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Buch von Jenna Bush Hager Erinnerungen an ein anderes Weißes Haus: Bush-Tochter erzählt ihre Familiengeschichte

Ex-Präsidenten-Tochter und -Enkelin Jenna Bush Hager, hier im Januar in New York
"Dieses Jahr war eines der tiefgreifendsten meines Lebens": Ex-Präsidenten-Tochter und -Enkelin Jenna Bush Hager, hier im Januar in New York
© Angela Weiss / HarperCollins / AFP / DPA
In zwei Wochen wird in den USA der Präsident gewählt. Als Tochter beziehungsweise Enkelin von zwei Ex-Präsidenten kennt Jenna Bush Hager das Weiße Haus aus allernächster Nähe - und teilt nun ihre Erinnerungen.

Im Verlauf von nur 13 Monaten verlor Jenna Bush Hager alle ihre drei verbliebenen Großelternteile. Zunächst starb im April 2018 ihre Großmutter mütterlicherseits, die Beisetzung fand im kleinen Kreis statt. Der Tod ihrer Großeltern väterlicherseits, "Gampy" und "Grammee" wie Hager sie nennt, sorgte dann weltweit für Trauer und Schlagzeilen: Im November 2018 starb ihr Großvater George Bush, der zwischen 1989 und 1993 Präsident der USA war, rund ein halbes Jahr zuvor, im April 2018, war dessen Frau Barbara gestorben, die frühere First Lady.

"Ich weiß, wie viel Glück ich habe, dass ich sie so lange hatte", schreibt Enkelin Jenna Bush Hager nun in einer gerade in den USA veröffentlichten Essay-Sammlung. "Trotzdem hat das Wissen, dass sie lange, glückliche Leben gelebt haben, die Abschiede nicht weniger traurig gemacht. Dieses Jahr war eines der tiefgreifendsten meines Lebens, voller herrlicher Liebe und schrecklichem Verlust."

Hager machte als Präsidententochter Schlagzeilen

Auf dem Titel der Essay-Sammlung "Everything Beautiful in Its Time" (auf Deutsch etwa: Alles Schöne zu seiner Zeit) ist die im November 1981 geborene Hager als kleines Mädchen mit ihrem berühmten Großvater in einem Boot zu sehen, beide tragen Schwimmwesten. Das Buch erschien in den USA nur wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl Anfang November, bei der es darum geht, ob der republikanische Amtsinhaber Donald Trump weitere vier Jahre im Weißen Haus in Washington verbringen, oder ob sein demokratischer Herausforderer Joe Biden dort einziehen darf.

Gerade jetzt in diesen turbulenten Wahlkampfzeiten inmitten einer Pandemie hätte sie so gerne mit ihren Großeltern gesprochen, sagte Hager der "USA Today". "Ich habe immer gerne ihre Meinung gehört und was ich wirklich mochte ist, dass sie immer für eine Debatte zu haben waren."

Hager kennt das Weiße Haus aus allernächster Nähe: Nach ihrem Großvater wurde 2000 auch ihr Vater George W. Bush zum Präsident der Vereinigten Staaten gewählt, Hager hatte da gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Barbara gerade die Highschool beendet. Als Präsidententochter geriet auch sie ins Scheinwerferlicht und sorgte für Schlagzeilen, unter anderem wegen Vorwürfen von Alkoholkonsums als Minderjährige. "Die Presse war nicht mein Freund", schreibt Hager, die inzwischen verheiratet ist und drei Kinder hat. Trotzdem arbeitet sie heute als Autorin und moderiert eine tägliche Show beim TV-Sender NBC, wo sie auch einen Buch-Club ins Leben gerufen hat, dessen monatlich empfohlene Titel fast alle zu Bestsellern werden.

"Hager ist in eine politische Dynastie hinein geboren worden, aber es schien nie so, als ob sie auch selbst in das Familiengeschäft einsteigen wollte", kommentierte die "New York Times". "Anstelle dessen ist sie zu einer mächtigen Persönlichkeit im Verlagswesen geworden, wo sie jetzt eine Einflussposition hat wie ansonsten etwa Reese Witherspoon und Oprah Winfrey."

Parteipolitik dringt nur zwischen den Zeilen durch

Ihr eigenes Buch werde natürlich nicht Teil des Buch-Clubs, betont Hager. In den Essays erzählt sie von ihrer Kindheit in Texas, wo ihr Vater Gouverneur war, von den Sommern mit der Großfamilie in Maine und von ihrem jetzigen Leben in New York. Von der engen Beziehung zu ihrer Zwillingsschwester Barbara, von ihrer stets liebevollen Mutter Laura und ihrem stets beschützenden Vater George, die sich eigentlich schon damit abgefunden hatten, keine Kinder bekommen zu können, und dann am Tag, als ihr Adoptionsantrag bewilligt wurde, erfuhren, dass sie leibliche Zwillinge bekommen würden.

"Es war eine Enttäuschung für mich, dass die Welt nicht immer die Seite von ihm gesehen hat, die wir gesehen haben", schreibt Hager über ihren Vater George, der in seiner Zeit als Präsident viel Kritik einstecken musste. Großvater George beschreibt Hager als liebevollen Familienmenschen und begeisterten Fischer, Großmutter Barbara sei streng gewesen, habe aber auch immer liebevolle Briefe geschrieben. 

Parteipolitik versucht Hager, die sich genau wie ihre Zwillingsschwester nie offiziell als republikanisch oder demokratisch geoutet hat und deren Großeltern mütterlicherseits bekennende Demokraten waren, aus ihrem Buch herauszuhalten - zwischen den Zeilen dringt sie aber immer wieder durch. Etwa wenn Hager von einer muslimischen Vorschullehrerin ihrer Tochter berichtet, die im Wahlkampf 2016, als der jetzige US-Präsident Trump mit teils aggressiv fremdenfeindlicher Rhetorik gegen seine demokratische Gegenkandidatin Hilary Clinton gewann, große Angst gehabt habe. Diese Art "aufrührerische Sprache" störe sie sehr, schreibt Hager - ohne je Trumps Namen zu nennen.

Wie sehr sich die Welt rund um das Weiße Haus verändert hat und wie tief die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten seitdem geworden sind, wird in Hagers Buch immer wieder deutlich. Gemeinsam mit ihrer Schwester Barbara schrieb sie den beiden Töchter von Barack Obama, des Nachfolgers ihres Vaters als Präsidenten, einen liebevollen Brief, der im Buch abgedruckt ist. Und im Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie verhalte sich ihr Vater deutlich anders als sein Nach-Nachfolger Trump, sagte Hager der "USA Today": "Meine Eltern nehmen ihre Quarantäne sehr ernst."

mad / Christina Horsten DPA

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