Simbabwe Kein Wahlergebnis, aber Festnahmen


Eineinhalb Wochen nach den Wahlen sind in Simbabwe mehrere Mitarbeiter der Wahlkommission festgenommen worden. Unklar sei bisher, was ihnen genau vorgeworfen wird. Die Partei von Präsident Robert Mugabe hatte die Präsidentenwahl angefochten - das Ergebnis ist noch immer nicht bekannt.

Oppositionschef Morgan Tsvangirai, der sich als Wahlsieger sieht, forderte unterdessen eine internationale Initiative, um Mugabe (84) zum Rücktritt zu zwingen. Die Lage in Simbabwe sei "auf des Messers Schneide". Tsvangirai hält sich sich zu Krisengesprächen im Nachbarland Südafrika auf. Dessen Präsident Thabo Mbeki ist vom regionalen Staatenbund SADC schon vor der Wahl vor anderthalb Wochen mit einer Vermittlerrolle beauftragt worden.

Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) versuchte am Montag, knapp eineinhalb Wochen nach der Abstimmung, eine Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidentenwahl vor Gericht zu erzwingen. Eine Entscheidung sollte nun am Dienstag verkündet werden, betonte das Obergericht in Harare. Die MDC sieht Tsvangirai nach einer eigenen Auszählung mit 50,3 Prozent der Stimmen als Sieger der Präsidentenwahl. Mugabes ZANU(PF)-Partei, die bei der gleichzeitigen Parlamentswahl erstmals die Mehrheit verloren hat, fordert wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten eine Neuauszählung.

"Zeit für starke Aktionen"

Tsvangirai wandte sich erneut mit einem Hilferuf an die internationale Öffentlichkeit. Mugabe rüste sich für eine gewalttätige Auseinandersetzung, schrieb der MDC-Vorsitzende in einem Beitrag für die britische Zeitung "The Guardian". Er fordert auch wirtschaftlichen Druck. Der Internationale Währungsfonds solle seine Simbabwe-Hilfe zurückhalten. "Jetzt ist die Zeit für starke Aktionen", meinte er.

Angesichts der wachsenden Spannungen rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon alle Seiten zur Besonnenheit auf. Der UN-Chef forderte gleichzeitig die amtliche Wahlkommission auf, die Ergebnisse der Präsidentenwahl so rasch wie möglich bekanntzugeben.

Gewakt gegen weiße Farmer

Mit einer Welle der Gewalt gegen weiße Farmer schüren radikale Anhänger Mugabes Angst und Unsicherheit. Nach Angaben von Farmern gab es am Montag weitere Besetzungen von Höfen weißer Landwirte. Bereits zuvor hatte Mugabe zur Verteidigung seines Landes "gegen die Weißen" aufgerufen. Nach der Besetzung erster Farmen durch seine Schlägertrupps hatte er nach Angaben des südafrikanischen Rundfunks erklärt, die Weißen wollten die von ihm eingeleitete Landreform umkehren.

Die wegen ihrer Gewaltbereitschaft gefürchteten Veteranen des Befreiungskrieges hatten schon am Wochenende einige noch in weißem Besitz verbliebene Farmen besetzt. Dabei hatten sie die Opposition als "Marionetten des Westens" gebrandmarkt und deren Sieg bei der Parlamentswahl am 29. März als "Provokation" gewertet. Nach der Vertreibung von rund 4000 weißen Farmern wird die Zahl der noch im Lande tätigen weißen Bauern auf rund 900 geschätzt.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker