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PRESSESCHAU: 16.03.: Radikale Albaner gefährden Frieden

Die Kriegsgefahr durch albanische Extremisten, der Bruch amerikanischer Zusagen zum Klimaschutz und die Entführung des russischen Passagierflugzeuges - mit diesen Themen beschäftigen sich die Kommentare in der Auslandspresse.

»de Volkskrant«: NATO muss radikalen Albanern Weg versperren

Über die Rolle radikaler Albaner bei den neuen Krisenherden in Südserbien und Mazedonien schreibt die niederländische sozialdemokratisch orientierte »Volkskrant« am Freitag: »Die wichtigste Waffe in der Hand der Albaner ist das praktisch unabhängige Kosovo, das nur noch nominell zur jugoslawischen Föderation gehört. Die Cleverness, mit der radikalen Albanern diese Beute erobert haben, müsste der NATO angesichts der jetzigen Ereignisse zu denken geben. ... Die radikalen Albaner haben jetzt ihre Blicke auf Südserbien und Mazedonien gerichtet, wo es große Minderheiten ethnischer Albaner gibt. Mit Gewalt wollen sie eine für sie günstige Lösung erreichen. Dagegen muss sich die NATO zur Wehr setzen. In Belgrad sitzt kein Milosevic mehr, und Mazedonien hat alles getan, um Probleme mit Albanern demokratisch zu lösen. Die NATO muss den radikalen Albanern den Weg versperren.«

»The Guardian«: Bushs Rückgratlosigkeit

Zum Bruch der amerikanischen Zusagen im Klimaschutz schreibt am Freitag die britische Zeitung »The Guardian« (London): »Sogar für US-Standards ist George Bushs politisch inspirierte Entscheidung, sein Wahlversprechen zu brechen, atemberaubend unverantwortlich. Was Clinton und Gore 1997 beim Klimagipfel von Kyoto geleistet hatten, war schon ziemlich ärmlich. Aber Mr. Bush hat sie nun an Rückgratlosigkeit übertroffen, indem er sich nach den Wünschen der Energieunternehmen gefügt hat, die seine Partei finanzieren. Mr. Bush hat ein Versprechen gebrochen, das er zynisch genutzt hat, um den grün angehauchten Al Gore zu übertrumpfen.«

»Neue Zürcher Zeitung«: Kehrtwende im Weißen Haus

Die »Neue Zürcher Zeitung« schreibt am Freitag zur Kehrtwende von US-Präsident Bush in der Umweltpolitik: »Die Kehrtwende im Weißen Haus trägt die Handschrift von Vizepräsident Cheney, der den Auftrag hat, eine nationale Energiepolitik festzulegen, und des Energieministers Spencer Abraham. Christine Todd Whitman, die Leiterin der Umweltbehörde, fügte sich der Entscheidung ohne Begeisterung, aber ohne ihre abweichende Meinung öffentlich kundzutun. Indessen hatte sie bis vor kurzem noch die Meinung vertreten, das Wahlkampfversprechen Bushs werde in die Tat umgesetzt. Die Entscheidung ist Ausdruck der Ernüchterung über den schlechteren Gang der Wirtschaft, über die täglich sinkenden Börsenkurse und der aus der Krise in Kalifornien gewonnenen Erkenntnis, dass die Energieversorgung des Landes störungsanfälliger ist, als man geglaubt hat. ... Die Begründung des Präsidenten für seine Meinungsänderung ist aufschlussreich für die Volatilität der Politik: Er sagte, die Regulierung des CO 2-Ausstoßes hätte zu einer beträchtlichen Steigerung der Strompreise geführt, und dies habe ein Überdenken der Frage notwendig gemacht.«

»La Repubblica«: Klares Kalkül der Entführer

Zum Drama um die Entführung eines russischen Passagierflugzeuges meint die italienische Zeitung »La Repubblica« (Rom) am Freitag: »Sie fordern ein Ende des Krieges in Tschetschenien und die Befreiung eines ihrer Angehörigen, der kürzlich von den russischen Spezialeinheiten verhaftet wurde. ... Anders als beim tragischen Untergang der Kursk im vergangenen Jahr hat sich der russische Präsident Putin diesmal nicht von den Ereignissen überrumpeln lassen. Trotz Urlaubs an einem geheimen Ort hat er sofort einen Krisenstab eingerichtet und die Regierung instruiert, welche Schritte zu unternehmen sind, etwa die Gruppe Alfa der russischen «Ledernacken» in Alarmbereitschaft zu versetzen. ... Die Entführung nach Medina war nach Ansicht von Beobachtern klares Kalkül. Denn dieser zweitwichtigste Ort des Islams dürfte grundsätzlich verbotenes Terrain sein für Ungläubige. Die saudischen Behörden werden deshalb aller Voraussicht nach einen Einsatz der russischen Spezialtruppen nicht zulassen.«