Oppositionsproteste in Thailand Blutvergießen vor Regierungssitz in Bangkok


Die thailändische Opposition hat bei den andauernden Protesten gegen die amtierende Regierung zu einer ungewöhnlichen Aktion aufgerufen. Die sogenannten Rothemden sammelten Blut, um es vor dem Regierungssitz in Bangkok zu verteilen.

Suriya Laemthong hat Angst vor Spritzen. Als die Krankenschwester mit der Nadel in seine Armvene sticht, bedeckt der 28-Jährige sein Gesicht mit einer Baseball-Kappe und hält sich dazu noch die Hand vor die Augen. Suriya gibt sein Blut für die thailändische Opposition, die Neuwahlen verlangt.

Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, verteilten Anhänger am Dienstag in Bangkok mehrere hundert Liter Blut vor dem Regierungsgebäude, das Menschen wie Suriya zuvor gespendet hatten. Seit Jahren brodelt es schon in Thailand. Wahlbetrug, Massenproteste, ständige Regierungswechsel und sogar ein Militärputsch lassen das einst so stabile Land in Südostasien nicht zur Ruhe kommen.

Bereits ab Ende 2005 bricht sich massive Unzufriedenheit mit Ministerpräsident Thaksin Shinawatra in allwöchentlichen Demonstrationen Bahn. Tausende Demonstranten werfen der Regierung um den Medienmogul Korruption, Machtmissbrauch und Unterdrückung der Meinungsfreiheit vor. Am 19. September 2006 putscht das Militär mit Rückendeckung von König Bhumibol Adulyadej schließlich Thaksin in einem unblutigen Staatsstreich aus dem Amt, als sich dieser gerade bei der UN-Vollversammlung in New York aufhält.

Im Mai 2007 bestätigt das Verfassungsgericht den Vorwurf des Wahlbetrugs gegen Thaksin und löst seine Partei TRT auf. Doch nur ein halbes Jahr später gewinnt die TRT-Nachfolgerin Partei der Volksmacht (PPP) die Parlamentswahl. Ministerpräsident wird Samak Sundaravej.

Todesopfer bei schweren Ausschreitungen

Schon nach kurzer Zeit gibt es jedoch auch für Samak scharfen Gegenwind. Mit der Volksallianz für Demokratie formiert sich ein breites Protestbündnis, das Samak als Thaksins Marionette betrachtet und seinen Rücktritt verlangt. Im September 2008 wird er schließlich abgesetzt. Ein Auftritt als Fernsehkoch wird als verbotene Nebentätigkeit gewertet und bricht ihm politisch das Genick.

Neuer Ministerpräsident wird Somchai Wongsawat, ein Schwager Thaksins. Ruhe kehrt dennoch nicht ein. Als die Staatsmacht am 7. Oktober 2008 versucht, die Straßen um das Parlament zu räumen, kommt es zu schweren Ausschreitungen mit einem Toten und Hunderten Verletzten.

Am 25. November besetzen Massen von Demonstranten in Bangkok den Flughafen Suvarnabhumi, einen Tag später auch den Regionalflughafen Don Muang. 300.000 Reisende, auch viele deutsche Touristen, sitzen fest und werden nach und nach mit Sonderflügen abgeholt. Eine Woche nach Beginn der Besetzung wird Somchais Partei PPP des Wahlbetrugs für schuldig befunden und verboten. Dem Ministerpräsidenten wird auf fünf Jahre jegliche politische Betätigung untersagt. Die Demonstranten feiern ihren Sieg und beenden die Flughafenblockaden.

100.000 demonstrieren gegen Abhisit

Am 15. Dezember 2008 wird Oppositionsführer Abhisit Vejjajiva von der Demokratischen Partei zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Doch auch mit ihm kommt das Land nicht zur Ruhe. Immer wieder gibt es Massendemonstrationen und Rücktrittsforderungen. Mit gewaltsamen Protesten erzwingen Regierungsgegner im Mai sogar den Abbruch des Asien-Gipfels in Pattaya.

Auch am vergangenen Wochenende gingen 100.000 auf die Straßen und forderten den Rücktritt von Abhisit. Bei den Demonstranten handelt es sich überwiegend um Anhänger des gestürzten Thaksin. Sie werfen Abhisit vor, illegal an die Macht gekommen zu sein.

Am Dienstag schließlich stehen Tausende von Demonstranten in langen Schlangen bei der Blutabgabe, viele gekleidet in roten Hemden und T-Shirts, der Farbe der Opposition. "Ich glaube an unsere Führer und finde ihre Strategie vernünftig und akzeptabel. Wenn sie sagen, wir kämpfen weiter, dann stehe ich bereit", erklärt Blutspender Suriya. Doch dass die Regierung wegen des friedlichen Blutvergießens zurücktritt, glaubt auch er nicht.

Denis D. Gray, APN APN

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