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Pakistan: Al-Kaida sucht Zuflucht in Pakistan

Obwohl Pakistan die Gangart gegen Taliban und Al-Kaida verschärft hat, nutzen die Terroristen das Land weiter als Rückzugsgebiet. Auch Osama bin Laden wird in Pakistan vermutet.

Mitten in der Wüste der südafghanischen Provinz Kandahar liegt die Tarnak-Farm, einst war sie zentrales Trainingslager der Al-Kaida, hier soll Osama bin Laden gelebt haben. Die US-Armee, die nach der Vertreibung der Taliban auf dem Gelände übte, will die Farm nun den Afghanen zurückgeben. Sie soll wieder landwirtschaftlich und damit friedlich genutzt werden - ein Zeichen für das neue Afghanistan, das kein sicherer Hafen für Terroristen mehr sein soll. Doch Al-Kaida und Taliban sind nicht weit entfernt. Bin Laden wird im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vermutet. Sein Terrornetzwerk versucht, Pakistan als Rückzugsgebiet zu nutzen.

Pakistan bleibt weiter Zufluchtsort für Terroristen

Dass Al-Kaida-Terroristen Pakistan nach wie vor für einen sicheren Zufluchtsort zu halten scheinen, zeigt der Fall von Ahmed Khalfan Ghailani. Er soll bei den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam vor knapp sechs Jahren eine Schlüsselrolle gespielt haben. Ghailani war unter den 22 meistgesuchten Terroristen der US-Bundespolizei FBI, fünf Millionen Dollar waren auf seinen Kopf ausgesetzt. Trotzdem versuchte der Tansanier, mit seiner usbekischen Ehefrau mitten in dem südasiatischen Land unterzutauchen.

Vor kurzem wurde Ghailani festgenommen, nach der Ergreifung sprach der pakistanische Innenminister Makhdoom Faisal Saleh Hayat von einem "phänomenalen Erfolg". Doch das kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass Pakistan nach drei Jahren Anti-Terror-Krieges der Terroristen besonders im Grenzgebiet zu Afghanistan immer noch nicht Herr geworden ist. So beklagt etwa Kandahars Gouverneur Yusuf Pashtun, dass Taliban von Pakistan aus Ziele in seiner Provinz angreifen und sich dann ins Nachbarland zurückziehen können. Aus Pakistan, sagt er, gebe es immer noch Unterstützung für die Terroristen.

Musharraf steht unter Druck der USA

Zwar hat Pakistans Präsident Pervez Musharraf die Gangart gegen Taliban und Al-Kaida verschärft. Doch die Offensiven in den halbautonomen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan brachten bislang vor allem viele Opfer, wirklich spektakuläre Erfolge blieben aus. Musharraf aber steht unter Druck der USA. US-Präsident George W. Bush ernannte Pakistan kürzlich zu einem der wichtigsten Partner außerhalb der NATO - obwohl das Land mit seinen radikalislamischen Kräften als Pulverfass gilt und in jüngerer Vergangenheit vor allem mit illegalen Atomwaffen-Lieferungen Schlagzeilen machte.

Im Gegenzug versucht die Regierung in Islamabad, sich als treuer Partner im Kampf gegen den Terror zu präsentieren - womit sie sich im Frühjahr selbst in eine peinliche Lage brachte: Tage lang heizte sie Spekulationen an, der Al-Kaida-Chefideologe Eiman el Sawahiri sei im Stammesgebiet umzingelt worden. Die Euphorie kam zu früh, der Bin- Laden-Vize wurde nie gefasst. Offen blieb, ob er je dort war.

US-Armee ist voll des Lobes für Pakistan

Trotzdem ist die US-Armee inzwischen voll des Lobes für Pakistan. "Sehr aggressiv" gingen die pakistanischen Truppen gegen Al-Kaida vor, sagt der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Jon Siepmann. Er sei skeptisch, ob das Terrornetzwerk von Pakistan aus überhaupt noch in der Lage sei, Angriffe im Ausland zu planen. Das Lob der USA dürfte die Spannungen zwischen dem Militärmachthaber Musharraf und den muslimischen Extremisten im Lande kaum entschärfen. Im Dezember entging Musharraf gleich zwei Anschlägen, bei denen sogar Offiziere islamistische Terroristen unterstützt haben sollen.

Diese Spannungen dürften eskalieren, sollte der ganz große Schlag gelingen: Die Gefangennahme Bin Ladens. Im Januar prognostizierte der damalige Sprecher der US-Truppen in Afghanistan, man werde Bin Laden noch in diesem Jahr fassen. Das Pentagon spielte das zwar als eine "im Überschwang" getroffene Aussage eines Einzelnen herunter. Doch zweifelsohne dürfte die Gefangennahme des meistgesuchten Terroristen der Welt vor den US-Wahlen im November Präsident Bush ausgesprochen gelegen kommen.

Can Merey / DPA / DPA