Obama-Rede an die Muslime Wider den "Kampf der Kulturen"


Einen neuen "Dialog unter Gleichen" will US-Präsident Barack Obama erreichen, wenn er am Donnerstag das Wort an die muslimische Welt richtet. Es gilt, den Konfrontationskurs zu beenden, den sein Vorgänger George W. Bush eingeschlagen hatte. Das Terrornetzwerk al Kaida will von einer Entspannung allerdings nichts wissen.

Begleitet von Störversuchen der Terrororganisation al Kaida hat die mit Spannung erwartete Nahost-Reise von US-Präsident Barack Obama begonnen. Obama, der ein neues Kapitel in den Beziehungen Amerikas zur islamischen Welt aufschlagen möchte, wurde am Mittwoch in Riad vom saudischem König Abdullah begrüßt. Höhepunkt der vierten Auslandsreise Obamas seit seinem Amtsantritt soll die "Rede an die islamische Welt" sein, die er am Donnerstag in Kairo halten wird.

Obama betonte in Riad das "strategische Verhältnis" und "die lange Geschichte der Freundschaft zwischen den USA und Saudi-Arabien". Er würdigte den König als "weise und gütig"; Nahost-Experten in Washington meinten, dass die von Obama erwartete neue Initiative zu einem Nahost-Frieden den Friedensplan Abdullahs aus dem Jahr 2002 zum Kern haben könnte. Dem Plan nach bietet die arabische Welt Israel einen Frieden und die volle Anerkennung an, falls sich Israel aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückzieht.

Al Kaida beschimpft Obama als "Verbrecher"

Noch während der US-Präsident von Washington nach Riad flog, tauchte auf Islamisten-Websites eine Audio-Botschaft von Al-Kaida-Vize Eiman al Sawahiri auf. Darin beschimpfte er Obama als "Verbrecher", der mit der Führung des "Folterstaates" Ägypten unter einer Decke stecke. Wenige Stunden später wurde dann auch noch eine Botschaft veröffentlicht, die Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zugeschrieben wird. Dieser warf dem US-Präsidenten vor, er verfolge die gleiche verfehlte Politik wie sein Vorgänger George W. Bush.

Der betagte König von Saudi-Arabien ließ es sich trotz Temperaturen um die 40 Grad nicht nehmen, Obama am Flughafen von Riad vor der Präsidentenmaschine Air Force One zu empfangen. Während der Begrüßung, die von arabischen TV-Sendern live übertragen wurde, war jedoch zu erkennen, dass der neue Mann im Weißen Haus und der "Hüter der heiligen Stätten des Islam", so ein weiterer Titel des Königs, anfangs noch ein wenig "fremdelten". Ihr anschließendes Gespräch drehte sich nach saudischen Angaben unter anderem um den Nahostkonflikt, das iranische Atomprogramm und die jüngste Achterbahnfahrt der Ölpreise. Die meisten saudischen Zeitungen titelten am Mittwoch: "Herzlich Willkommen, Herr Präsident!" Die Kommentatoren drückten fast einhellig ihre Hoffnung aus, dass Obama die "Fehler" und das von seinem Amtsvorgänger Geroge W. Bush "angerichtete Unheil" korrigieren werde.

Die Al-Kaida-Terroristen versuchen dagegen, die Muslime gegen Obama aufzuwiegeln. In der Audio-Botschaft, die von Al-Kaida-Vize al Sawahiri stammen soll, heißt es: "Er ist nicht willkommen in Ägypten." Der ägyptische Anwalt Muntasser Sajat, der in den vergangenen Jahren zahlreiche prominente Islamisten verteidigt hat, sagte, die Botschaft al Sawahiris interessiere seine Landsleute nicht. Die Ägypter seien neugierig, zu erfahren, was ihnen Obama zu sagen habe. "Ich denke, al Kaida hat dieses Tonband nur veröffentlicht, um zu zeigen, dass es sie überhaupt noch gibt", sagte er.

Obamas Rede an die Muslime an der Kairo-Universität soll "einen Dialog" initiieren, der die "großen Missverständnisse" zwischen dem Westen und der islamischen Welt beseitige, hatte Obama in einem Interview der BBC am Dienstag gesagt. Erwartet werden in seiner weltweit übertragenen Rede eine deutliche Absage an den Gedanken, es könnte einen "Kampf der Kulturen" geben, sowie eine deutliche Distanzierung von der israelischen Siedlungspolitik.

"Nach der Rede wird sich nicht alles ändern"

Schon vor vier Wochen in Ankara hatte Obama betont, dass sich die USA "nicht im Krieg mit dem Islam" befinden. Das Weiße Haus hat sich in den vergangenen Tagen bemüht, die Erwartungen an die Rede in Kairo zu dämpfen: "Wir erwarten nicht, dass sich nach der Rede alles ändern wird", sagte der Sprecher Obamas, Robert Gibbs.

Vor der Ansprache wird Obama mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zusammenkommen, der allerdings nach inoffiziellen Angaben der Rede nicht beiwohnen wird. Ägyptische Beobachter vermuten, dass der Präsident nicht im gleichen Saal sitzen will, da zu der Rede von der US-Botschaft auch Oppositionelle und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen eingeladen worden waren. Zu den Gästen des Präsidenten zählen dem Vernehmen nach auch mehrere islamische Religionsgelehrte.

Im Anschluss an den Besuch in Kairo reist Obama weiter nach Dresden. Dort trifft er am Freitag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen und wird auch das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald besuchen. Am Samstag wird Obama in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg teilnehmen.

AP AP

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