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Ukraine-Krieg Schluss mit diplomatisch: Sogar die Botschafter greifen zu Beschimpfungen

Andrij Melnyk: Der ukrainische Botschafter greift zu drastischen Worten
Andrij Melnyk: Der ukrainische Botschafter greift zu drastischen Worten
© Thomas Trutschel/ / Picture Alliance
Die Kommunikation von Diplomaten und Botschaftern ist normalerweise genau das: diplomatisch. Im Ukraine-Krieg ändert sich nun auch das – an die Stelle von Floskeln treten harte Worte und Beschimpfungen.

Beim ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, kann man aktuell gut den aktuellen Widerspruch zwischen klassischer Diplomatie und spürbar hemdsärmeliger Krisenkommunikation beobachten: Auf Twitter teilte Melnyk diese Woche eine Verbalnote, ein diplomatisches Dokument.

Wie üblich beginnt die Verbalnote hochgestochen mit den Worten "Die Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland bekundet dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland ihre Hochachtung und beehrt sich, Folgendes mitzuteilen.", erst dann geht es mit dem eigentlichen Inhalt weiter. Genauso hochgestochen endet die Verbalnote auch. Statt "Mit freundlichen Grüßen" oder "Beste Grüße" stehen am Ende der Notiz die Worte: "Die Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland benutzt diesen Anlass, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland erneut ihrer ausgezeichneten Hochachtung zu versichern."

Ukraine-Krieg: Olaf Scholz und die Bundesregierung bekommen harsche Kritik

Das Umfeld dazu: komplett anders. Melnyk spricht Bundeskanzler Olaf Scholz, Außenministerin Annalena Baerbock und Finanzminister Christian Lindner direkt an: "Wie lange wollen Sie noch warten mit dem Rauswurf Russlands aus dem Swift? Wie viele Ukrainer müssen noch von Putin geschlachtet werden, damit Deutschland uns endlich mit Defensivwaffen unterstützt?"

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Noch schlimmer erwischte es Manuela Schwesig: Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, lange Zeit glühende Verfechterin und Unterstützerin von "Nord Stream 2", hat es sich in den letzten Tagen zur Aufgabe gemacht, ihre plötzlich entdeckte Solidarität zur Ukraine in der Vordergrund zu stellen. Dass sie auf Twitter ein Foto des Landtags in den ukrainischen Farben teilte, wurde dann auch Melnyk zu viel: "Die Heuchelei ist zum Kotzen", schrieb er an sie gerichtet. Von "ausgezeichneter Hochachtung" keine Rede.

Ukrainischer Botschafter: Hitler-Vergleich in Rede

Nicht anders handhabte es Sergij Kislitsja, ukrainischer Botschafter bei den Vereinten Nationen. In einer Rede bezeichnete er die Drohung von Wladimir Putin, Atomwaffen einzusetzen, als "Wahnsinn" und fuhr fort: "Wenn er sich selbst umbringen möchte, braucht er dafür keine Atomwaffen. Er muss nur das machen, was dieser Typ in Berlin gemacht hat, im Mai 1945.", ein unmissverständlicher Querverweis auf Hitler.

So scharf und undiplomatisch die Worte der ukrainischen Top-Vertreter auch sind: Geschadet hat es dem Ansehen der Ukraine bislang nicht. Als Melnyk diese Woche in der Sondersitzung des Bundestags zu Gast war, wurde er mit langem stehenden Applaus begrüßt.


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