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Podcast "Ukraine – die Lage" "Militärisch gesehen hat die Ukraine ein Momentum": Sicherheitsexperte erwartet keine Feuerpause im Winter

Azov Regiment
Mitglieder des Azov-Regiments bei einer Gedenkveranstaltung in Kiew, Ukraine
© Jeff J. Mitchell / Getty Images
Auch im Winter wird der Krieg in der Ukraine unvermindert weitergehen, ist sich der Sicherheitsexperte Christian Mölling sicher. Die Ukraine habe gute Gründe ihren Kampf zur Befreiung der besetzten Gebiete weiterzuführen. 

Der Sicherheitsexperte Christian Mölling erwartet, dass der Krieg in der Ukraine auch im Winter unvermindert weitergeht. Mölling sagte am Dienstag im stern-Podcast "Ukraine – die Lage": "Es gibt keine Feuerpause." Die westliche Vorstellung, dass die Kämpfe durch Kälte, Matsch und Schnee zum Erliegen kämen, teile er nicht.

"Militärisch gesehen hat die Ukraine ein Momentum," sagte der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. "Sie hat gute Gründe, den Russen weiter nachzustellen, damit die sich nicht in Verteidigungsstellungen eingraben." Zudem seien die Ukrainer daran interessiert, mit ihrem Kampf zur Befreiung der besetzten Gebieten weiter in den westlichen Medien präsent zu sein, um die Unterstützung der dortigen Gesellschaften aufrecht zu erhalten. "Militärisch gehen die Ukrainer weiter", sagte er.

G20 gegen Drohungen mit Atomwaffen

Nach Möllings Einschätzung zeigt der G20-Gipfel in Bali, dass die Drohung mit Nuklearwaffen immer weniger akzeptiert wird. Als ein wesentliches Ergebnis des Treffens nannte er, "dass nicht nur der Einsatz, sondern auch das Drohen mit Nuklearwaffen nicht okay ist, nicht legitim und auch nicht legal ist". Solche Drohungen gehörten in den vergangenen Monaten zum festen Bestandteil der russischen Kommunikation. Sie werden jedoch auch von China kritisiert. Nach amerikanischen Angaben war dies auch Thema beim Treffen von US-Präsident Joe Biden mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping auf Bali. "Ich glaube nicht, dass man Russland schon aus dem warmen Bett verbannt hat, aber man zeigt eine klare Distanz", sagte Mölling zum chinesisch-russischen Verhältnis. Dies habe auch mit den wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges und möglichen Beeinträchtigungen des Welthandels zu tun, die auch China träfen.

Konflikt mit China immer wichtiger

Als zweites zentrales Ergebnis des Gipfels in Indonesien wertete Mölling, "dass man sich einig ist – inklusive China –, dass territoriale Integrität und Souveränität zu erhalten sind". Dies sei insbesondere aus Sicht Chinas eine wichtige Feststellung. Denn: "Damit unterstreicht China aus seiner Perspektive die Ansprüche auf Taiwan". China mache hier "einen Punkt für sich selber".

Für Mölling ist die "systemische Auseinandersetzung" der USA und des Westens mit China letztlich weit wichtiger als der Konflikt mit Russland. "Mit Russland haben wir gerade in Europa noch einen alten Konflikt, aber der zukünftige Konflikt erscheint immer deutlicher am Horizont", sagte er. Er werde aber "medial überdeckt, weil wir in Europa noch einen Schießkrieg haben".

les

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