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Regime erpresst Lösegeld: Die Terrorakte Assad

Menschen entführen und Lösegeld erpressen, Folter, Giftgas-Einsätze: Die Liste von Abscheulichkeiten des syrischen Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung ist lang - eine Übersicht.

Von Niels Kruse

Folter in Syrien

Einer der harmloseren Dokumente des Damaszener Folterregimes: Foto eines erdrosselten Mannes.

Es war der Foltertod zweier Jugendlicher, der 2011 erst den Aufstand gegen Baschar al Assad auslöste, und wenig später Syrien in einen immer scheußlicher werdenden Bürgerkrieg stürzte. Fast fünf Jahre dauert das Gemetzel nun an und längst sind die Grenzen zwischen guten Rebellen, bösen Islamisten, kooperativen Kurden und unerbittlichem Regime verschwunden. Einzig der gewählte Präsident gilt als jemand, der zumindest helfen kann, die Grausamkeiten in der Trümmerwüste einzudämmen. Obwohl oder besser, weil er derjenige ist, der die Hauptverantwortung für die Zigtausenden Folteropfer, die Hunderttausenden Toten und die Millionen von Flüchtlingen trägt. Seine Akte des Terrors gegen die eigenen Landsleute ist lang - und nun ist ein weiterer Eintrag hinzugekommen.

Regierung verdient am Schwarzmarkt mit

Laut Amnesty International (AI) soll die Regierung in Damaskus vom Schicksal tausender verschwundener Zivilisten und ihrer Angehörigen profitieren. In Syrien, so die Menschenrechtsorganisation, gebe es einen Schwarzmarkt, bei dem verzweifelte Angehörige auf der Suche nach ihren verschwundenen Verwandten zehntausende von Dollar für Informationen zahlen. AI will Beweise dafür haben, dass der syrische Staat an den gezahlten Geldern mitverdiene. "Wir sind sicher, dass Regierungs- und Gefängnisbeamte von dem Geld profitieren, das wegen der Verschwundenen gezahlt wird. Hunderte Zeugen haben das bestätigt", heißt es bei Amnesty. Diese Praxis sei so weit verbreitet, dass kaum anzunehmen ist, dass die Regierung nichts davon wisse.

So erschütternd diese Nachricht auch ist, so ist sie doch nur ein weiterer Punkt auf der Liste von Assads abscheulichen Herrschaftstechniken, die zwar schon unter Assads Vater Hafis eingesetzt wurden, seitdem aber noch deutlich intensiviert wurden.


Folter

  • Die Schergen des Regimes reißen ihren Opfern die Zähne heraus, die Finger- und Fußnägel, sie brechen ihnen die Knochen, traktieren sie mit Elektroschocks und brennenden Zigaretten, die Menschen werden stranguliert, ausgepeitscht und von Ratten angenagt. Die zahllosen Berichte von Insassen berüchtigter Gefängnisse wie dem "Palestine Branch" in Damaskus lesen sich schon wie der reinste Horror. Und das Assad-Regime foltert offenbar systematisch, wie der "Guardian" und der Nachrichtensender CNN berichten. Mindestens 11.000 Menschen seien in den vergangenen Jahren der staatlichen Gewalt zum Opfer gefallen sein. Anfang 2014 wurden mehr als 50.000 Fotos aus Syrien herausgeschmuggelt, die die Arbeit der Folterknechte dokumentieren.

Hunger

  • Aus nahezu allen Regierungsgefängnissen wird berichtet, dass die Insassen kaum ausreichende Nahrung erhalten. Viele von ihnen sterben nicht an ihren Folterverletzungen, sondern verhungern schlicht. Zudem verweigert das syrische Regime immer wieder Hilfslieferungen in Gebiete, die es nicht kontrolliert. Wie etwa Jarmuk, einem Vorort von Damaskus, das von der Assad-Regierung 2013 systematisch abgeriegelt wurde. Die Vereinten Nationen schätzen, dass zeitweise bis zu 250.000 Syrer im ganzen Land auf dieses Weise von Nahrungsmittelnachschub abgeschnitten waren.

Hinrichtungen

  • Folter, Heckenschützen, schweres Kriegsgerät: Wer in Syrien als Gegner des Assad-Clans gilt, ist sich seines Lebens nicht mehr sicher. Verbürgt ist, dass Sniper Oppositionelle hinterrücks beim Einkaufen erschossen haben. Vom Staat hochgerüstete Milizen haben wiederholt Massaker in Dörfern verübt, etwa in Baida und Banias, als 2013 offenbar wahllos Männer, Frauen und Kinder getötet wurden. Einer der Hauptverantwortlichen dieser Gräueltaten ist die Schabiha-Miliz, die im Auftrag des Regimes Demonstranten niederschießen, Menschen verschwinden lassen, sie foltern und ermorden.

Fassbomben

  • Diese einfachen Behälter, gefüllt mit Sprengstoff und Metallteilen, sind so etwas wie die perverse Visitenkarte des Regimes. Mindestens 11.000 Syrer sind durch diese einfach herzustellenden Waffen ums Leben gekommen. Das perfide an den Fassbomben ist, dass sie aus niedriger Höhe aus Hubschraubern abgeworfen werden und kaum zu kontrollierende Auswirkungen haben. Die explosiven Öltonnen oder Gaskartuschen zerfetzen alles und jeden in der Nähe der verheerenden Explosion. Wegen ihrer wahllosen Zerstörungskraft stufen Organisationen wie "Human Rights Watch" Fassbomben als "unzulässige Waffe" ein. Das Assad-Regime bestreitet ihren Einsatz.

Giftgas

  • 192 Staaten der Welt haben den Einsatz von Chemiewaffen verboten. Doch Baschar al Assad schert sich nicht darum. Im Jahr 2012 häuften sich die Berichte, dass die Regierung in Damaskus Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzt. Im Herbst des Jahres erklärte US-Präsident Barack Obama, mit der Verwendung von Kampfstoffen wie Sarin oder Chlorgas sei eine rote Linie überschritten, die militärische Konsequenzen nach sich ziehe. Doch obwohl auch nach dieser Ankündigung aus Washington der Einsatz von Chemiewaffen nachgewiesen wurde, geschah nichts. Dokumentiert sind eine ganze Reihe von Giftgaseinsätzen. Etwa in Ghuta östlich von Damaskus im August 2013. Dabei seien je nach Quelle zwischen 280 und 1700 Menschen ums Leben gekommen. Seit August dieses Jahres wurden mindestens 16 weitere Chlorgas-Attacken gezählt.