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Umstrittenes Atomprogramm Atomwächter beißen im Iran auf Granit


Die jüngste Mission der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA im Iran ist gescheitert. Ein Expertenteam kehrte mit leeren Händen aus Teheran zurück. Ist es das Ende der Zusammenarbeit?

Fotografen, Fernsehteams und Journalisten drängeln sich im Ankunftsbereich des Wiener Flughafens. Mit festem Schritt geht Herman Nackaerts, Chefinspekteur der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA auf die Kameras und Mikrofone zu. Doch was er zu bieten hat, sind nur ein paar dürre Sätze. "Leider konnten wir über keinen einzigen unserer Ansätze Übereinstimmung erzielen", erklärt der Wissenschaftler mit dem gepflegten Dreitagebart.

Das Team hat bei seiner zweitägigen Visite im Iran auf Granit gebissen: Keine Zugeständnisse, keine Einigung über ein künftiges Vorgehen. Das Team werde nun an IAEA-Chef Yukiya Amano berichten, sagt Nackaerts noch und verabschiedet sich. Angesichts der großen internationalen Aufmerksamkeit - es wurde sogar über einen möglichen Militärschlag Israels gegen Iran debattiert - hatten Beobachter doch insgeheim damit gerechnet, dass Teheran gegenüber den Atomwächtern zumindest kleine Zugeständnisse machen könnte. Nicht zuletzt, um eine drohende weitere Verschärfung der Sanktionen abzuwenden.

Doch der Iran blieb stur und ließ die Delegation aus Wien abblitzen. In einem ungewöhnlichen Schritt äußerte sich daraufhin IAEA-Chef Yukiya Amano bereits vor der Rückkehr seines Teams aus dem Mullahstaat öffentlich. Er sei enttäuscht über den Verlauf der Gespräche, ließ Amano wissen. Der Japaner, der seit 2009 an der Spitze der Behörde steht, hatte mit seinem scharfen Bericht über klare Hinweise auf ein mögliches Atomwaffenprogramm des Iran im vergangenen November einen Stein ins Rollen gebracht.

Eigentor für den Iran?

Zwar waren die Hinweise unter anderem auf mögliche Tests mit atomaren Sprengköpfen, die zum Teil aus Geheimdienstquellen stammten, nicht neu. Doch Amanos politische Entscheidung, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, hatte zur Folge, dass die UN, die USA und die EU Sanktionen gegen das Land verschärften und auch der Ton in der internationalen Auseinandersetzung härter wurde. Vor allem Erzfeind Israel, den Teheran "von der Landkarte" wünscht, fühlt sich von einer möglichen Atombombe bedroht und lässt Säbelrasseln hören.

Gegenüber der IAEA hätten sich nun die Hardliner in Teheran durchgesetzt, meint Mark Fitzpatrick, Sicherheitsexperte am International Institute for Strategic Studies (IISS) in London. Ihnen gegenüber stünden durchaus Kräfte, die angesichts der Drohung eines Militärschlages und angesichts der spürbaren Auswirkungen der Sanktionen Flexibilität gegenüber dem Westen zeigen wollten.

Iran habe ein Eigentor geschossen. "Natürlich bedeutet das nicht das Ende der Diplomatie", hält Fitzpatrick gleichzeitig fest. Doch international sind die Fronten verhärtet. Außenminister Guido Westerwelle sprach sich in einer ersten Reaktion für neue Sanktionen im UN-Sicherheitsrat aus. Russland dagegen sprang dem Verbündeten Iran zur Seite und forderte, den Konflikt durch Dialog zu lösen.

Doppeltes Spiel

Indessen spielt der Iran ein doppeltes Spiel. Während Teheran die IAEA-Vertreter bei den Verhandlungen ins Leere laufen ließ, kündigte Außenminister Ali Akbar Salehi eine neue Runde in den Atomgesprächen des Iran mit den Weltmächten an. Berichten zufolge ist Teheran bereits mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Kontakt, um Termin und Ort für solche Gespräche abzustimmen. Allerdings steht der Erfolg solcher Gespräche in den Sternen, solange Teheran an der Weiterführung der Urananreicherung im Lande festhält.

Wie es zwischen den Atomwächtern und dem Iran weiter geht, darüber wird Anfang März der Gouverneursrat der Behörde debattieren, der dann routinemäßig zusammen tritt. Bei aller Skepsis sieht etwa Sicherheitsexperte Fitzpatrick noch Chancen: "In Verhandlungen mit dem Iran geht es nie schnell." Er rechnet mit neuen Treffen und Debatten auch im Iran. Das Dilemma des Landes sei, dass ehrliche Antworten auf Fragen der IAEA als Eingeständnis geheimer Arbeit an Atomwaffenprojekten gewertet werden könne.

Irmgard Rieger, DPA DPA

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