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Podcast "Ukraine – die Lage" Mölling: Raketeneinschlag in Polen war "tragischer Unfall"

Rakete Polen
Nahe dem polnischen Dorf Przewodow, sechs Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt, ist am Dienstag eine Rakete eingeschlagen
© Michal Dyjuk / DPA
Der Sicherheitsexperte Christian Mölling wertet den Einschlag einer Rakete auf polnischem Territorium im Grenzgebiet zur Ukraine als "tragischen Unfall". Zwei Menschen waren dabei ums Leben gekommen.

Der Sicherheitsexperte Christian Mölling wertet den Einschlag einer Rakete auf polnischem Territorium im Grenzgebiet zur Ukraine als "tragischen Unfall". Zwei Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Mölling sagt am Mittwoch im stern-Podcast "Ukraine – die Lage", verursacht worden sei der Zwischenfall mit an "Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" durch eine Flugabwehrrakete der ukrainischen Armee. Bei dem Versuch, eine russische Rakete abzuschießen, sei es offenbar zu einer Fehlfunktion gekommen.

Als positives Zeichen sieht es der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, dass es keine vorschnelle Reaktionen des Westens auf den Einschlag gegeben habe. "Wir sehen, dass es eine überraschende Situation gegeben hat, auf die Polen, die Nato und alle anderen besonnen reagiert haben", sagt er. Kritik übt er dagegen an der Ukraine, die sehr schnell Russland die Verantwortung gegeben hatte. Das habe er irritierend gefunden.

Flugverbotszone wird es nicht geben

Mölling verweist darauf, dass Russland bislang stets vermieden habe, Nato-Staaten physisch in den Krieg zu ziehen. "Es passt nicht wirklich in die Konstellation des Konfliktes", sagt er zu der Sorge aus der Nacht zum Mittwoch, dass die Rakete aus Russland gekommen sei. Der amerikanische Präsident Joe Biden habe am Rande des G20-Treffens auf Bali sehr schnell den Ton gesetzt für die Reaktion des Westens und auf erste Informationen verwiesen, dass es sich um eine fehlgeleitete ukrainische Rakete gehandelt habe.

Mölling schließt aus, dass sich die Nato auf die Forderung der Ukraine nach einer Flugverbotszone einlässt. "Eine Flugverbotszone wird es nicht geben, weil es bedeutet, dass die Nato in diesen Krieg eintritt - das wird sie nicht tun", betont er. Mölling sagt weiter: "Ich kann verstehen, dass die Ukraine versucht, die Situation zu instrumentalisieren, um mehr Hilfe herauszuholen."  Er glaube aber nicht, dass sie damit Erfolg haben werde, denn die voreilig erhobenen Vorwürfe gegen Russland hätten ein "Geschmäckle".

Zerstörung in Ukraine groß

Die massiven Raketenangriffe der Russen in der Ukraine am Dienstag wertet Mölling auch als Reaktion auf den Verlust von Cherson. Nach der Einnahme der südukrainischen Großstadt durch ukrainische Truppen wolle die russische Führung Stärke demonstrieren. Er verstehe, "dass man versucht, die russische Gesellschaft zu bespielen und zu zeigen, wir sind noch potent, wir können noch Großartiges leisten". Die Bombardierung sei für die zivile Infrastruktur zerstörerischer gewesen als die Angriffe zuvor. "Was bedeutet, dass die humanitäre und auch technische Hilfe schnell viel umfangreicher notwendig ist, als wir das gedacht haben", sagt er.

kng

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