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Verschwundener Journalist: Haben diese 15 Männer Jamal Khashoggi auf dem Gewissen?

Was ist mit Jamal Khashoggi passiert? Und wer hat mit seinem möglichen Tod zu tun? Ein 15-köpfiges Kommando aus Saudi-Arabien soll den Journalisten gefoltert und beseitigt haben - nun liegen erste Erkenntnisse über die Männer vor.

Kritischer Journalist: Verschleppt oder ermordet? Warum Saudi-Arabien Jamal Khashoggi fürchtet

Es gibt viele grausige Erkenntnisse darüber, was mit Jamal Khashoggi passiert sein könnte. Dass ein saudisches Kommando bestehend aus 15 Männer in die Botschaft des Landes in Istanbul gerufen wurde. Dass sie den Journalisten gefoltert haben. Es ist sogar die Rede davon, dass er noch bei lebendigem Leib zersägt worden sei. Beweise dafür gibt es nicht, jedenfalls keine, die öffentlich zugänglich sind. Die Türkei will ihre Ermittlungsergebnisse demnächst vorstellen. 

Auch Trump geht von Khashoggis Tod aus

Alles, was bislang durchgesickert ist, beruht auf Aussagen türkischer Ermittler und Recherchen diverser Zeitungen. Sicher aber ist wohl, dass der Saudi-Arabier, der zuletzt im Exil in den USA war, nicht mehr lebt – davon geht auch Donald Trump aus. 

Ein Fokus der Ermittler ist das besagte Sonderkommando, das offenbar am Tag von Khashoggis Verschwinden mit einem Privatjet aus Riad nach Istanbul gereist war –zwei Stunden nachdem der Journalist die saudische Botschaft betreten hat. Überwachungskameras hatten die Ankunft der 15 Männer gefilmt – und Medien aus aller Welt, darunter die BBC, haben die Bilder der möglichen Mörder ausgewertet. Einige von ihnen sind offenbar keine unbeschriebenen Blätter. 

Khashoggi Kommando

Screenshot einer Collage von Bildern einer Überwachungskamera. Sie zeigt die Männer, die nach Angaben türkischer Stellen in das Verschwinden von Jamal Khashoggi involviert sein sollen. 

Allen voran Salah Muhammed Tubaigy. Der 47-Jährige ist laut seines Twitter-Profils forensischer Pathologe und Vorsitzender des Wissenschaftsrats für forensische Medizin in Saudi-Arabien. Bereits in der Vergangenheit haben sich arabische Medien für den Mann interessiert. Laut der Zeitung "Asharq al Awsat" hat er den Grad eines Oberstleutnant im saudischen Innenministerium. In einem Interview hatte er einst von einem von ihm entwickelten mobilen Labor gesprochen, in dem Vor-Ort-Obduktionen in nicht einmal zehn Minuten möglich seien. Offiziellen türkischen Stellen zufolge soll er bei seiner Ankunft in Istanbul eine Knochensäge dabei gehabt haben. Angeblich sei seine Stimme auf den Aufnahmen zu hören, die von der Tat gemacht worden sein sollen. Khashoggi hatte angeblich seine Smartwatch vor Betreten der Botschaft entsprechend programmiert. Berichten zufolge habe er einem Kameraden geraten, beim Zerteilen der Leiche Kopfhörer zu tragen.

Königsgarden und Geheimdienstler

  • Maher Abdulaziz Mutreb, 47, soll CNN zufolge einst in der saudischen Botschaft in London gearbeitet haben und ein Oberst beim Geheimdienst sein. Offenbar gibt es Fotos, die ihn mehrfach an der Seite des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zeigen.
  • Abdulaziz Mohammed Alhawsawi wurde von französischer Seite als Mitglied des Sicherheitsteams von Kronprinz Salman identifiziert. 
  • Mehrere während des Vorfalls anwesende Männer werden als Mitglieder der königlichen Garda bezeichnet, so Thaar Ghaleb Alharbi, Khalid Aedh Alotaibi, Meshal Saad M Albostani (der vor wenigen Tagen bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein soll), Fahad Shabib Albalawi und Mohammed Saad Alzahrani, der der "Washington Post" auf Nachfrage allerdings sagte, zum Zeitpunkt von Khashoggis Verschwinden nicht in der Türkei gewesen zu sein. 

Daneben hat das Kommando offenbar aus Geheimdienstlern, Militärangehörigen und mindestens zwei weiteren Mitarbeitern des Kronprinzen Salman bestanden. Sollten sich die Identitäten bestätigen, wäre das saudische Königshaus der glatten Lüge überführt. Bislang heißt es offiziell, dass weder der König noch sein designierter Nachfolger irgendetwas mit dem Verschwinden des Journalisten zu tun hätten. Nach einem Telefonat mit König Salman sagte US-Präsident, dieser habe ihm gegenüber jede Beteiligung und Wissen höchst glaubwürdig abgestritten. 

Trump spricht von "schlimmer Sache"

Der US-Präsident wird dafür kritisiert, dass er den saudischen Vertretern vorbehaltlos glaubt, obwohl viele Indizien gegen ihre Version sprechen. Bislang hat er es zudem der Führung des Wüstenstaats überlassen, den Fall zu untersuchen. Sollte das Ergebnis schlecht für den Verbündeten ausfallen, müssten mögliche Sanktionen gegen Riad "sehr strikt" sein, wie Trump sagte. Bei dem Fall handle es sich um eine "schlimme, schlimme Sache".