Süd-Ossetien Den Anschluss an Russland erkämpfen


Die Region Süd-Ossetien, die sich von georgien abgespalten hat, wird am Sonntag in einem Referendum über den Anschluss an Russland abstimmen. Hier lebt die andere Hälfte der Volksgruppe der Osseten.

Im fast zwei Jahrzehnte alten Streit um die von Georgien abgespaltene Region Süd-Ossetien rückt eine Lösung in immer weitere Ferne. Am Sonntag will das Gebiet südlich des Kaukasus-Hauptkamms in einem Referendum über die Unabhängigkeit abstimmen. Dabei meint Unabhängigkeit eigentlich den erhofften Anschluss an Russland, wo die andere Hälfte der Osseten in der eigenen Teilrepublik Nord-Ossetien lebt.

Ebenfalls am 12. November will Separatistenführer Eduard Kokojty als Präsident von Süd-Ossetien wiedergewählt werden. Er bezeichnet seine Heimat schon lange als Teil Russlands. Dem georgischen Staatschef Michail Saakaschwili, der in seiner Amtszeit bis 2009 die abtrünnigen Gebiete Süd-Ossetien und Abchasien wieder unter Kontrolle der Zentrale in Tiflis bringen will, läuft die Zeit weg.

Die "eingefrorenen"Konflikte in Russland

Der Schlüssel zur Lösung liegt in Moskau. Der Kreml macht über den Krisenherd Druck auf den ungeliebten Saakaschwili, der Georgien in die Nato führen will. Zugleich nutzt Russland die "eingefrorenen Konflikte" in der Ex-Sowjetunion wie Berg-Karabach (Aserbaidschan) oder Transnistrien (Moldawien) als Faustpfand in der internationalen Politik. Mit welchem Recht dürften Montenegro und eventuell das Kosovo unabhängig werden, Süd-Ossetien aber nicht, fragt die russische Außenpolitik.

Ethnisch gehören die Osseten nicht zu den Georgiern, sie sind ein eigenes Volk mit einer Sprache aus der Gruppe der iranischen Sprachen. Im Wiedererwachen der Nationalitäten in der Spätphase der Sowjetunion brach auch der unterdrückte Zwist zwischen Georgiern und Osseten wieder aus. 1989 kam es erstmals zu Gewalt in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali.

Das kleine Land mit großer Geschichte

1992 belagerten georgische Truppen die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen, weil die Osseten von russischen Soldaten unterstützt wurden. Nach Kämpfen, bei denen etwa 2000 Menschen starben, musste der damalige georgische Staatschef Eduard Schewardnadse einem Waffenstillstand zustimmen. Seitdem wacht eine gemischte russisch- georgisch-ossetische Friedenstruppe über das Gebiet, das mit 3885 Quadratkilometern anderthalb Mal so groß wie Luxemburg ist.

Faktisch leben dort etwa 70.000 Menschen in einem russischen Protektorat. Neun von zehn Süd-Osseten haben russische Pässe, es gilt der russische Rubel. Haupteinkommensquelle des Separatistenregimes ist der Schmuggel mit Russland durch den Tunnel am Roki-Pass.

Angst vor einer gewaltsamen Lösung

Saakaschwili bot Süd-Ossetien eine weit reichende Autonomie an, die Kokojty aber ablehnte. Die Osseten fürchten eine gewaltsame Lösung, genährt durch Drohungen wie "Neujahr feiern wir in Zchinwali" von Saakaschwilis hitzköpfigem Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili. Als Nahziel will Georgien durchsetzen, dass die Russen in der Friedenstruppe durch Soldaten anderer Staaten ersetzt werden.

Moskau lehnt dies ab. Eine Ablösung der russischen Soldaten bringe nur eine Zuspitzung der Lage, sagte Generalstabschef Juri Balujewski. Präsident Wladimir Putin erteilte kürzlich einem Anschluss der georgischen Separatisten-Gebiete eine Absage: "Russland ist selbst nach dem Zerfall der Sowjetunion das größte Land der Erde. Wir haben genug Fläche". Aber auch er unterstellte Georgien, das Problem Süd- Ossetien mit Gewalt lösen zu wollen.

Friedemann Kohler, DPA DPA

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