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Verbale Attacken Straight outta Duterte – wenn ein Präsident wie ein Gangster redet

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte bei einem Staatsbesuch im weißen Zwirn.
Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte kann es einfach nicht lassen. Schon wieder hat er andere Politiker als "Hurensöhne" bezeichnet.
© Picture Alliance / Pacific Press
Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte bezeichnete EU-Politiker bei einem Auftritt in Manila als "Hurensöhne" – nicht zum ersten Mal. Im normalen Leben hätte das ziemlich sicher eine dicke Lippe zur Folge.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte gibt sich als Mann des Volkes. Jemand, der sagt, was er denkt. Jemand, der sich von nichts und niemanden in seine Angelegenheiten reinreden lässt. Er regelt die innenpolitischen Probleme in seinem Land auf seine Art. Doch diese Art steht in starkem Kontrast zu der Politik der westlichen Industriegesellschaft. Statt auf Contenance und Diplomatie setzt der 71-jährige Politiker auf Beleidigungen und wüste Beschimpfungen. Duterte haut gerne drauf.

Aber anders als ein Erdogan, der Deutschland mit Nazi-Vorwürfen erschüttert, oder als Trump, der im Minuten-Takt die Presse mit "Fake News"-Vorwürfen beschießt, greift der Präsident der Philippinen zu härteren Mitteln. Er beleidigt seine Kritiker persönlich und bezeichnet sie als "putang ina mo". Das ist Tagalog, eine auf den Philippinen weit verbreitete Sprache, und heißt auf Deutsch "Hurensohn".

"Ihr Verrückten, ihr Hurensöhne!“

Nachdem einige EU-Politiker die geplante Wiedereinführung der Todesstrafe in seinem Land kritisiert hatten, sagte Duterte am Donnerstag bei einem Auftritt in Manila: "Ihr Verrückten, ihr Hurensöhne! Hört auf damit, euch bei uns einzumischen! Ich wäre glücklich, euch aufhängen zu können! Wenn es nach mir ginge, würde ich euch alle aufhängen!" Namen nannte er nicht, aber die Botschaft ist klar: Mischt euch nicht ein, sonst kriegt ihr von mir was zu hören.

Nicht zum ersten Mal benutzt er dabei das Wort "Hurensohn". Tatsächlich kann man in seinem Fall schon von einer Art rhetorischen Stilmittels sprechen. Denn in der Vergangenheit hatte er schon den ehemaligen US-Präsidenten Barrack Obama als den "Sohn einer Hure" bezeichnet. Daraufhin sagte Obama ein geplantes Treffen mit ihm ab.

Mit diesem Wort beleidigte er auch den Papst, katholische Bischöfe in seinem Land, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den US-Botschafter in Manila nannte er sogar einen "schwulen Hurensohn". Diese Titulierung des langjährigen Bürgermeisters der Hafenstadt Davao ist nicht nur eine verbale Entgleisung, es symbolisiert eine radikale Vorgehensweise, die sich in seinen politischen Umsetzungen fortsetzt. 

Rodrigo Duterte ist ein Verbal-Terrorist 

Duterte zieht seine Anti-Drogen-Kampagne, mit der er im letzten Jahr zur Wahl angetreten ist, auf brutale Weise durch. Im September 2016 setzte er sogar seinen Anti-Drogen-Kampf mit der NS-Judenvernichtung gleich, allerdings historisch nicht korrekt: "Hitler hat drei Millionen Juden massakriert. Wir haben hier etwa drei Millionen Drogensüchtige – ich würde sie mit Freuden abschlachten." Das Nazi-Regime tötete sechs Millionen Juden. Bislang sind durch seinen Kampf gegen Drogenkriminelle über 7000 Menschen gestorben und ein Ende ist nicht in Sicht.

Doch seine radikale Vorgehensweise findet bei den Philippinern Anklang. Aus diesem Grund wurde er gewählt. Er ist radikal und setzt seine Politik durch. Trotzdem muss man sich die Frage stellen: Wozu führt das, wenn der Staatschef eine Landes mit mehr als 100 Millionen Einwohnern andere Politiker oder Kirchenoberhäupter als Hurensöhne beleidigt? Ist das die nächste Stufe der Trumps, Le Pens, Petrys oder Erdogans dieser Welt?

Auf jeden Fall ist es eins: Verbal-Terrorismus. Denn wie geht ein Diplomat mit solchen Äußerungen um? Sucht er das Gespräch? Droht mit Sanktionen? Oder sagt er wie Obama daraufhin ein geplantes Treffen ab? Man stelle sich nur einmal vor, Angela Merkel hätte auf die Nazi-Vorwürfe von Erdogan ein "Hurensohn" folgen lassen. Was wäre dann wohl los gewesen?

Im normalen Leben kriegt man für dieses Wort eins auf die Schnauze

Wenn man das Thema noch einmal auf eine andere Ebene herunterbricht, weg von Weltpolitik hin zum normalem Alltag, dann kriegt man noch eine andere Sicht auf diese Aussagen.

Stellen Sie sich vor: Duterte steht in einem Raum, ohne Kameras, ohne Security, nur Auge in Auge mit einer anderen Person und bezeichnet denjenigen dann als "Hurensohn". Er dürfte sich nicht wundern, dass er dafür mindestens eine Faust ins Gesicht bekommen würde. Denn dieses Wort ist nicht nur eine Beleidigung, es ist ein verbaler Schlag ins Gesicht. Es ist eine radikale Aussage, die zu seiner radikalen Politik passt, aber die im wirklichen Leben auch eine radikale Reaktion hervorruft: eine dicke Lippe.

Dutertes Anti-Drogenkrieg auf den Philippinen

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