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Protestpolitiker Beppe Grillo: Italien hat keine Zukunft in der Eurozone

Ein Komiker macht ernst. Der populistische Protestpolitiker Beppe Grillo wirft Deutschland vor, als einzige von der europäischen Einigung zu profitieren. An europäische Solidarität glaubt er nicht.

Der Überraschungssieger der italienischen Parlamentswahl, Beppe Grillo, glaubt nach eigenen Worten nicht an einen Verbleib seines Landes in der Eurozone. "De facto ist Italien doch schon aus dem Euro raus", sagte der Chef der Bewegung "Fünf Sterne".

Beppe Grillo sieht sich selbst nicht als europafeindlich. "Ich habe nur gesagt, dass ich einen Plan B für Europa haben will", sagte Grillo dem "Handelsblatt" vom Mittwoch. Er trete für mehr Demokratie bei der europäischen Einigung ein: Die Bürger sollten bei wichtigen Themen wie dem Vertrag von Lissabon oder der umstrittenen Liberalisierung von Dienstleistungen in Online-Referenden abstimmen können, forderte der frühere Komiker.

Grillo warf Deutschland vor, allein von der europäischen Einigung zu profitieren. "Warum hat sich nur Deutschland bereichert?", fragte der Politiker. Nordeuropa werde nur so lange an Italien in der Eurozone festhalten, "bis sie die Investitionen ihrer Banken in italienische Staatsanleihen wieder reingeholt haben. Dann werden sie uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel." Die zentrale Frage sei: "Was ist aus Europa geworden? Warum haben wir keine gemeinsame Informationspolitik, keine gemeinsame Steuerpolitik, keine gemeinsame Politik der Immigration?"

Grillos Bewegung Fünf Sterne (M5S) hatte bei der Wahl überraschend 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Grillo will weder mit dem Mitte-links-Bündnis des Sozialdemokraten Pier Luigi Bersani noch mit dem Rechtsbündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi koalieren. Bersani wäre für eine Regierungsbildung auf die Unterstützung von M5S im Senat angewiesen. Grillo aber schloss eine generelle Unterstützung von M5S für Bersani aus und will mit ihn höchstens von Fall zu Fall im Parlament unterstützen.

amt/AFP/Reuters / Reuters