Tel Aviv Mindestens sieben Tote bei Selbstmordanschlag


Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag östlich der israelischen Stadt Rischon LeZion sind mindestens sieben Menschen getötet sowie etwa 30 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden.

Ein neuer palästinensischer Selbstmordanschlag östlich der israelischen Stadt Rischon LeZion hat die Bemühungen um die Bildung einer neuen Palästinenserregierung erschwert und die Zukunft des Nahost- Friedensprozesses weiter in Frage gestellt. Bei dem Attentat an einer Sammelstelle für Soldaten nahe dem Armeestützpunkt Zrifin wurden mindestens sechs Israelis und der Attentäter getötet sowie etwa 30 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Stunden zuvor waren bei einem Gefecht zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern in der Autonomiestadt Hebron im Westjordanland vier Palästinenser, darunter ein 13-jähriger unbeteiligter Junge, getötet worden.

Hamas bekennt sich zu dem Anschlag

Zu dem neuen Selbstmordanschlag bekannte sich am Abend die radikal-islamische Bewegung Hamas, berichtete der arabische Nachrichtensender El Dschasira. In Gaza sagte der Hamas-Sprecher Abdel Asis Rantisi am Abend dem britischen Nachrichtensender Sky News, die Tat sei "eine direkte Antwort auf die israelischen Verbrechen". Am vergangenen Samstag war der Gründer und geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, bei einem misslungenen israelischen Tötungsversuch leicht verletzt worden.

Das neue Attentat ereignete sich genau drei Wochen nach einem blutigen Selbstmordanschlag am 19. August in Jerusalem, bei dem 23 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden waren. Zwei Tage später hatte die israelische Armee in Gaza den Hamas-Führer Ismail Abu Schanab bei einem Raketenangriff getötet. Hamas erklärte darauf eine Ende Juni ausgerufene Waffenruhe für beendet und kündigte eine neue Serie von Terroranschlägen in Israel an.

Haltestelle bei Armeestützpunkt

Nach Augenzeugenberichten war der Attentäter vgegen 17.00 Uhr MESZ in einem Auto zu der Haltestelle bei dem Armeestützpunkt Zrifin gefahren, wo Dutzende junger Soldaten auf eine Mitfahrgelegenheit warteten. Sekunden später sei der Täter ausgestiegen, auf die Soldaten zugegangen und habe die Explosion ausgelöst. Berichte, wonach es sich bei dem Attentäter um eine Frau handelte, bestätigten sich nicht.

Unmittelbar nach der Explosion rasten Krankenwagen aus der ganzen Region zum Tatort. Die zahlreichen Verletzten wurden in die benachbarten Krankenhäuser gebracht. Erste Ermittlungen der Polizei ergaben, dass der Attentäter die mit zahlreichen Schrauben und Nägeln gefüllte Bombe in einer Tasche bei sich trug.

Warnungen vor neuen Anschlägen

Die israelische Polizei war schon am Dienstagmorgen in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, weil sie zahlreiche Warnungen vor neuen Terroranschlägen palästinensischer Extremisten hatte. Hinweise der Geheimdienste deuteten besonders auf einen Anschlag in Jerusalem hin. Zu dem Selbstmordanschlag bei Rischon LeZion habe es keine Warnung gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Die israelische Regierung verurteilte den neuen Anschlag, der die Bemühungen um Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses in Frage stellt. Nach dem Rücktritt des palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas am Samstag hatte sein designierter Nachfolger Ahmed Kureia am Dienstag mit Sondierungen zur Regierungsbildung begonnen. Bis zu seiner Wahl und Vereidigung führt Mahmud Abbas die Regierung kommissarisch weiter.

Kureia forderte in einem Zeitungsinterview am Dienstag ein bilaterales Waffenruhe-Abkommen mit Israel, das es ihm erlauben würde, bei Verstößen gegen die extremistischen Palästinensergruppen vorzugehen. Die israelische Regierung reagierte auf die Ernennung Kureias durch Palästinenserpräsident Jassir Arafat mit großer Skepsis. US-Außenminister Colin Powell forderte, dass Kureia künftig verstärkt gegen die terroristischen Palästinensergruppen vorgehen müsse.


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