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Raketenangriff in Syrien: Berichte über Giftgasangriff sorgen für Wirbel

Es wäre eine gefährliche Eskalation des Bürgerkrieges: In Syrien soll es möglicherweise einen Angriff mit einer Giftgasrakete gegeben haben. Das Regime und seine Gegner beschuldigen sich gegenseitig.

In einem Dorf in der syrischen Provinz Aleppo soll es möglicherweise einen Giftgasangriff gegeben haben. Das berichten sowohl Staatsmedien als auch Regimegegner in Syrien, wobei sie jeweils der anderen Bürgerkriegspartei die Schuld geben. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, Terroristen hätten in der Ortschaft Chan al-Asal Chemiewaffen eingesetzt und 25 Menschen getötet. Zudem seien durch die Attacke 86 Zivilisten und Soldaten verletzt worden.

Auch Russland nennt die Rebellen als Aggressoren: Syrische Regierungsgegner hätten eine Rakete mit Giftgas abgefeuert, teilte das Außenministerium in Moskau unter Berufung auf eigene Informationen aus Damaskus mit. Dabei seien 16 Menschen getötet sowie etwa 100 verletzt worden. "Wir halten diesen neuen Vorfall für eine äußerst beunruhigende und gefährliche Entwicklung in der Syrienkrise", hieß es in der Stellungnahme. Die UN-Vetomacht ist ein enger Partner von Baschar al-Assad und hat im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wiederholt Resolutionen gegen den Machthaber verhindert.

"Wir wissen nicht genau, ob es eine Giftgasattacke war"

Die Rebellen veröffentlichten ihrerseits eine Video-Botschaft, in der sie behaupteten, die Truppen Assads hätten eine "Scud"-Rakete auf den umkämpften Ort abgeschossen. Dabei hätten sie ihr Ziel, eine Polizeischule in der Nähe der Front, verfehlt und versehentlich eigene Anhänger bombardiert. "Wir wissen nicht genau, ob es wirklich eine Giftgasattacke war, vielleicht hat die Rakete auch eine Fabrik getroffen, aus der dann giftige Gase ausgetreten sind", sagte ein Oppositioneller aus Aleppo. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von 26 Toten, darunter mindestens 16 regierungstreue Soldaten. Sie konnte den Einsatz von Giftgas jedoch nicht bestätigen.

US-Präsident Barack Obama hatte im August vergangenen Jahres mit einem Militärschlag gegen Syrien gedroht, sollte das Assad-Regime chemische Waffen einsetzen oder deren Einsatz vorbereiten. Obama hatte Damaskus und "jedem Spieler in der Region unmissverständlich klar gemacht, dass es eine rote Linie für uns wäre, es enorme Konsequenzen hätte, wenn wir an der Chemiewaffenfront Bewegung oder einen Einsatz sehen."

Rebellen wollen deutsche Waffen

Die Aufständischen fordern unterdessen von Deutschland militärische Unterstützung. Im Kampf gegen Assad und dessen Armee bräuchten sie "mehr Waffen und Munition" sowie "Abwehrraketen gegen die Panzer und die Luftwaffe", sagte der Stabschef der Rebellenarmee, Selim Idriss, "Zeit online". Er bestritt zugleich, dass seine Freie Syrische Armee (FSA) mit der dschihadistischen Al-Nusra-Front zusammenarbeite, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wird.

"Al-Nusra-Rebellen kämpfen an unserer Seite, nach dem Gefecht sind sie wieder weg - so einfach ist das. Aber wir planen keine gemeinsamen Operationen, wir geben ihnen kein Geld", sagte Idriss. Nach Einschätzung des FSA-Chefs sind viele Syrer der Ansicht, Assad könne unbestraft bleiben, wenn er versprechen würde, das Land zu verlassen. Er selbst sei aber anderer Meinung, sagte Idriss. "Ich als Krieger, als Soldat, will ihn tot sehen." Assad müsse für das, was er getan habe, bezahlen.

mad/AFP/Reuters/DPA / DPA / Reuters