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Unruhen in Ägypten: So lief der Tag nach dem Blutbad

Nach dem blutigen Mittwoch werden in Ägypten mehr als 600 Tote bestätigt. Jetzt soll der UN-Sicherheitsrat über die Lage beraten. Chronologie eines erneut dramatischen Tages.

+++ 21.14 Uhr: UN-Sicherheitsrat soll tagen +++

Laut Diplomatenangaben soll noch in dieser Nacht (23.30 Uhr MESZ) der UN-Sicherheitsrat zu Dringlichkeitssitzung zusammentreten. Frankreich, Großbritannien und Australien hätten eine solche Sondersitzung der 15 Mitgliedstaaten zu der Lage in Ägypten beantragt, heißt es.

+++ 21.07 Uhr: USA rufen ihre Bürger zum Verlassen Ägyptens auf +++

Das US-Außenministerium in Washington verschärft seine Reisewarnung. US-Bürger wird empfohlen, Ägypten zu verlassen.

+++ 20:20 Uhr: Putin stellt angeblich Militär-Einrichtungen zur Verfügung +++

Die ägyptische Nachrichtenseite "Egypt Independent" meldet, dass der russische Präsident Wladimir Putin dem ägyptischen Militär angeblich die russischen Militär-Einrichtungen im Land zur Verfügung stellt. Gleichzeitig bietet er angeblich der Armee ein gemeinsames Manöver mit russischen Truppen an - nachdem US-Präsident Barack Obama ein geplantes Manöver mit US-Truppen wegen der gewalttätigen Ausschreitungen gestrichen hatte. Die Seite benennt keine genaue Quelle, bezieht sich aber auf eine außerplanmäßige Beratung im Kreml.

+++ 19:48 Uhr: Ausgangssperre doch ab 19 Uhr +++

Laut einer Mitteilung des Kabinetts ist die Verschiebung des Beginn des Ausgangssperre wieder gestrichen worden. Sie gilt nun doch wieder von 19 Uhr an. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Nähere Gründe wurden bisher nicht mitgeteilt.

+++ 19:24 Uhr: Hagel warnt die ägyptische Regierung +++

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat die ägyptische Regierung in eindringlichen Worten gewarnt, dass die seit Jahren bestehenden intensiven Beziehungen durch die anhaltende Gewalt im Land gefährdet seien. Die USA unterstützen vor allem das ägyptische Militär mit jährlichen Milliardensummen - vor allem, um die Stabilität in der Region und damit die Öl-Versorgungswege zu sichern. Der Einfluss der Obama-Regierung auf die Generäle in Ägypten scheint derzeit jedoch gering. Die Forderung, den Ausnahmezustand wieder aufzuheben, dürfte somit ungehört verhallen.

+++ 19.20 Uhr: Tamarod ruft zum Schutz von Kirchen auf +++

Die oppositionelle Tamarod-Bewegung hat nach Angaben der in Kairo ansässigen BBC-Journalistin Claire Read in einem im Fernsehen ausgestrahlten Statement dazu aufgerufen, Kirchen zu schützen. Seit dem Ausbruch der Unruhen nimmt die Gewalt gegen Besitz und Einrichtungen der koptischen Christen in Ägypten zu. Appelle, diese nicht zum Sündenbock für die aktuelle Lage zu machen, fanden bisher wenig Gehör.

+++ 19.10 Uhr: Zahl der Toten nun bei über 530 +++

Mit den neu gemeldeten Toten vom Donnerstag ist die Zahl der Todesopfer durch die Unruhen auf mehr als 350 gestiegen. Mehr als 3700 Menschen wurden verletzt. Die neuerlichen Protestaufrufe sowie die Ankündigung der Armee mit scharfer Munition auf "Angreifer" und "Terroristen" zu schießen, lässt weitere Todesopfer befürchten.

+++ 18.33 Uhr: Ausgangssperre beginnt um 21 Uhr +++

Ägyptens Regierung hat noch einmal verkündet, dass die Ausgangssperre in Kairo im Land um 21 Uhr beginnt. Sie wurde bereits gestern von ursprünglich 19 Uhr in den Abend verlegt. Sie endet weiterhin um 6 Uhr morgens.

+++ 18.16 Uhr: Am Strand während die Stadt brennt +++

Nachdenkenswertes via NBC-Korrespondent Nick Schifrin.

+++ 17.57 Uhr: Fünf tote Soldaten auf Sinai +++

Auf der Sinai-Halbinsel sind fünf ägyptische Soldaten getötet worden - mutmaßlich von Extremisten. Wie es aus Sicherheitskreisen heißt, wurden die Männer bei einer Attacke auf eine Straßensperre in der Provinzhauptstadt Al-Arisch getötet. Sieben weitere Soldaten wurden verletzt. Muslimbrüder und Salafisten-Parteien haben in der Region viele Anhänger, heißt es.

+++ 17.43 Uhr: Militär setzt ausdrücklich scharfe Munition ein +++

Die ägyptischen Sicherheitskräfte haben ausdrücklich angekündigt, scharfe Munition einzusetzen, um sich selbst oder öffentliche Gebäude zu verteidigen. Dies wurde über das Staatsfernsehen verkündet - unter Berufung aus den Innenministerium. Die Ankündigung bezieht sich auf einen Vorfall, bei dem früher am Tag ein Regierungsgebäude in Kairo in Brand gesetzt wurde.

+++ 17.09 Uhr: Wieder Tote in Alexandria +++

In Alexandria sind vier Menschen getötet worden, als sich Anwohner einem Protestmarsch der Muslimbrüder entgegenstellten. Die Bewohner des Viertels wollten laut dem Nachrichtenportal Al-Ahram verhindern, dass eine nahe koptische Kirche angegriffen wird. Rufe wie "Wir sind alle Ägypter - Millionen gegen die Muslimbrüder" erschallten. Es entbrannte eine Massenschlägerei, bei der auch 45 Menschen verletzt wurden.

+++ 17.07 Uhr: Wieviele Opfer sind es wirklich? +++

Die Al-Jazeera-Korrespondentin D. Parvaz twittert ein Foto, das einen Eindruck der Folgen der Unruhen vom Mittwoch vermittelt.

+++ 16.55 Uhr: "Freitag der Wut": Gewaltfreiheit nicht garantiert +++

Die Muslimbrüder werden an diesem Freitag Unterstützung der radikalen Islamisten-Vereinigung bekommen. Gemeinsam mit den Unterstützern des abgesetzten Präsidenten Mursi wollen sie gegen die Übergangsregierung protestieren. Geplant seien an seien an diesem "Freitag der Wut" zwar friedliche Kundgebungen, aber es könne niemand garantieren, dass es dabei nicht zu Gewalt und Brandanschlägen kommt, so ein Sprecher der Organisation gegenüber der Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm".

+++ 16:49 Uhr: Obama sagt gemeinsames Manöver ab +++

Angesichts der anhaltenden Gewalt hat US-Präsident Barack Obama alle geplanten Militärmanöver mit den ägyptischen Streitkräften abgesagt. Ägypten sei auf einem "gefährlichen Weg", so Obama während einer Pressekonferenz. Die Vereinigten Staaten unterstützen des ägyptische Militär, das derzeit die Regierungsgewalt im Land innehat, seit Jahren mit Milliardensummen.

+++ 16:43 Uhr: Firmen schließen, Touristen bleiben aus +++

Klare Auswirkungen der Unruhen auf die Wirtschaft Ägyptens: Große deutsche Reiseveranstalter registrieren eine spürbar sinkende Nachfrage, nachdem erste Meldungen über Unruhen in Touristenorten bekannt wurden. Von einer Storno- und Umbuchungswelle ist aber noch nicht die Rede. Erste ausländische Konzerne haben vorübergehend die Produktion geschlossen.

+++ 14:45: TV: Islamisten setzen Gouverneurssitz bei Kairo in Brand +++

In Ägypten haben am Donnerstag die gewaltsamen Ausschreitungen wieder eingesetzt. Islamistische Demonstranten stürmten den Dienstsitz des Gouverneurs der zum Großraum Kairo gehörenden Provinz Gizeh und steckten ihn in Brand, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Nach den blutigen Auseinandersetzungen vom Vortag und der Verhängung einer Ausgangssperre war es in der Nacht zum Donnerstag ruhig geblieben.

+++ 14:21: Hunderte Muslimbrüder bei Protestmarsch in Alexandria +++

In der ägyptischen Millionenmetropole Alexandria haben sich am Donnerstag Hunderte Anhänger der Muslimbruderschaft zu einem Protestmarsch versammelt. Sie demonstrierten gegen die gewaltsame Räumung zweier Protest-Lager in Kairo, bei der am Vortag mehr als 500 Menschen getötet worden waren. "Wir werden wiederkommen im Namen unserer Märtyrer", skandierte die Menge in der zweitgrößten Stadt des Landes. Auch in der Hauptstadt kündigten die Islamisten für den Nachmittag einen Protestmarsch an.

+++ 13:51: Ägyptens Justiz verlängert Haft von Ex-Präsident Mursi +++

Die ägyptischen Justizbehörden haben nach dem jüngsten Gewaltausbruch die Haft des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi um 30 Tage verlängert. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Mena am Donnerstag. Mursi war am 3. Juli vom Militär nach anhaltenden Massenprotesten abgesetzt worden und wird seither an einem unbekannten Ort festgehalten. Ihm werden Mord und Spionage vorgeworfen. Mursis islamistische Anhänger fordern, dass er wieder in sein Amt eingesetzt wird.

+++ 13:45: Unruhen in Ägypten lassen Ölpreis steigen +++

Die eskalierende Lage in Ägypten treibt die Ölpreise nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete am Donnerstag im Mittagshandel 111,20 US-Dollar. Das waren 91 Cent mehr als am Vortag. Dies ist der höchste Stand seit über viereinhalb Monaten. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI kletterte um 83 Cent auf 107,69 Dollar. Investoren am Ölmarkt fürchten ein Übergreifen der Krise in Ägypten auf andere Staaten der ölreichen Region im Nahen Osten.

+++ 13:32: Regierung: Opferzahl der Unruhen in Ägypten steigt auf 525 +++

Die Opferzahl der Unruhen in Ägypten am Mittwoch hat sich laut der Regierung auf mindestens 525 erhöht. Allein bei der Räumung des Protestlagers der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi auf dem Kairoer Rabaa-al-Adawija-Platz seien 202 Menschen getötet worden, sagte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. 78 Menschen seien in Gizeh getötet worden, wo auf dem Al-Nahda-Platz das zweite kleinere Protestcamp der Islamisten war.

+++ 13:19: Westerwelle lässt ägyptischen Botschafter einbestellen +++

Nach dem jüngsten Ausbruch von Gewalt in Kairo hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle den ägyptischen Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellen lassen. Ihm sei in aller Deutlichkeit die Haltung der Bundesregierung dargelegt worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Donnerstag im Anschluss daran. Westerwelle erklärte am Rande von Gesprächen in Tunis, es sei darum gegangen, dem Botschafter sehr deutlich zu machen, dass das Blutvergießen ein Ende haben müsse. "Die ägyptische Regierung ist verpflichtet, den Schutz von friedlichen Demonstrationen zu gewährleisten und solche friedlichen Demonstrationen auch zuzulassen", betonte der Außenminister. Alle Seiten müssten auf Gewalt verzichten.

+++ 11:42: Muslimbrüder kündigen neue Proteste für Nachmittag an +++

Ägyptens Muslimbrüder haben nach dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen ihre Protestlager zu neuen Demonstrationen in Kairo aufgerufen. Für Donnerstagnachmittag seien in der Hauptstadt Märsche gegen die Tötungen vom Vortag geplant, teilten die Islamisten mit. Zuvor hatte ein Sprecher erklärt, die Anhänger des vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi würden nicht ruhen, bis "der Militärputsch" der Vergangenheit angehöre. Er betonte, dass die Muslimbrüder dabei aber "stets gewaltfrei und friedlich" vorgehen würden.

+++ 11:07: Ein Toter bei Ausschreitungen in ägyptischem Badeort Hurghada +++

Die ägyptischen Ferienorte an der Küste des Roten Meeres blieben von den blutigen Unruhen bislang verschont. In dem Abschnittstext Badeort Hurghada hat es allerdings in der Nacht zum Donnerstag einen Todesfall gegeben. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen starb ein Anhänger der Muslimbruderschaft bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

dho/kmi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters