittlerweile im Politbüro und damit an den Hebeln der Macht. Kim Yo Jong war auch dabei, als ihr Bruder im Sommer 2018 nach Singapur reiste, um Donald Trump zu treffen. Mit ihrem damaligen Debüt in der Öffentlichkeit, so schien es, brach eine Zeit der Verständigung und Aussöhnung an. Nun aber zeigt sich, dass auch sie nur eine Kim ist, die tut, was die Kims seit mittlerweile 71 Jahren tun: drohen, lärmen, provozieren.

"Es wird eine tragische Szene zu sehen sein"

"Ich fühle, dass es höchste Zeit ist, mit den südkoreanischen Behörden zu brechen. Wir werden bald die nächste Aktion in Angriff nehmen. In Kürze wird eine tragische Szene des komplett eingestürzten, nutzlosen Nord-Süd-Verbindungsbüros zu sehen sein", sagte Kim Yo Jong vor einigen Tagen bedeutungsschwanger und nun ist klar, was sie meinte: Nordkorea hat kurzerhand das Verbindungsbüro mit dem Süden in der Grenzstadt Kaesong in die Luft gesprengt. Der innerkoreanische Frühling, der 2018 begann, ist ziemlich nahtlos in frostigsten Winter übergegangen.

Das Verbindungsbüro, in dem rund 20 Beamte beider Seiten gearbeitet hatten, war im Januar wegen der Corona-Pandemie geschlossen worden. Zu Schaden gekommen ist niemand, außer eben der Aussöhnungsprozess zwischen den Ländern – aber auch das hat schon fast Tradition in der jahrzehntelangen On-Off-Beziehung. Anfang der 1970er, Anfang der 1990er, Anfang der 2000er, 2007 und 2018 bemühten sich beide Seiten darum, die hochsensible Lage der sich immer noch im Kriegszustand befindlichen Länder zu entspannen. Nur um nach einer Phase der Ruhe wieder zu eskalieren. Nicht immer, aber meistens beginnt der Norden damit, nicht immer, aber oft liegt der Grund in der selbst verursachten Dauerversorgungskrise der Diktatur. Ruhe gegen Reis lautet das Motto des Regimes in Pjöngjang.

Norden sauer über Propaganda aus dem Süden

Aktueller Aufhänger des Konfrontationskurs sind Aktivisten aus dem Süden, die wieder begonnen haben, Propagandamaterial mit Gasballons über die Grenze in den Norden zu schicken. Auf Flugblättern wird Machthaber Kim für Menschenrechtsverletzungen und seine Atompolitik kritisiert. Die nordkoreanische Führung wirft der Regierung in Seoul vor, die Aktivisten nicht daran zu hindern. Die nordkoreanische Armee drohte deswegen ihrerseits mit einer "großangelegten Flugblattaktion", sowie der Stationierung von Militär in der Nähe der Grenze und Entsendung von Wachposten in die entmilitarisierte Zone. Die Idee des Südens, einen Gesandten in den Norden zu schicken, wies Kim Yo Jong als "taktlosen und finsteren Vorschlag" zurück.

Sehen Sie im Video: Nordkorea soll Verbindungsbüro gesprengt haben. Bilder des Militärs von Südkorea, die eine Sprengung zeigen sollen: Nordkorea hat - einem Medienbericht zufolge - offenbar dieses Verbindungsbüro für Kontakte mit Südkorea von der Landkarte verschwinden lassen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap aus Südkorea am Dienstag unter Berufung auf südkoreanische Militärkreise. Demnach wurde das Bürogebäude in der nahe der Grenze gelegenen Stadt Kaesong zerstört. In den vergangenen Tagen hatten die Spannungen zwischen beiden koreanischen Staaten zugenommen. Auslöser waren Sendungen mit Medikamenten und Lebensmitteln sowie mit Flugblättern, die gegen die nordkoreanische Führung gerichtet sind. Diese Sendungen schickten Menschen aus Südkorea zumeist per Ballon oder als Flaschenpost über die Grenze in den Norden. Die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un hatte deswegen Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Zudem hatte die Staatsführung in Pjöngjang angekündigt, alle Kontakte in den Süden abzubrechen.
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Nord- und Südkorea sind also wieder da, wo sie schon oft waren, allerdings mit einem kleinen Unterschied: der letzte, ultimative Trumpf ist bereits gespielt: direkte Gespräche mit den USA. Zweimal haben sich US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un getroffen, ein Gipfel endete mit warmen Worten und unverbindlichen Absichtserklärungen, der zweite scheiterte an einer miserablen Vorbereitung durch die Amerikaner und überzogenen Forderungen der Nordkoreaner. Zwar verbessert sich deren Versorgungslage durch Reformen bereits vielen Jahren stetig, doch die Wirtschaftssanktionen halten das Land weiter im eisernen Griff. Zuletzt wurde der Bettelstaat mehrfach dabei erwischt, mit illegalem Handel von Rohstoffen wie Kohle Geld zu verdienen.

Eskalation am zweiten Jahrestag

Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich die Situation auf der koreanischen Halbinsel in der Zeit des zweiten Jahrestags des historischen Treffens von Kim und Trump zuspitzt. Angesichts des Jubiläums am 12. Juni, sagte Außenminister Ri Son Gwon, die Forderungen nach Aufgabe des Atomwaffenprogramms seien sinnlos, das genaue Gegenteil sei das Ziel seiner Regierung. Die Schuld für die deutlich verschlechterte Lage trage Washington, so Ri weiter, der beklagte, eine Verbesserung der Beziehungen könne nicht allein dadurch erwartet werden, dass die persönliche Beziehung zwischen Kim und Trump aufrechterhalten werde.

Robert Kelly von der südkoreanischen Busan-Universität vermutet, dass Nordkorea darüber verärgert sei, "wie wenig in den vergangenen Jahren bei den großen Gesprächen mit Trump und Südkorea (Moon) über einen Durchbruch herausgekommen ist". Mutmaßlich versucht das Regime im Norden, mittels einer Eskalation des Konflikts mit Südkorea den Druck auf die USA zu erhöhen. Die italienische Zeitung "La Stampa" schreibt dazu: Die Explosion in Kaesong "ist nichts weiter als ein Rauchzeichen für US-Präsident Donald Trump, das übersetzt bedeutet: Stoppt die Sanktionen, kommt zurück zum Verhandeln oder wir machen noch mehr Lärm."

Quellen: NKNews.org, DPA, AFP, "La Stampa", Robert Kelly auf Twitter, "Kurier", "FAZ"


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