Die ukrainischen Streitkräfte haben Russland in der Nacht zum Mittwoch mit großen Drohnenschwärmen angegriffen und Brände im Ostseehafen Ust-Luga ausgelöst. Das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete, dass 398 feindliche Langstreckendrohnen über vielen Teilen Russlands abgefangen worden seien. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass war es der bislang schwerste Drohnenangriff aus der Ukraine. Am Dienstag hatte die russische Armee neben Raketen auch eine Höchstzahl von fast 950 Kampfdrohnen auf die Ukraine abgefeuert.
Ölhafen am Finnischen Meerbusen als Ziel
Russische Stellen berichteten von Bränden in dem für den Öl- und Gasexport wichtigen Hafen Ust-Luga. Er liegt am Finnischen Meerbusen etwa hundert Kilometer westlich von St. Petersburg. Der ukrainische Generalstab bestätigte Angriffe auf ein Terminal für Flüssigerdgas in Ust-Luga. Im Hafen von Wyborg nahe der Grenze zu Finnland sei ein Eisbrecher des russischen Grenzschutzes beschädigt worden.
Von der Ostseeinsel Kronstadt, die ein wichtiger russischer Marinestützpunkt ist, wurden Häuserschäden gemeldet. Am Montag hatten ukrainische Drohnen Öltanks in Primorsk am Finnischen Meerbusen in Brand geschossen.
In und um die russische Großstadt Belgorod dicht an der Grenze zur Ukraine fiel durch ukrainischen Beschuss der Strom für etwa 450.000 Menschen aus, wie Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram mitteilte.
Baltische Staaten werden in Mitleidenschaft gezogen
Der ukrainische Angriff zog auch die baltischen Staaten Estland und Lettland und damit enge Verbündete Kiews in Mitleidenschaft. Wie die Regierungen in Tallinn und Riga mitteilten, drangen fehlgeleitete ukrainische Drohnen in den Luftraum ihrer Länder ein. Verletzte gab es nicht.
In Estland traf die Drohne einen Schornstein des Kraftwerks Auvere, das am Grenzfluss Narwa zu Russland liegt. Niemand sei verletzt worden, auch die Strominfrastruktur sei unbeschädigt. In Lettland wurde nach Militärangaben ein Flugobjekt per Radar erfasst, das später in Nähe des Dorfes Dobricina in der Gemeinde Kraslava von selbst explodiert sei.
Regierung und Streitkräfte der baltischen EU- und Nato-Mitglieder betonten, dass nicht Estland und Lettland Ziel des Drohnenangriffs gewesen seien. "Das ist eine direkte Konsequenz des aggressiven russischen Angriffskrieges", schrieb der estnische Außenminister Margus Tsakhna im Netzwerk X. In der Nacht zu Montag war bereits in Litauen eine ukrainische Drohne abgestürzt.
Luftangriffe auch auf die Ukraine
Die Ukraine versucht, den seit mehr als vier Jahren dauernden Krieg zurück ins Land des Angreifers zu tragen. Sie greift Anlagen der russischen Öl- und Gasindustrie an, weil Moskau den Krieg über Energieexporte finanziert. Zivilisten kommen dabei eher selten zu Schaden.
Die russischen Luftangriffe treffen dagegen in der Ukraine regelmäßig auch Wohnhäuser; Zivilisten werden getötet oder verletzt. In Odessa wurde in der Nacht eine Frau getötet. In der nordukrainischen Stadt Tschernihiw und Umgebung fiel nach Behördenangaben die Stromversorgung für etwa 150.000 Haushalte aus.