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Reisewarnung: USA rufen ihre Bürger zum Verlassen Ägyptens auf

Die Zahl der Toten steigt nahezu im Stundentakt - in Ägypten herrscht der Ausnahmezustand. Nach zwei Tagen blutiger Zusammenstöße rufen die USA ihre Bürger auf, das Land zu verlassen.

Nach den blutigen Unruhen in Ägypten haben die USA ihre Bürger zum Verlassen des Landes aufgerufen. Alle dort lebenden Amerikaner seien angehalten, aus dem nordafrikanischen Staat auszureisen, teilte das Außenministerium in Washington am Donnerstag mit. Grund seien die politischen und sozialen Unruhen in dem Land. Die US-Botschaft bleibe aber vorerst geöffnet.

US-Bürger seien dringend dazu aufgerufen, Demonstrationen in Ägypten zu meiden. Selbst friedliche Proteste könnten sich schnell in gewalttätige Zusammenstöße verwandeln. Den Anweisungen vor Ort sei unbedingt Folge zu leisten, hieß es. Außerdem sollten Reisende sich ausweisen können, ein Handy bei sich tragen und sich in örtlichen Medien über die Sicherheitslage zu informieren. Die Unruhen hatten seit Mittwoch Hunderte Tote gefordert.

Große Sorgen bereitet nach Ansicht des US-Außenamts die geschlechtsbezogene Gewalt, die auch Ausländer treffen kann. Frauen seien im Umfeld der Proteste mehrfach Ziel sexueller Übergriffe geworden.

US-Botschaft könnte schließen

Obwohl die schwersten Zusammenstöße aus Metropolregionen wie Kairo, Alexandria und Port Said gemeldet wurden, habe es zuletzt auch aus anderen Regionen Berichte über bewaffnete Angriffe gegeben, teilte das US-Außenamt mit.

Die US-Botschaft liegt unweit des Tahrir-Platzes in Kairo, weshalb die Vertretung wegen der Unruhen möglicherweise vorübergehend geschlossen werden könne. US-Bürger würden darüber aber so schnell wie möglich informiert. Bis auf einige Ausnahmen hatte das US-Außenministerium bereits Anfang Juli seine Mitarbeiter und deren Familienangehörige dazu aufgefordert, Ägypten zu verlassen.

Obama sagt gemeinsame Militärübung ab

Zuvor hatte bereits US-Präsident Barack Obama das Vorgehen der Streitkräfte verurteilt und eine gemeinsame Militärübung im September abgesagt. Nach der Militärintervention gegen Präsident Mohammed Mursi am 3. Juli habe es zunächst die Chance auf Versöhnung gegeben, doch stattdessen habe Ägypten einen "gefährlicheren Weg" genommen, sagte er.

Die US-Militärhilfen von jährlich 1,3 Milliarden Dollar ließ Obama zwar unangetastet, Verteidigungsminister Chuck Hagel warnte nach einem Telefonat mit Ägyptens Militärchef Abdel Fattah al-Sisi jedoch: "Die Gewalt und unangemessene Maßnahmen zur Versöhnung gefährden wichtige Elemente unserer langjährigen Kooperation."

Inzwischen weit über 600 Tote gezählt

Am späten Abend wollte auch der UN-Sicherheitsrat zusammentreten, um über die Gewalt in Ägypten zu beraten. Die Sitzung sollt um 23.30 Uhr (MESZ) hinter verschlossenen Türen beginnen. Das Treffen wurde von den Ratsmitgliedern Frankreich, Großbritannien und Australien gefordert.

Unterdessen steigt die Zahl der Opfer der Unruhen in Ägypten weiter. Seit Beginn der blutigen Auseinandersetzungen am Mittwoch seien landesweit 638 Menschen getötet worden, berichtete der Nachrichtensender "Al-Arabija" am Donnerstagabend unter Berufung auf Zahlen des Gesundheitsministeriums. Verletzt worden seien 4201 Menschen.

Nach Angaben der staatlichen Zeitung "Al-Ahram" starben allein 228 Menschen bei der Erstürmung des islamistischen Protestlagers durch die Sicherheitskräfte auf dem Platz vor der Rabea-al-Adawija-Moschee in Kairo. Dort stand das Hauptcamp der Anhänger des Anfang Juli gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi.

kng/DPA/AFP / DPA