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Nach mutmaßlichem Giftgasangriff: Donald Trump droht Syrien mit "smarten" Raketen - wie gefährlich ist das?

Vor einer Woche wollte Donald Trump seine Soldaten noch aus Syrien abziehen, nun droht er mit massiven Raketenangriffen - und er scheint keine Rücksicht auf Russland nehmen zu wollen. Eskaliert der Krieg in Syrien? Fragen und Antworten.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien wollen die USA und Frankreich Machthaber Baschar al Assad in die Schranken weisen. Die Präsidenten Donald Trump (USA) und Emmanuel Macron (Frankreich) drohen unverhohlen mit einem Militäreinsatz. Doch das Risiko einer solchen Aktion ist hoch.

Warum sehen die USA und Frankreich plötzlich im Syrien-Konflikt Handlungsbedarf?

Trump und Macron sehen die "rote Linie" überschritten, die sie vor Monaten gezogen haben: Nach ihrer Einschätzung setzt Assad gegen die eigene Bevölkerung weiter international geächtete Chemiewaffen ein. Bei dem jüngsten Angriff in der Stadt Duma starben laut Hilfsorganisationen 48 Menschen. Allerdings ist der mutmaßliche Giftgasangriff noch nicht offiziell untersucht worden - es ist also offiziell unklar, ob es ihn gab und wer dahinter steckt. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht deutliche Anzeichen für einen Giftgaseinsatz in Syrien. Die Symptome der rund 500 Betroffenen in Duma in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta entsprächen einer Belastung mit giftigen Chemikalien, teilte die WHO am Mittwoch in Genf mit. Jedoch ist die WHO selbst ist nicht zuständig für die Untersuchung von Giftgas-Angriffen. Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) kündigte an, in Kürze Experten in die syrische Stadt zu schicken, um den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff zu untersuchen.

Was planen Washington und Paris?

Ein Militäreinsatz steht offenbar kurz bevor. Trump drohte am Mittwoch auf Twitter, die Raketen gegen Syrien würden kommen. Nach Angaben Macrons könnte ein Angriff in den kommenden Tagen erfolgen.

Wie könnte der Militäreinsatz konkret aussehen?

Als wahrscheinlich gilt ein Luftangriff. Macron sagte, beide Länder könnten in Syrien "chemische Einrichtungen unter Kontrolle des Regimes angreifen". Damit würden sich Paris und Washington für eine begrenzte Intervention entscheiden. Bereits vor einem Jahr hatte Trump als Vergeltung für einen Giftgasangriff in der syrischen Kleinstadt Chan Scheichun Marschflugkörper auf einen Militärflughafen der Regierungstruppen feuern lassen.

Was sind die Risiken?

"Die USA müssen sehr vorsichtig sein, nicht versehentlich russische Ziele zu treffen oder russische Berater zu töten", sagt der Politikwissenschaftler Ben Connable von der Rand Corporation. Russland ist die Schutzmacht Syriens und hat im Fall eines Angriffs mit einem Gegenschlag gedroht. Der Tod von Russen könnte zu einer direkten Konfrontation der Atommächte führen. Macron versichert, in keinem Fall werde es einen Angriff auf die Verbündeten Syriens geben, zu denen auch der Iran zählt.


Wie reagiert Russland auf die Ankündigung?

Der Kreml warnt die USA vor einem Vergeltungsangriff auf Syrien. Die Raketen sollten auf "Terroristen" abgefeuert werden und nicht auf die "legitime Regierung" Syriens, schrieb die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, auf ihrer Facebook-Seite. Kremlsprecher Dmitri Peskow rief die Vereinigten Staaten zur Besonnenheit auf. Der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sassypkin, ging in seinen Äußerungen dagegen weiter: "Sollte es einen Angriff von Seiten Amerikas geben, werden die Raketen abgeschossen und die Objekte angegriffen, von denen sie abgefeuert wurden", sagte er laut der Agentur Interfax.


Droht ein Flächenbrand im Nahen Osten?

"Wir wollen keine Eskalation in der Region", betont Macron. Trump twitterte hingegen: "Mach dich bereit, Russland". Der französische Politikwissenschaftler Bruno Tertrais sieht die USA und Frankreich vor einer schwierigen Gratwanderung: "Es ist schwer vorstellbar, dass sie sich nur mit einem symbolischen Militärschlag zufriedengeben", sagt der Experte für Geopolitik mit Blick auf die wiederholten Giftgasangriffe in Syrien.  "Andererseits glaubt niemand, dass Frankreich und die USA eine Operation für einen Regimewechsel betreiben", sagt Tertrais. Dann wäre die Gefahr eines Flächenbrands zu groß. Denn in den vielschichtigen Syrien-Konflikt sind auch Israel und die Türkei verwickelt.

Wer unterstützt Washington und Paris?

Beide Länder setzen nach Macrons Worten auf eine enge Abstimmung mit Großbritannien und anderen Nato-Staaten. Zudem setzen sie auf Rückendeckung befreundeter arabischer Länder. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman signalisierte bei einem Paris-Besuch bereits die Unterstützung seines Landes.

nik/AFP