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SELBSTMORDATTENTAT: Neuer Anschlag erschüttert Jerusalem

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat am Donnerstag in Jerusalem zwei Menschen mit in den Tod gerissen und damit die Bemühungen des US-Vermittlers Anthony Zinni um eine Waffenruhe torpediert.

Nach dem Anschlag in einer Einkaufsstraße verlautete aus politischen Kreisen in Israel, ein für Donnerstag oder Freitag geplantes Sicherheitstreffen sei abgesagt worden. Dies wurde in palästinensischen Kreisen bestätigt. Zu dem Anschlag bekannten sich die El-Aksa-Brigaden der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat. Arafat verurteilte den Anschlag und forderte die Umsetzung der bereits im Sommer vergangenen Jahres vereinbarten Waffenruhe.

»Ich sah einen Schädel auf der Straße«

Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes wurden mehr als 43 Menschen verletzt, sechs davon schwer. Ein Motorradfahrer berichtete im israelischen Rundfunk, die Bombe sei hinter ihm explodiert, als er von der Jaffa Straße zur König Georg Straße gefahren sei. »Ich sah einen Schädel auf der Straße - vom Attentäter oder vielleicht von jemand anderem«. Ein anderer Augenzeuge schilderte im israelische Armeerundfunk. »Ich war ein paar Meter entfernt von ihm (dem Attentäter), sehr nahe - Ich sah sein Gesicht.«

Zinnis Bemühungen um eine Waffenruhe

Der Anschlag ereignete sich rund einen Kilometer von dem Hotel Zinnis entfernt. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon wollte am Abend mit Zinni zusammentreffen und danach polischen Kreisen zufolge mit seinem Kabinett über die Lage beraten. Zinni bemüht sich um eine Waffenruhe zwischen den Palästinensern und Israel. Radikale Palästinensergruppen hatten zu Beginn der Vermittlungsbemühungen angekündigt, weitere Anschläge zu verüben.

Ein Sprecher Arafats sagte, dieser verurteile den Anschlag und fordere eine möglichst rasche Umsetzung der Pläne des US-Geheimdienstchefs George Tenet und des ehemaligen US-Senators George Mitchell. Der Tenet-Plan sieht eine Feuerpause und einen Rückzug der israelischen Armee auf die Positionen vor Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000 vor. Im Gegenzug sollen die Palästinenser Extremisten festnehmen und illegal gehaltene Waffen beschlagnahmen. Der Mitchell-Plan sieht nach vertrauensbildenden Maßnahmen später eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen vor.

In der Nacht zum Donnerstag hatten sich Sicherheitsexperten beider Seiten nicht auf eine Waffenruhe verständigen können. Nach palästinensischen Angaben hatte Zinni vorgeschlagen, so lange zu verhandeln, bis eine Übereinkunft getroffen wird. Diese könne bis zum Wochenende beschlossen werden, hieß es. Nach dem Anschlag in Jerusalem erklärte die israelische Regierung, radikale Palästinenser versuchten die Vermittlungsbemühungen Zinnis zu torpedieren. Ein Regierungssprecher sagte, Israel habe in den vergangenen Tagen das Äußerste unternommen, um die Pläne Tenets und Mitchells umzusetzen. »Aber offensichtlich sind einige palästinensische Elemente entschlossen, keinen Erfolg in dem Bereich zuzulassen.«

Bush »enttäuscht« von Arafat

Bereits vor dem erneuten Anschlag hatte US-Präsident George W. Bush erklärt, er sei enttäuscht über das Vorgehen Arafats gegen extremistische Gewalttäter. »Er, Herr Arafat, muss alles in seiner Macht stehende tun, um die Gewalt zu stoppen.« Bush wies darauf hin, dass es einige Fortschritte bei den Bemühungen um eine Waffenruhe gebe. Bush sagte, US-Vizepräsident Dick Cheney sei bereit, unverzüglich zurückzukehren und erstmals Arafat zu treffen, wenn dieser zustimmt, den Tenet-Plan umzusetzen. Cheney war am Montag in Israel und hatte sich zwar mit Scharon, nicht aber mit ranghohen Palästinensern getroffen.