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Hier spricht der Boomer Twitter und Co. greifen bei Trump ein: meine Angst vor dem großen Aufräumen im Netz

Donald Trumo
Die verordnete Sendepause für US-Präsident Donald Trump bei Facbeook und Twitter ist nur vordergründig gut, meint unser Kolumnist Frank Schmiechen
Es ist gut gemeint: Die großen US-Netzwerke wie Twitter sperren den US-Präsidenten Donald Trump. Doch damit überschreiten sie eine Linie – und das hat drei verheerende Konsequenzen für uns, meint unser Kolumnist Frank Schmiechen.
Von Frank Schmiechen

Ein Tabu ist gebrochen. Instagram und Facebook sperren den scheidenden amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Twitter redigiert oder sperrt seine Tweets. Das ist nach den gewalttätigen Ausschreitungen am Kapitol, für die Trump mit seinen Tweets einen großen Teil der Verantwortung trägt, ganz sicher gut gemeint. Es hat aber drei verheerende Konsequenzen.

1. Ende der digitalen Freiheit 

Bis vor kurzer Zeit war die Sache klar. Mark Zuckerberg verwehrte sich dagegen, sein Netzwerk Facebook zu redigieren. Jeder durfte dort publizieren, was noch halbwegs legal war. Zuckerberg legte die Verantwortung in die Hände der Nutzer. 

Von dieser strikten Haltung rückte Zuckerberg ab. Spätestens als immer klarer wurde, dass Netzwerke auch mächtige Manipulatoren der öffentlichen Meinung sein können. 

Mit der Sperrung des amerikanischen Präsidenten übernimmt Facebook ab jetzt die volle Verantwortung für die Inhalte auf der Plattform. Denn es wird schwer zu erklären sein, wenn das Prinzip nicht auch auf andere Inhalte angewendet wird. 

Die Nutzer werden aus ihrer Verantwortung entlassen. Das kostet uns unsere Freiheit in sozialen Netzwerken. Sie zensieren von jetzt an einen Teil unserer digitalen Wirklichkeit, den wir bis jetzt selber gestalten konnten. 

2. Ende der Wahrheit

Wer lesen konnte, hat gewusst, was im Kopf von Donald Trump vor sich geht. Seine Tweets waren über mehr als vier Jahre Zeugnis eines eher schlichten, selbstsüchtigen, krankhaften Lügners. Das alles wurde uns direkt aus dem Kopf von Trump auf Twitter zur Verfügung gestellt. 

Twitter ist eine Wahrheitsmaschine. Es lässt uns in die Gedankenwelt von Menschen schauen. Auch in Abgründe. Man muss das aushalten und verstehen können.

Diese Fähigkeit wird uns jetzt abgesprochen, wenn Netzwerke ihre Inhalte redigieren. Das Selberdenken wird uns von den großen Tech-Konzernen in Zukunft abgenommen. Wir dürfen gespannt sein, wo hier welche Grenzen gezogen werden.

3. Ende der Unschuld

Die Chefs der großen Plattformen sind ab jetzt aktive Politiker. Wir dürfen gespannt sein, wie sie mit den Themen Klimawandel oder Pandemie umgehen. Welche Argumente dürfen wir dazu in Zukunft auf Facebook noch lesen? Welche nicht mehr? 

Die Hoffnung, dass nicht mehr jeder manipulativen Quatsch in den Netzwerken aufgetaucht, ist verlockend. Doch wir bezahlen sie damit, dass Mark Zuckerberg und Jack Dorsey (CEO von Twitter) es in der Hand haben, was in unseren Netzwerk-Streams auftaucht und was nicht. Sie werden damit zu aktiven Gestaltern des globalen Bewusstseins. 

Viele Nutzer fühlen sich vielleicht besser damit, dass jemand in den Netzwerken mal richtig aufräumt. Mir macht das Angst. 

wue

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