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Ukraine-Krieg: Elf Tote bei heftigsten Kämpfen seit Wochen

In der Ostukraine haben die heftigsten Kämpfe seit langem zwischen Armee und Separatisten getobt. Innerhalb von 24 Stunden gab es elf Tote. Dennoch will Kiew den Ostprovinzen mehr Autonomie einräumen.

Ein Kontrollpunkt der ukrainischen Armee in der Nähe von Donezk

Schwere Verluste: Die ukrainische Armee zahlt ein hohen Blutzoll in den Kämpfen gegen die Separatisten

Im Osten der Ukraine sind die Kämpfe zwischen prorussischen Rebellen und Regierungssoldaten wieder heftig aufgeflammt. Der ukrainische Sicherheits- und Verteidigungsrat sprach am Mittwoch von acht getöteten Soldaten binnen 24 Stunden und den "heftigsten Bombardements auf ukrainischem Gebiet seit der Unterzeichnung des Minsker Abkommens". Auch zwei Aufständische sowie eine Zivilistin wurden nach Angaben der Rebellen getötet.

Die jüngste Opferzahl ist die höchste seit fünf Wochen. Unter den getöteten Soldaten waren nach Angaben der Behörden fünf, die bei Zusammenstößen mit einer separatistischen Gruppe am Dienstag in der Region Luhansk ums Leben kamen. Insgesamt wurden demnach auch 16 Streitkräfte verletzt.

Gegenseitige Vorwürfe - wie immer

Eigentlich gilt seit Februar ein Friedensabkommen für die Konfliktregion, das in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ausgehandelt und unterzeichnet worden war. Kiew warf den Rebellen vor, nun schwere Artillerie eingesetzt zu haben, was gemäß den Minsker Vereinbarungen untersagt ist. Die jüngsten Ereignisse seien der "Beweis eines weiteren Versuchs von Russland und seinen Marionetten, das Minsker Abkommen zu zerstören", erklärte der ukrainische Sicherheits- und Verteidigungsrat.

Die Aufständischen erklärten über ihre Nachrichtenagentur DAN, dass zwei ihrer Kämpfer sowie eine Zivilistin durch Angriffe der Armee getötet worden seien. Demnach waren die Angriffe des Militärs in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen.

Der Konflikt in der Ostukraine dauert seit Frühjahr vergangenen Jahres an. Seitdem wurden nach Schätzungen über 6500 Menschen getötet. Russland wird vorgeworfen, die prorussischen Rebellen in der Ostukraine mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen, was Moskau jedoch zurückweist.

Mehr Befugnisse für die Ostukraine

Ab Donnerstag sollte im Parlament in Kiew über eine Verfassungsreform debattiert und abgestimmt werden, die mehr Befugnisse für die Rebellengebiete im Osten vorsieht. Anders als von den Aufständischen gewünscht, erhalten die Gebiete unter ihrer Kontrolle aber nicht den Status der Halb-Autonomie. Kiew will den Status der beiden Regionen Donezk und Luhansk in einem Sondergesetz festlegen.

Der Westen betrachtet die Verfassungsreform zur Dezentralisierung als einen wichtigen Schritt, um den bewaffneten Konflikt zu beenden. Am Dienstagabend telefonierten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident François Hollande in dieser Sache mit dem ukrainischen Parlamentspräsidenten Wolodymyr Groisman. Merkel und Hollande begrüßten den Anstoß der Verfassungsreform, erklärte die deutsche Botschaft in Kiew. Beide Politiker unterstützten zudem die Bereitschaft der ukrainischen Regierung, "auf die Besonderheiten in bestimmten Regionen" im Osten einzugehen, hieß es.

tis / AFP