Tel Aviv Anschlag an der Haltestelle

Bei einem Bombenanschlag an einer Bushaltestelle in Tel Aviv ist eine Frau getötet worden, mindestens 21 Menschen wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalen Al-Aksa-Brigaden.

Bei der Explosion eines offenbar ferngezündeten Sprengsatzes an einer Bushaltestelle der israelischen Stadt Tel Aviv ist am Sonntag nach Angaben von Ärzten eine Frau getötet worden. Etwa 21 weitere Menschen wurden bei dem Palästinenser-Anschlag zum Teil schwer verletzt.

Zu der Tat, dem ersten Anschlag in Israel seit März, bekannten sich die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, die der Fatah- Fraktion von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nahe stehen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon verurteilte die Tat und stellte sie in direkten Zusammenhang mit dem am Freitag veröffentlichten Gutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag zur Sperranlage zum Westjordanland.

Der Polizeichef von Tel Aviv, Jossi Sedbon, sagte im Armeerundfunk, die Extremisten hätten die Bombe im morgendlichen Berufsverkehr gezündet. "Das war kein Selbstmordattentäter - der Sprengsatz wurde in einem Gebüsch platziert." Sanitätern zufolge war mindestens einer der Verletzten in kritischem Zustand.

"Ich fuhr gerade zur Arbeit, als ich den Knall hörte", berichtete ein Augenzeuge. "Eine Soldatin wurde durch die Luft geschleudert."

Zu der Tat bekannten sich die radikalen Al-Aksa-Märtyrer- Brigaden. Ein Anrufer der Gruppe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Anschlag sei eine Vergeltung für die Tötung von zwei hohen Mitgliedern der Brigaden und für die Tötung anderer Palästinenser durch die israelische Armee.

Israels Regierungschef erklärte, der Anschlag sei "unter dem Vorzeichen des Richterspruches aus Den Haag" verübt worden. Es werde damit aus israelischer Sicht einmal mehr deutlich, dass der Bau der über 600 Kilometer langen Sperranlage "die vernünftigste Maßnahme gegen den kriminellen Terrorismus ist".

Zugleich wies Scharon die Kritik des Internationalen Gerichtshofs an der Sperranlage zum Westjordanland als einseitig und politisch motiviert zurück. Das Gericht habe den Grund für den Bau der von Israel als "Sicherheitszaun" gegen den Terror bezeichneten Anlage "völlig ignoriert - nämlich den mörderischen palästinensischen Terrorismus", sagte Scharon.

Das Tribunal der Vereinten Nationen (UN) hatte die mit hohen Zäunen, Betonmauern und Gräben ausgerüstete Anlage als Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht bezeichnet und den Abriss der Teile verlangt, die in palästinensisches Gebiet hineinreichen. Das Urteil ist allerdings für Israel rechtlich nicht bindend.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in Bangkok, das Urteil des Den Haager Gerichts sei deutlich. "Wenn wir akzeptieren, dass die Regierung in Israel die Verantwortung und Pflicht hat, seine Bürger zu schützen, muss jede Maßnahme, die sie ergreift, in Einklang mit dem Völkerrecht stehen und die Interessen der Palästinenser und Israel als Besatzungsmacht respektieren."

Die Palästinenser werfen Israel Landraub vor, weil die Anlage streckenweise tief ins Westjordanland hineinreicht. Zudem sehen viele Palästinenser durch die Anlage ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

DPA DPA

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