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Auf Bundesebene Erschießen, Vergasen: Trump-Regierung öffnet Weg für zusätzliche Hinrichtungsmethoden

Fünf Tage lang sucht die Polizei im US-Bundesstaat Tennessee nach diesem Mann:


Seit 2012 verbüßt Curtis Watson eine 15-jährige Haftstrafe wegen schwerer Entführung.


Doch Anfang August bricht er aus dem Staatsgefängnis aus.


Watson hätte den Gefängnisrasen mähen sollen – stattdessen nutzt er den Traktor als Fluchtfahrzeug.


Kurz zuvor soll der 44-Jährige die Gefängnisleiterin Debra Johnson auf dem dortigen Gelände vergewaltigt und getötet haben.


Die Suche nach Watson beschäftigt den ganzen Bundesstaat.


Die Polizei bittet um Hinweise und bekommt 430 Rückmeldungen.


Sonntagmorgen wird der Flüchtige schließlich gesichtet: Harvey und Ann Taylor beobachten über ihre Überwachungskamera, wie Watson sich aus ihrem Kühlschrank bedient.


Ihr Haus befindet sich im Dorf Henning – 16 Kilometer vom Gefängnis entfernt.


Die Familie meldet sich sofort bei der Polizei, die innerhalb von 30 Minuten das gesamte Gebiet abriegelt.


Rund sieben Stunden später ergibt sich Watson.


Wegen der Vergewaltigung und des Mordes an Debra Johnson droht dem Amerikaner nun die Todesstrafe.
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Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will bis zu dessen Auszug aus dem Weißen Haus noch mehrere auf Bundesebene verurteilte Straftäter hinrichten lassen. Dafür kann sie demnächst auch auf bislang nicht genutzte Methoden zurückgreifen.

Nach dem Willen der US-Regierung sollen künftig neben der Tötung per Giftspritze auch andere Hinrichtungsarten wie Erschießungen, der elektrische Stuhl oder der Einsatz von tödlichem Gas erlaubt sein. Das geht aus der Änderung einer Vorschrift für die Ausführung der Todesstrafe bei auf Bundesebene verurteilten Straftätern hervor, die am Freitag (Ortszeit) im Amtsblatt der Bundesregierung veröffentlicht wurde.

Trump-Regierung plant noch mehrere Hinrichtungen

Ab 24. Dezember sollen demnach Exekutionen nach allen Methoden durchgeführt werden können, die in dem Bundesstaat legal sind, in dem das Urteil gefällt wurde. Hinrichtungen erfolgen meist per Giftspritze, doch in manchen Staaten sehen Gesetze auch Alternativen vor. In Mississippi und Oklahoma etwa sind auch der Einsatz von Gas, der elektrische Stuhl und Schießkommandos grundsätzlich zugelassen. In Tennessee etwa wurde im Dezember ein Häftling auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

Unklar ist, ob das Justizministerium des amtierenden Präsidenten Donald Trump tatsächlich die bisherige Praxis der Hinrichtung per Giftspritze ändern will. Das Ministerium plant bis zur Amtseinführung von Trumps Nachfolger Joe Biden am 20. Januar noch mehrere Exekutionen von auf Bundesebene verurteilten Straftätern. Der Demokrat Biden lehnt die Todesstrafe ab. Der Republikaner Trump hatte die Wiedereinführung von Hinrichtungen auf Bundesebene durchgesetzt.

Während viele US-Bundesstaaten die Todesstrafe vollstrecken, hatte es auf Bundesebene seit 2003 keine Hinrichtung mehr gegeben. Die Todesstrafe wurde seitdem zwar weiter verhängt, aber nicht vollstreckt. Der Rechtsstreit um die Wiederaufnahme der Hinrichtungen hatte sich bis vor das Oberste Gericht in Washington gezogen, die Regierung setzte sich aber durch. Die ersten drei Exekutionen waren daraufhin im Juli in einem Bundesgefängnis in Terre Haute im Staat Indiana per Giftspritze durchgeführt worden.

Die Todesstrafe ist in den USA insgesamt eher auf dem Rückzug. Das hat vielerorts mit einer sich wandelnden öffentlichen Meinung zu tun, aber auch mit den zunehmenden Schwierigkeiten, die nötigen Stoffe für die Giftspritze zu beschaffen. Zudem führt das Verhängen der Todesstrafe meist zu langwierigen – und kostspieligen – Rechtsstreitigkeiten. 2020 wurden in den USA dem Verein Informationszentrum Todesstrafe zufolge bislang 15 Menschen hingerichtet, davon acht auf Bundesebene.

mad DPA

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