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Ukraine-Konflikt: Putin paradox

Russland befeuert laut Nato-Angaben den Krieg in der Ostukraine mit Waffen und Soldaten. Dennoch hat Präsident Putin am Morgen eine friedliche Lösung gefordert - und einen "humanitären Korridor".

"Alle Probleme auf friedlichem Weg lösen": Russlands Präsident Wladimir Putin

"Alle Probleme auf friedlichem Weg lösen": Russlands Präsident Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die ukrainische Führung erneut zu einer Waffenruhe aufgefordert. Die Regierung in Kiew sollte sich sofort mit den Aufständischen im Osten "an einen Tisch setzen und alle Probleme auf friedlichem Weg lösen", meinte der Kremlchef in einer am Freitagmorgen veröffentlichten Mitteilung.

An die Separatisten appellierte Putin, einen Fluchtkorridor für eingekesselte ukrainische Einheiten einzurichten. Dies solle den Soldaten ermöglichen, die Kampfzone zu verlassen. Damit sollten "unnötige Opfer" vermieden werden. Einen Appell an die Aufständischen, das Feuer einzustellen, enthält die Mitteilung nicht.

Separatistenführer Alexander Sachartschenko begrüßte den Appell. Die "Volkswehr" sei bereit, Regierungseinheiten abziehen zu lassen - aber ohne Waffen und Munition, sagte er dem russischen Staatsfernsehen.

Die Nato hatte am Donnerstag mitgeteilt Russland habe ihren Erkenntnissen zufolge mehr als 1000 eigene Soldaten mit schweren Waffen in das Krisengebiet geschickt. Man habe festgestellt, dass "große Mengen hochmoderner Waffen einschließlich Luftabwehrsystemen, Panzern und gepanzerten Fahrzeugen den Separatisten in der Ostukraine übergeben wurden", so ein Nato-General. Zudem seien im russischen Grenzgebiet zur Ukraine schätzungsweise 20.000 Soldaten stationiert. "Das ist eine Invasionsarmee", so der Nato-Offizier. Das Bündnis veröffentlichte Satellitenbilder, die ihre Einschätzung belegen sollen.

Merkel und Obama erhöhen Druck auf Putin

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach unterdessen bei einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Lage in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik. Der prowestliche Staatschef habe dabei bekräftigt, an diesem Samstag zu Gesprächen mit der EU nach Brüssel reisen zu wollen, hieß es in Kiew.

Zuvor hatte Merkel mit US-Präsident Barack Obama telefoniert. Beide seien sich einig gewesen, dass die neuen Erkenntnisse über das Verhalten Russlands nicht folgenlos bleiben dürften. "Dieses anhaltende Eindringen in die Ukraine bringt weitere Kosten und Konsequenzen für Russland", erklärte Obama am Donnerstag. Anhand von Beratungen mit den europäischen Verbündeten "ist meine Erwartung, dass wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen werden, weil wir keine bedeutenden Handlungen von Russland gesehen haben, dies tatsächlich auf diplomatische Weise zu lösen". Ein militärisches Eingreifen schloss er aus. Der Präsident sagte, er sei sich mit Merkel einig gewesen, dass Moskau für die Gewalt im Osten der Ukraine verantwortlich sei. Die Russen hätten absichtlich die ukrainische Souveränität verletzt.

Merkel bestätigte Obama, dass sich der Europäische Rat am Samstag mit der Situation befassen werde, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte. Die Kanzlerin unterstrich demnach, dass sich die Bundesregierung weiter für eine diplomatische Lösung einsetzen werde.

mad/DPA/AFP / DPA